Schwarz-weiß

Wieder einer dieser epischen Facebookposts die mich nerven. Er, Hundebesitzer, beklagt sich larmoyant über hundehassende Rentner, rabiate Radfahrer, fiese Jogger und Walker und überhaupt über all die bösen, intoleranten Mitmenschen die seinem Vierbeiner nicht wohlgesonnen sind. Zustimmende Kommentare aber keine Reflektion über die eigentlich völlig einseitige Aussage. Vielleicht gibt es ja wirklich Menschen, die Angst vor Hunden haben. Vielleicht gibt es auch Mütter und Väter die es gar nicht so toll finden, wenn der Sandkasten des örtlichen Spielplatzes zum Hundeklo umfunktioniert wird. Und vielleicht gibt es ja Radler, die sich bei voller Fahrt in einer dieser superlangen Hundeleinen verfingen und nach einem dreifachen Salto unsanft den Boden küssten.

Dabei erinnerte ich mich an die Situation als ich das letzte Mal, würgend, Hundescheiße aus den Sohlen meines Laufschuhs kratzte. Hätte ich den Verursacher des Haufens in den ich getreten bin zu fassen bekommen, ich hätte in diesem Moment für nichts garantieren können. Fände das Verfasser des Posts toll, fragte ich mich? Es wäre nun ein Leichtes, pauschal alle Hundebesitzer und deren vierbeinigen Anhang zu hassen und dies zu posten. Ich bin mir sicher, es hätte viele zustimmende Kommentare gegeben, bevorzugt von Läufern, Mountainbikern usw. von denen jeder mindestens eine Anekdote mit Hunden auf Lager hat.

Ich erinnerte mich aber auch daran, dass viele Hundebesitzer ihre Fifis am Halsband festhalten, wenn unsere Laufgruppe an ihnen vorbeihechelt. Manche sogar freundlich grüßend oder einen aufmunternden Spruch auf den Lippen. Obwohl selbst kein Hundebesitzer und, ehrlich gesagt, auch mit einer gewissen Abneigung gegen Hunde ausgestattet, erinnerte ich mich an eine nette Begegnung mit einem Pärchen, das einen wirklich knuffigen Labrador Gassi führte. Also doch nicht alles schwarz-weiß.

Es ist wohl immer eine Frage des subjektiven Empfindens und Fähigkeit, in bestimmten Situationen tolerant zu sein. Ich fasse mir selbst an die Nase: als Fahrradfahrer nerven mich Autofahrer die mich mit zu geringen Abstand überholen, mich schneiden oder den Fahrradweg zuparken. Umgekehrt nerven mich als Autofahrer die Fahrradfahrer, die auf der Straße anstatt auf dem Radweg fahren und ich gebe zur, dass ich sicher auch schon den ein oder anderen Radler mit weniger als einem halben Meter abstand überholt habe und prinzipiell ziemlich genervt bin von dem Verhalten mancher Radlerrambos. Als Velofahrer habe ich andererseits auch schon die ein oder andere nicht ganz StVO-konforme Aktion gebracht.

Bin ich im Wald mit meinem Velo unterwegs, dann nerven mich die Läufer, Spaziergänger und Nordic-Walker die den ganzen Waldweg brauchen, keinen Platz machen und mir den Schwung nehmen. Umgekehrt nerven mich als Läufer die Biker, die von hinten angeschossen kommen und, natürlich ohne zu klingeln, im Zentimeterabstand an mir vorbeirauschen.

Wir brauchen im Umgang miteinander mehr Toleranz, mehr Gelassenheit und die Fähigkeit, sich in bestimmten Situationen in die Sichtweise und das Empfinden des anderen hineinzuversetzen. Das hört sich nach Friede, Freude, Eierkuchen an, ich weiß. Und es erfordert auch ein hohes Maß an Beherrschung (ich habe es selber ausprobiert), das Tempo der rasanten Bergabfahrt zu drosseln, sich rechtzeitig per klingeln bemerkbar zu machen und langsam an dem Pulk Läufer oder Spaziergänger vorbeizufahren. Aber es hilft.

Was nicht hilft sind Facebookposts die alle Nichthundebesitzer, Rentner, Läufer, Walker, Biker usw. zu intoleranten Mitmenschen erklären. Wer Toleranz von anderen erwartet, der sollte immer bei sich selbst anfangen.

PS. Und natürlich habe ich meinen Hass gegen Hunde, deren Hinterlassenschaften und deren Besitzer getwittert, nachdem ich meine Schuhe zwar gesäubert, aber den Geruch von Hundekacke noch Stunden später in der Nase hatte. Außerdem fällt es mir immer noch schwer, schnell Platz für rasende Mountainbiker zu machen. Aber ich arbeite daran.

PPS. Note to myself: Mehr Gelassenheit!

Running Rome

Laufen macht bei 35° im Schatten nicht mehr wirklich Spaß. Deshalb habe ich meinen inneren Schweinehund und meine morgendliche Lethargie überwunden, und bin um 06:30 Uhr morgens vor der großen Hitze laufen gegangen. Es war: a.) eine ganz neue Erfahrung, b.) die ultimative Möglichkeit meine Kohlenyhdratspeicher zu leeren und c.) eine Möglichkeit gleich beim Bäcker meines Vertrauens vorbeizuschauen.


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Vielleicht ist es auch die Gelegenheit, endlich mal einen Artikel für mein Blog zu schreiben oder ein wenig mit meiner neuen Sportlichkeit anzugeben.

vox populi

Wenn Sport und Politik aufeinandertreffen, so ist das Ergebnis manchmal überraschend. So geschehen gestern in der Schleyerhalle in Stuttgart. Durch einen Kollegen meines Lauftreffs kam ich an eine Freikarte für den Sparkassen Cup. Der Cup ist ein indoor Leichtathletik Meeting, bei dem in der Vergangenheit schon Dieter Baumann, Daley Thompson und Gabriel Haile Gebrselassie um die Wette rannten. An der Stelle möchte ich anmerken, wie leicht mir doch die Worte Leichtathletik Meeting, indoor etc. aus den Fingern gleiten. Es muss daran liegen, dass ich selbst Sport mache. Aber ich schweife ab.

Etwa zu Mitte der Veranstaltung stellte der Hallensprecher ein paar Politiker vor die in der VIP-Lounge, wahrscheinlich bei Prosecco, und Lachsschnittchen, versuchten, sich im Glanz der Veranstaltung zu sonnen. Vermutlich stellen sich die Herren so Volksnähe vor.

Zunächst wurde Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster vorgestellt. Erst Buhrufe, kein Applaus. Dann der baden-württembergische Landtagspräsident Peter Straub. Dass sich Straub kurz vor Ende seiner Dienstzeit noch einen Porsche Panamera als Dienstwagen genehmigen lassen wollte, hatten wohl einige Zuschauer nicht vergessen. Wieder Buhrufe, diesmal aber deutlich lauter als bei Wolfgang Schuster. Zum Abschluss der Politikervorstellungsrunde wurde dann Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech angekündigt. Beim Hauptverantwortlichen für den Polizeieinsatz im Schlosspark vom 30.09.2010, machte sich sich der Volkszorn dann noch einmal um einige Dezibel lauter Luft.

Nach der Vorstellung einiger Sparkassenvorstände, Vorvorstände und wahrscheinlich auch Ihrer Kindermädchen und Putzfrauen -ich habe irgendwann einfach nicht mehr hingehört- war der Spuk vorbei. Ein älterer Herr hinter mir raunte: “Müssen diese Affen eigentlich alle vorgestellt werden?” Ich bin mir nicht sicher, ob er dabei die Vorstandsmitglieder der Sparkasse oder die drei Politiker meinte.

S21

Philipp Mißfelder, seines Zeichens Vorsitzender der Jungen Union, sagte in einem Interview mit dem Deutschlandfunk am 16.11.2010 zum Streit um Stuttgart 21: “Hier geht es darum, dass ein Infrastrukturprojekt gebaut wird, und da gibt es Leute, die sind dagegen, zum Teil sind sie auch dagegen, weil sie vielleicht der eigenen Bequemlichkeit halber sagen, ich möchte vor meiner Tür nicht so eine Baustelle haben, ich habe ja gar nichts davon, warum hier dieser Baulärm und so weiter und so fort.

Dabei offenbart sich zweierlei: zum einen die völlige Ahnungslosigkeit von Herrn Mißfelder. Zum anderen die unglaubliche Arroganz von Politikern, die die Bürger auf die Straße treibt. Herr Mißfelder weiß nicht von was er spricht wenn er meint, “Baulärm” und eine “Baustelle” vor der eigenen Türe wären unter anderem eine der Gründe für den massiven Protest gegen das Projekt.

So gibt es in der Gegend um den Hauptbahnhof und um den Teil des Schlossparks, die direkt von den Baumaßnahmen betroffen sind, kaum Privatwohnungen. Südlich an den Hauptbahnhof grenzt etwa die Fußgängerzone, die sich ca. einen Kilometer weiter gen Süden zieht.

Östlich des Hauptbahnhofs liegt der besagte Schlossgarten. Der Schlossgarten ist seinerseits durch die stark befahrene vierspurige B14 vom Stadtteil Stuttgart Ost getrennt. Ähnlich ist es Richtung Nordwesten, wo die ebenfalls sehr stark frequentierte B27 an das Gebiet um die Jägerstraße grenzt. Direkt hinter dem Hauptbahnhof befinden sich die Gleisanlagen der Bahn AG. Auch hier also weit und breit keine Privatwohnungen und Anlieger die aus Furcht vor Baulärm auf die Straße gehen.

Wer an oder in der Nähe eine der beiden Bundesstraßen wohnt, der kann über die von Herrn Mißfelder aufgestellte Theorie bestenfalls milde lächeln. Die Lärmbelästigung für nicht existierende Anwohner dürfte sich bei Baumaßnahmen am Hauptbahnhof oder im Schlosspark in ebenfalls in Grenzen halten.

Es ist unter anderem genau diese Mischung aus Ahnungslosigkeit und der Einstellung, wir sollen uns doch bitte alle nicht so anstellen, es gehe ja schließlich um das große Ganze, die die Bürger auf die Straße bringt. Im gleichen Interview behauptet Herr Mißfelder übrigens auch, “bei Stuttgart 21 ist das Problem ja einfach gelagert, wenn man das mit der Gesundheitsreform vergleicht, oder mit dem Euro-Rettungsschirm.” Da fragt sich der Leser dieser Sätze schon, ob sich der Urheber dieser Worte auch nur für 5 Minuten eine Übertragung der Schlichtung angesehen hat. Selbst wenn doch, dann hat er wahrscheinlich nichts verstanden.

Lasst die Ahnungslosen regieren!

Odyssey

Wer eine Reise tut, der hat was zu erzählen. So oder so ähnlich muss wohl das Credo aller Bahnreisenden lauten. Zumindest dann, wenn sie mehr als 100 km mit der Deutschen Bahn zurücklegen wollen.

Ich war auf Dienstreise nach Lübeck und wollte am Mittwochnachmittag wieder zurück nach Stuttgart fahren. Eigentlich eine entspannte Angelegenheit dachte ich. Doch hatte ich die Rechnung ohne die Deutsche Bahn AG gemacht.

Mittwoch, 16.06.2010, 17:10 Uhr, Lübeck Hauptbahnhof

Ich war selbst schuld, dass der Beginn meiner (eigentlich unserer) Odyssee so hektisch war. Der Termin den mein Kollege und ich wahrnehmen mussten, dauerte länger als geplant und so kamen wir mit einem freundlichen Taxifahrer buchstäblich auf den letzten Drücker zum Bahnhof. Den Zug um 17:10 Uhr erwischten wir aber noch und waren pünktlich um 17:51 am Hauptbahnhof in Hamburg.

Mittwoch, 16.06.2010, 18:00 Uhr, Hamburg Hauptbahnhof

Der Zug um 18:01 direkt nach Stuttgart viel aus und so beschlossen wir den ICE zu nehmen, der zur gleichen Uhrzeit nach Würzburg fuhr. Dort hätten wir dann um 21:37 Uhr in den Regionalexpress nach Stuttgart umsteigen müssen. Ein kühnes Unterfangen, da unser ICE erst um 21:32 Uhr in Würzburg ankommen sollte. Die Horrorgeschichten zum Thema Pünktlichkeit und Bahn im Hinterkopf, wandten wir uns vertrauensvoll an einen Bediensteten der Bahn AG, denn unser ICE sollte erst mit zehnminütiger Verspätung Hamburg verlassen.

Der erklärte uns mit hanseatischer Gelassenheit, aber durchaus freundlich, dass der Zug das schon schaffen werde. Auf die Frage, warum der Zug Verspätung habe, obwohl er doch bereits im Bahnhof stand, erklärte er, die Wagons müssten zunächst noch gereinigt werden.

Mittwoch, 16.06.2010, ca. 19:00 Uhr ICE 885 Richtung Würzburg

Mein mitreisender Kollege hatte am gleichen Tag schon eine beachtliche Reise hinter sich. Irgendwann um 04:00 Uhr losgefahren, strandete er frühmorgens kurz vor Würzburg, da sein Zug wegen eines Oberleitungsschadens nicht mehr weiterfahren konnte. Mit viel Glück und unter abenteuerlichen Umständen erreichte er den Bahnhof in Würzburg und erwischte so noch einen ICE nach Hamburg, der ihn fast pünktlich zu unserem gemeinsamen Termin nach Lübeck brachte. Zwischendurch schrieb er eine SMS mit dem Inhalt: “Reisen ist ein Abenteuer”.

Dermaßen vom Schicksal eines Reisenden gebeutelt, bat er mich (nach der obligatorischen Kurzvorführung meines iPads), doch kurz unter www.bahn.de nachzuschauen, ob das mit der Rückfahrt von Würzburg aus den klappen würde. Nach ewig langen Minuten und diversen Verbindungsabbrüchen, erschien die Zugverbindung auf der Homepage der Bahn, allerdings mit einem vorangestellten roten Ausrufezeichen.

Nach einem Klick auf die Verbindungsdetails war auf der Seite ganz unten aber lediglich zu lesen, dass es auf der Strecke zu Störungen komme. Trotz einiger Klickerei und einigem Gesuche war aber nichts weiter zur erfahren. Auch unsere Anfrage bei einer sichtlich genervten Schaffnerin war erfolglos. So suchte ich im Internet nach der Servicenummer der Bahn und rief an. Nach 10 Minuten in der Warteschleife, landete ich bei der Buchungs- und Reservierungshotline. Ein freundlicher Mitarbeiter erklärte mir, dass die Strecke Würzburg – Stuttgart immer noch gesperrt sei und wir deshalb in Würzburg nicht weiterkämen.

Uns wurde geraten in Kassel umzusteigen und dort den ICE nach Karlsruhe zu nehmen. Von dort aus würde uns dann ein Regionalexpress nach Stuttgart bringen, geschätzte Ankunftszeit 00:36 Uhr.

Mittwoch, 16.06.2010, ca. 19:30 Uhr ICE 885 Richtung Würzburg

Mein leidgeprüfter Kollege bat einen Zugbegleiter doch eine Durchsage zu machen, dass eine Weiterfahrt nach Stuttgart über Würzburg nicht möglich sei. Gäbe es einen Verdienstorden der Bahn oder des Fahrgastverbandes der Bahn, mein Kollege hätte ihn sich in der goldenen Ausführung mehr als verdient. Der Zugbegleiter kam aber dem Wunsch meines Kollegen nach und so stand gegen 20:30 Uhr ein erkleckliches Häuflein Reisender am Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe um in den verspäteten ICE nach Karlsruhe einzusteigen.

Mittwoch, 16.06.2010, ca. 20:30 Uhr, Bahnhof Kassel Wilhelmshöhe

Wir wurden von einem etwas seltsamen jungen Herren angesprochen, ob wir nicht ein paar EURO führ ihn hätten. Er habe kein Geld und benötige dringend ein Zugticket nach Hause. Mein Kollege zeigte sich spendabel. Sollte er doch sehen, was er von einer Reise mit der Deutschen Bahn AG habe. Wahrscheinlich wurde seine Spende aber sowieso in Alkohol oder sonstige Rauschmittel angelegt. In der Situation sicherlich die bessere Wahl.

Der ICE in Richtung Karlsruhe traf in Kassel ebenfalls mit Verspätung ein. Da die Zeit zum Umsteigen in den letzten Zug nach Stuttgart in Karlsruhe recht knapp war, recherchierten wir gleich noch mal im Internet, ob es auch eine noch spätere Verbindung gebe. Die gab es und die Aussicht vor 02:00 Uhr zu Hause zu sein bestärkte mich in meiner Meinung, das nächste Mal wieder mit dem Auto zu fahren.

Mittwoch 16.06.2010, 23:15 Uhr, Karlsruhe Hauptbahnhof

Unser ICE konnte seine Verspätung nicht aufholen. Der Regionalexpress in Richtung Stuttgart wartete aber tatsächlich auf uns. Die Gruppe Reisender, die ich schon in Kassel am Bahnsteig stand, bewegte sich in einer Art Karawane der gestrandeten zu dem Gleis, an dem unser Zug auf uns wartete.

Mittwoch, 16.06.2010, 23:30 Uhr, Regionalexpress Karlsruhe – Stuttgart.

Geschafft! Um 00:36 Uhr sollten wir endgültig in Stuttgart sein. Während sich der Zug langsam durch klingende Namen der badischen und schwäbischen Diaspora quälte (Durlach, Kleinsteinbach, Remchingen, Ispringen usw.), versuchten unsere mitreisenden Leidensgefährten ihre Daheimgebliebenen über ihre neue Ankunftszeit zu unterrichten. Eigentlich müssten alle deutschen Mobilfunkanbieter eine Pauschale an die Bahn zahlen. Ein gewisser Prozentsatz deren Umsatzes ist bestimmt den Verspätungen der Bahn geschuldet.

Donnerstag, 17.06.2010, 00:40 Uhr, Stuttgart Hauptbahnhof

Ich konnte es fast nicht glauben: nach eineinhalb Stunden im Regionalexpress hatten wir tatsächlich unser Ziel erreicht. Zwischendurch musste ich mit dem Schlaf kämpfen, da Stuttgart aber die Endhaltestelle unseres Zuges war, bestand zumindest nicht die Gefahr, dass ich in irgendeinem Kuhkaff wieder zu mir kommen würde.

Da keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr in Richtung meiner Heimatadresse fuhren, leistete ich mir eine 15 EURO teuere Taxifahrt nach Hause, mit einem schweigenden Taxifahrer, der Klassik Radio hörte. Mir war alles egal. Reisen ist ein Abenteuer…

Der Explodierer und das Klemmbrett.

Die segensreichste Entwicklung seit der Erfindung des Computers und moderner Betriebssysteme ist zweifellos die Zwischenablage. Die ersten Tastenkombinationen die ich unter Windows 3.11 drauf hatte, waren Strg+C, Strg+X und Strg+V. Zunächst konnte man zwar “nur” Text von einem Dokument ins andere kopieren, doch erleichterte dies den Umgang mit Word (wer erinnert sich nicht gerne an Word 2.0?) und den ersten Grafikprogrammen ungemein. So weit ich mich entsinnen kann, konnte man unter Win 3.11 Dateien nur mühsam mit dem Dateimanager von einem Verzeichnis in ein anderes kopieren. Das Clipboard funktionierte hier nicht.

Ein Kopieren von Dateien mit Hilfe der Zwischenablage war erst ab Win 95 möglich. Meine erste Begegnung mit einem Macintosh und Mac OS hatte ich Mitte der 90iger und der Finder konnte damals schon ein wenig mehr als der Windows Explorer (Schmähname “Explodierer”) oder der altbackene Dateimanager. So war es etwa mit der Tastenkombination Apfeltaste+N möglich, neue Ordner anzulegen und auch das Kopieren oder Verschieben von Dateien klappte recht intuitiv.

Und wie ist es nun beim iPad? Prinzipiell funktioniert zwar Copy’n Paste, man muss sich aber etwas umgewöhnen. Ein “Doppelklick” auf ein Wort markiert dieses und man sieht zwei blaue Punkte links oben und rechts unten um die Markierung zu erweitern. Über dem markierten Bereich erscheint nach einer kurzen Wartezeit eine Art Kontextmenü, über das man den Befehl “Kopieren” auswählen kann. Gut, so weit ist das nichts Neues und wahrscheinlich ist es beim iPhone ähnlich oder sogar gleich. Zwei Dinge sind aber wirklich gewöhnungsbedürftig: zum einen ist das Ziehen der Markierung mit den kleinen blauen Punkten eine echte Herausforderung, zum anderen erscheint das Kontextmenü zwar verlässlich in allen original Apple Apps, aber nicht in allen Apps von Drittherstellern.

Das Kopieren einer URL aus Safari in das WordPress App funktioniert somit nicht. Eine E-Mail-Adresse aus Apple Mail in das Empfängerfeld zu kopieren klappt dagegen einwandfrei. Wie sehr wünsche ich mir in solchen Momenten ein applikationsübergreifendes Klemmbrett, das mit allen Apps funktioniert. Das scheitert derzeit aber wohl an der mangelnden Mutitaskingfähigkeit des aktuellen iPad OS. Oder soll ich mir doch noch das iPad SDK downloaden und mich daran versuchen? Wohl eher nicht…

Das große Rauschen

Zur Zeit plagt mich eine Mittelohrentzündung. Untypischerweise asynchron, höre ich auf meinem rechten Ohr ein unangenehm lautes Rauschen. Als mich im Büro zufälligerweise nach unten beugte, um Unterlagen aus meiner Schreibtischschublade zu holen, stellte ich fest, dass sich auch das Rauschen änderte. Das weckte den Spieltrieb in mir und ich stellte fest, dass ich die Tonhöhe des Rauschens ändern konnte, je nach dem wie ich meinen Kopf hielt. Mein Kopf ist also ein iHead! Und so kam mir auch gleich die Idee für ein App: Das große Rauschen.

Nach dem Start wählt man zunächst einen Grundton oder ein Grundrauschen aus. Dieser wird dann, je nach Lage des iPhones oder des iPads, in seiner Höhe moduliert. Man könnte auch eine Art Spiel daraus machen, indem man Rauschen in einer bestimmten Tonhöhe vorgibt und dann versuchen muss, dieses dann durch eine bestimmte Lage des Spielgerätes nachzumachen. Das Ganze dann mit psychedelischen Farben unterlegt und um die Möglichkeit der Aufzeichnung erweitert; fertig ist das Kultapp. Ich finde, iHead wäre auch ein ziemlich cooler Name für das Programm.

Und morgen dann in unserer kleinen App-Bastelstunde: Wir basteln uns ein Scharping App.

Der flache Makel

Vielleicht liegt es ja an meiner Laune, mit der es derzeit nicht zum besten steht, aber einige Dinge vermisse ich schmerzlich am Flunder aus Cupertino. So ist es nicht möglich verschiedene User anzulegen. Will ich meinen Nichten für ein paar Stunden mein Gerät zum Spielen überlassen, so muss ich damit rechnen, dass sie meine E-Mails lesen und wirre Tweets über meinen Twitter Account absetzen. Natürlich könnte ich alle Passwörter löschen. Aber ehrlich gesagt habe ich dazu keine Lust. Da muss man den Kids dann wohl oder übel vertrauen.

Leider klappt auch die Anbindung ans Office nicht. Da wir eine VPN-Appliance mit einem proprietären Client nutzen, und das iPad Verbindungen bevorzugt über IPsec herstellen will, schau ich in die Röhre. Schade, wäre der Flunder doch die ideale Alternative zu meinem (gefühlt) 5 kg schweren Lenovo-Prügel, den ich dazu noch umständlich via Datenkabel und BlackBerry ins Mobilfunknetz bringen muss. Mitleidige Blicke anderer Passagiere im öffentlichen Verkehrsmittel meiner Wahl sind damit garantiert. Und wehe man stellt zu spät fest, dass die Umsteigestation innerhalb der nächsten 30 Sekunden erreicht wird.

So werde ich wohl gleich beim Hersteller unserer Appliance nachfragen, ob den die Entwicklung einer iPhone oder, besser noch, einer iPad Apps geplant ist. Bei der Gelegenheit fällt mir aber gerade ein, dass wir den Wartungsvertrag mit dem Hersteller nicht verlängert haben. Life’s a piece of shit!

Eine Woche iPad

Nun besitze ich das Teil schon über eine Woche. Würde ich so eine Art Fazit ziehen, so könnte man es in einem Satz ausdrücken: Das iPad kann nicht viel, macht dafür aber richtig Spaß. So eignet es sich etwa hervorragend zum Surfen. Das Display ist mit seiner Auflösung von 1024 x 768 ausreichend groß um die meisten Webseiten in einer vernünftigen Größe darzustellen. Die gefühlte Geschwindigkeit beim Seitenaufbau ist rasend schnell und es fehlt der “Mäusekinocharakter” der sich beim Surfen mit dem Handy schnell einstellt.

Leider gibt es aber auch ein paar Mankos. Mit der fehlenden Flashunterstützung kann ich zwar leben; Apple hat Adobe da wohl sowieso den Krieg erklärt und setzt auf HTML 5, dass offene Seiten im Hintergrund aber einfach und ohne Rückfrage geschlossen werden wenn der Arbeitsspeicher knapp wird, das ist beim ersten Mal ziemlich überraschend. Es scheint wohl auch ein Problem bei der Anzeige von großen PDF-Dateien zu geben, die in Webseiten eingebunden sind. Safari stürzt dabei reproduzierbar ab. Eine Möglichkeit diese Dateien lokal zu speichern und sie dann offline zu öffnen fand ich bisher nicht.

Auch Seiten die mit Ajax programmiert sind werden nicht fehlerfrei angezeigt und sehen mitunter etwas wild aus. So werden etwa Eingabefelder nicht sauber erkannt und die virtuelle Tastatur klappt sich nicht auf, wird in ein solches Feld getippt. Das macht es z.B. unmöglich, WordPress über das Webfrontend zu bedienen. Schade eigentlich, denn das WordPress-App bietet nur rudimentäre Bearbeitungsmöglichkeiten und stürzt nach der Artikelvorschau gerne ab.

Über den E-Mail-Client kann ich dagegen nichts Negatives zu berichten. IMAP und POP3 klappen prima und die Tatsache, dass man auch für verschiedene Konten nur eine Signatur verwenden kann, ist für mich zu verschmerzen. Einzig die Eingabe längerer Mails ist mühsam. Das liegt aber nicht am Client sondern am Konzept mit der virtuellen Tastatur.

Das virtuelle Keyboard: Fingerfolter für Gadgetuser
© Matt Buchanan, CC-BY-SA, Wikimedia Commons

Etwas abenteuerlich finde ich das Dateihandling. Wobei ich mich offengestanden damit noch nicht tiefer gehend beschäftigt habe. Bisher nutze ich die Möglichkeit mir Dateien per E-Mail selbst zuzuschicken. Laut Fachpresse gibt es wohl einen Trick, Dateien im Ordner zu speichern in dem auch Bilder abgespeichert werden. Das werde ich in den kommenden Tagen wohl genauer unter die Lupe nehmen.

Eine wirklich gute Figur mach das iPad beim Spielen. Bisher habe ich zwar nur Labyrinth 2 HD und Pinball HD ausprobiert, diese beiden Apps machen aber richtig Spaß und auch ein wenig süchtig. Irgendwie erinnern mich die beiden Apps an frühe Spiele auf meinem ersten 486er. Grafisch zwar wesentlich ansprechender, es steht aber die Spielidee im Vordergrund nicht ein möglichst ausgefeiltes Gameplay mit vielen Levels und komplizierter Bedienung. Wobei ich einsehe, dass ein Hardcore-Gamer dafür wohl wirklich nur ein Lächeln übrig hat. Dafür sind die für das iPad programmierten Spiele aber auch nicht gedacht.

Zwei Punkte zum Thema Hardware: die in diversen Blogs und in der Presse zu lesenden Probleme mit Verbindungsabbrüchen des integrierten WLAN-Adapters treten bei mir nicht auf. Allerdings habe ich es bis jetzt nur mit meinem heimischen WLAN betrieben und bin ansonsten mit einer mobilen Flatrate von O2 unterwegs. Recht hakelig ist allerdings der Stecker des Netzteils (iPad USB Power Adapter heißt das im Applesprech) zum Dock-Connector des Pads. Eine Dockingstation steht also ganz oben auf meiner Wunschliste. Eine Überlegung wert ist auch das iPad Case. Auf Dauer ist es ziemlich umständlich, das iPad jedes Mal in das Belkin Grip Sleeve hinein- und anschließend wieder hinauszubefördern, will man im Office etwa kurz nach seinen Mails schauen.

So, da mein iPad nun voll geladen ist, werde mich mit meinem Gadget in Richtung Sofa verziehen und versuchen ein paar Highscores mit meinem iPad Flipper aufzustellen.

So long, Freunde des Tablet PCs.