Archiv für die Kategorie 'Allgemeines'

krusH

Die Westerwelle

Irgendwie wird er zu meinem Lieblingsfeind. Er macht es mir -und allen anderen- aber auch einfach, der Herr Westerwelle. Guido Westerwelle sagt, er fände es “geradezu skandalös”, dass ein verheiratete Kellnerin mit zwei Kindern 109 € im Monat weniger zur Verfügung habe, als wenn Sie Hartz IV beziehen würde. Daraus leitet er nun ab, dass eine Neustart des Sozialstaates notwendig sei.

Richtig; es ist skandalös, wenn man mit seinem Einkommen unter dem Hartz IV-Satz liegt. Skandalös daran ist dabei aber nicht die Höhe des Hartz IV-Satzes, sonder vielmehr die Tatsache, dass Arbeit so schlecht bezahlt wird. Ich habe kürzlich im TV ein Interview mit Wolfgang Grupp gesehen. Grupp ist Geschäftsführer der Trigema GmbH & Co. KG. Eigentlich war mir Grupp bisher nur aus dem lächerlichen Werbespot mit dem Affen bekannt. Seinen affektierten Auftritt darin fand ich ziemlich dämlich. In den Interview sagte er nun, dass es nicht sein könne, dass man 8 Stunden und mehr am Tag über die Arbeitskraft eines Mitarbeiter verfüge, der aber nicht von seinem Job leben könne. Weiter sagte er, er schäme sich für alle seiner Managerkollegen, die Mitarbeiter nur noch als Masse sähen, über die man nach belieben verfügen könne und die potentiell optimierbar sei.

Chapeau, Herr Grupp! Diese Einstellung sollten sich all diejenigen dick hinter die Ohren schreiben, die einerseits über vermeintlich zu hohe Hartz IV-Sätze lamentieren, andererseits aber den hemmungslosen Wirtschaftsliberalismus propagieren, der ja genau zu solchen Fehlentwicklungen führt. Aber ein nach B 11 besoldeter Bundesminister macht sicher keine Gedanken darüber, ob man von einem Stundenlohn zwischen 6 und 7 € überhaupt leben kann.

Die FDP entlarvt sich bei der ganzen Diskussion. Sie ist keine liberale Partei mehr sondern wird immer mehr zu einem Sammelbecken für alle Neocons. Bald hat sie es auch noch geschafft die Union rechts zu überholen. Aber wer einen Möllemann jahrelang in seinen Reihen duldet, bei dem ist das auch nicht weiter verwunderlich.

krusH

‘tschuldigung, liebe Bank

Heute geschah auf meiner Bank unglaubliches. Nichtsahnend betrat ich die Filiale meines Vertrauens um Geld vom EC-Automaten abzuheben. Soweit alles in Ordnung bis auf diese Meldung ganz am Ende des Abhebevorgangs. “Ihre EC-Karte wurde automatisch aktualisiert. Sollten Sie in der Vergangenheit Probleme mit Ihrer Karte gehabt haben, so bitten wir dies zu entschuldigen!”

Im ersten Moment dacht ich, man hätte mein Karte eingezogen. So leer war das Konto aber gar nicht. Das konnte also gar nicht sein. Dann dachte ich an eine Skimming-Attacke, und dass ich jetzt dazu aufgefordert werden würde meine PIN-Nummer noch einmal einzugeben. Im Geiste ließ ich die Karte schon sperren und versuchte mich krampfhaft an die zentrale Telefonnummer zu erinnern, unter der man den Missbrauch melden konnte.

Aber nun das: Meine Bank entschuldig sich bei mir? Liebe Bank, das hättest du gar nicht tun müssen. Zum einen hat meiner Karte an allen Bezahlstellen und mit allen Terminals immer klaglos funktioniert. Sogar Neujahr in Österreich versagte sie nicht ihren Dienst. Und eigentlich muss ich mich bei dir entschuldigen. Entschuldigung also dafür, dass mein Konto nicht immer so reich gefüllt ist, wie das deiner Vorstände und Aufsichtsräte. Entschuldigung auch dafür, dass ich eine deiner Mitarbeiterinnen so blöd am Telefon angemacht habe, als du mir vor ein paar Jahren zwei EC-Karten hintereinander geschickt hast, von der keine funktionierte. Ah, und dann natürlich auch noch entschuldigung dafür, dass ich ca. einmal im Jahr einen deiner Schalter aufsuche um Geld bar (!) einzuzahlen, einen Scheck einzulösen oder sonst irgendeine Dienstleistung in Anspruch nehme. Die Mienen deiner Mitarbeiter verraten mir sofort was von soviel Dreistigkeit zu halten ist.

Ich gelobe Besserung und werde versuchen in Zukunft wirklich alles online abzuwickeln. Liebe Bank, bitte entschuldige!

krusH

Mövenpick

Über manche Dinge könnte man sich lang und breit echauffieren, es gibt aber andere die es schon perfekt auf den Punkt gebracht haben. Check this:

Der FDP-Spendenschein

Bei mir reicht es wohl gerade mal für den Mindestbetrag. Wollen wir sammeln?

krusH

Der große Murks

Letzte Woche hat die Koalition aus CDU und FPD ihr Resümee der ersten 100 Tage gezogen. Was da als Erfolg verkauft wird kann einen verzweifeln lassen:

  • Ein “Wachstumsbeschleunigungsgesetz” -auf Pump finanziert- das hauptsächlich dazu dient Unternehmer, Hoteliers und Erben zu entlasten.
  • Der unsägliche Streit um die Entsendung von Monika Steinbach in den Stiftungsrat der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung. (Warum lässt sich eine Regierung so vom BdV vorführen? Frau Steinbach hat aufgrund ihres Verhaltens in der Vergangenheit nichts in dieser Stiftung zu suchen.)
  • Die Stimmenthaltung Thomas de Maizières im EU-Ministerrat bei der Abstimmung um die Weitergabe der SWIFT-Daten an amerikanische Behörden.
  • Der Hickhack um den Raketenangriff auf zwei Tanklastwagen im Kundus.
  • Der Rücktritt des Arbeitsministers Franz Josef Jung wegen der Kundus-Affäre.
  • Der ständige Streit um zukünftige Steuersenkungen, nur um Wahlversprechen einzuhalten und noch mehr die eigene Klientel zu bedienen.
  • Eine Rekordverschuldung für die kommenden Jahre.

Kann man da eigentlich überhaupt noch von regierungsähnlichen Zuständen sprechen? Es ist frustrierend.

krusH

iPad-Hype

Nun ist es endlich da. Steve Jobs stellte letzten Mittwoch in San Fransisco eine neue Kreation aus dem Hause Apple vor: das iPad. Ich mag Appleprodukte, besitze selbst einen iMac und natürlich einen iPod. Trotzdem bezeichne ich mich nicht als ultimativer Apple-Fan und es gibt durchaus einige Kritikpunkte, zumindest an der Hardware von iMac, MacBook und Co.

Einer der Hauptkritikpunkte am iPad nach dessen Vorstellen war, dass das Gerät keine integrierte Kamera hat. Schaue ich mir die bescheidene Bildqualität von Handykameras (vor allem auch die des iPhones) an, dann kann ich dieses Argument nicht nachvollziehen. Außerdem ist das iPad schlicht zu groß um als Kameraersatz zu taugen. Auch das Fehlen einer Webcam zur Nutzung von Skype halte ich für vertretbar. Die integrierte iSight Kamera meines Macs habe ich genau ein einziges mal zu diesem Zweck genutzt und das war es dann auch schon.

Bemängelt wird auch, dass das iPad nicht aufrüstbar ist. Liebe Apple User, das ist für uns doch nichts neues. Oder hat jemand schon einmal versucht bei einem Mac mini die Festplatte zu tauschen? Mit Schaudern denke ich an diverse Anleitungen im Internet, aus denen hervorgeht, wie man mit angeschliffenen Spachteln das Gehäuse des kleinen Macs knackt. Vom kompletten Zerlegen eines iMacs um an dessen Massenspeicher zu kommen, ganz zu schweigen. Übrigens kann man bei einem Dell Inspirion Mini weder Festplatte noch Arbeitsspeicher selbst tauschen. Bestellt man es im Dell-Shop in einer vernünftigen Konfiguration, so liegt der Preis schnell bei über 500 €. Für wahr kein Schnäppchen mehr.

Steve Jobes bei der Präsentation des iPads in San Fransisco

Steve Jobs bei der Präsentation des iPads – Schicker Flunder oder Flop?
© Matt Buchanan, CC-BY-SA, Wikimedia Commons

Und dann das Totschlagargument: es gibt keinen Slot für SD-Cards um den Speicher zu erweitern! Seltsamerweise verzichten iPhone und iPod Touch ebenfalls auf einen SD-Slot. Selbst das Einsteiger-MacBook (das mit dem Unibody-Gehäuse aus weißem Kunststoff) kann nicht mit SD-Cards befüttert werden. Hier wird dies aber kritiklos goutiert.

Ich frage mich auch, für was man dem Gerät einen GPS-Sensor hätte spendieren sollen. Etwas seltsam ist es zwar schon, wenn Steve Jobs während seiner Keynote Google Maps und Street View vorführt, das Gerät aber kein integriertes GPS hat. Hier gilt aber das gleiche Argument wie bei der fehlenden Kamera: für einen elektronischen Stadtführer oder als GPS-Tracker ist das Gerät schlicht zu groß. Hier wäre ein Smartphone oder -fürs GPS-Tracking- ein GPS Logger wesentlich sinnvoller. Das iPad ist sicher nicht dafür gemacht worden um beim nächsten Halbmarathon, auf den Rücken geschnallt, regelmäßig GPS-Daten zu speichern, um diese dann später in Google Maps zu exportieren.

Allerdings würde dem Gerät zumindest ein USB-Anschluss gut stehen. Ob das verwendete Betriebssystem multitaskingfähig ist scheint noch nicht genau festzustehen. Wenn dem so ist, dann wäre dies ein echtes Manko.

Bei aller Kritik sollte man immer berücksichtigen, für was das iPad entwickelt wurde. Es ist ein einfach zu bedienendes Stück Hardware, optional mit UMTS, das primär zum Surfen, E-Mails lesen, Musikhören und Spielen gedacht ist und dabei noch schick aussieht. Als Arbeitsmittel taugt es nicht, da sollte man eher zu einem MacBook Pro oder zu einem Notebook aus der Windowswelt greifen. Das iPad hingegen steht irgendwo zwischen iPhone, iPod Touch und einem Netbook.

Wie immer ist der Verwendungszweck für das Produkt entscheidend. Wollte ich mir ein Auto mit viel Platz für die Familie kaufen, so bin ich mit einem Sportwagen eher schlecht bedient. Umgekehrt sind die Fahrleistungen eines Kombis oder Vans von Natur aus eher bescheiden. Aber den Pampersbomber habe ich mir ja auch nicht gekauft um das Sprintduell an der Ampel zu gewinnen…

krusH

Sir Spamalot

Nun, da kommt der gestresste Admin nach Hause, freut sich auf einen entspannten Freitag mit ein wenig Deep House, Internetgesurfe und alle was sonst so herrlich zum Entspannen und Prokrastinieren geeignet ist und dann das: in meinem Postfach befindet sich ein E-Mail von einem gewissen Guido Westerwelle. Der erste Gedanke war, dass es sich wohl um eine neue Masche der Nigeria Connection handeln müsse. Save your Money – give it all to Guido. He’s imprisoned in Lagos and desperately in need of some bail money. So if you…

Beim Weiterlesen wurde ich allerdings schnell aus meinen Träumen gerissen, las sich doch der Rest tatsächlich so, als sei es ernsthafte Wahlwerbung. Mit einer Mischung aus Entsetzen, Belustigung und Fassungslosigkeit las ich weiter: “Wir werden den Respekt für die Bürgerrechte wieder stärken. Weil es Ihre Rechte sind, setzen wir uns als Freiheitspartei dafür ein. Wir wollen die Freiheit stärken und die Bürgerrechte sichern. Wir sind davon überzeugt: Deutschland kann es besser.”

Also lieber Guido, das war dann wohl nichts. Was für ein Widerspruch, einerseits den Respekt für die Bürgerrechte stärken zu wollen, andererseits ein Marketingunternehmen damit beauftragen, vermutlich Millionen E-Mails mit FDP Wahlwerbung zu versenden. Schön auch, dass die FDP entdeckt hat, dass die vielen bunten Bilder und die vielen Texte die man mit einem “Browser” aufrufen kann das “Internet” sind. Da war der Schritt zur E-Mail ja nicht mehr weit. Glückwunsch! Da nebenbei noch seinen Anspruch eine Bürgerrechtspartei zu sein an den Nagel zu hängen und sich für mehr Datenschutz einsetzen zu wollen, das ist dann doch ein ziemlicher Fauxpas.

Ist das mit den versprochenen Steuersenkungen im Falle einer Regierungsbeteiligung eigentlich ähnlich ernst gemeint wie der Einsatz für mehr Bürgerrechte? In einem allerdings, lieber Guido, da gebe ich dir recht: Deutschland kann es besser… besser als die FDP!

In diesem Sinne

Ahoi!

PS. Eigentlich hätte ich die Mail von Guido ohne Rückfrage gelöscht. Nach dem ich aber bei heise online ein Artikel zum gleichen Thema gefunden habe, dachte ich es sein an der Zeit einen Artikel in meinem verwaisten Blog zu schreiben.

Kurz nach dem Start begann sich ein leichtes Unbehagen breit zu machen. Warum nur dudelte aus dem Autoradio ein Michael Jackson Song? Und dass auf einem Sender, auf dem höchstens ein Track läuft, der einen Sample von Jackson enthält. Noch bevor ich im Handschuhfach nach einer alternativen CD zur morgendlich Beschallung suchen konnte dann die Auflösung: Michael Jackson ist tot.

Obwohl ich nie viel für ihn übrig hatte, war ich zunächst leicht schockiert. Auf dem weiteren Weg dann reflektierte ich: Wie viele Alben waren es genau? Waren es eigentlich nicht nur die Alben Off the Wall, Thriller und vielleicht noch ein zwei Songs auf Bad die den legendären Ruhm begründeten? Was war noch hängen geblieben? Der Moonwalk, der bleiche Freak, das asexuelle Monster zu dem er sich mehr und mehr entwickelte oder die zwei Prozesse wegen Kindesmissbrauchs? Alles nur Boulevard-Trivialitäten. Wen interessiert das?

Ein musikalisches Genie? Bleiben wir beim Genre der so genannten Black Music. Ist das musikalische Schaffen eines George Clinton, eines Isaac Hayes, eines Prince oder das eines James Brown nicht wesentlich höher zu bewerten? Der Spiegel schreibt heute in seiner Titelgeschichte, der eigentliche Verdienst von Michael Jackson wäre es gewesen, die Grenze zwischen R’n'B und der Popmusik ein für allemal zu überwinden. So war Thriller als erstes Alben sowohl in den R’n'B- als auch in den Billboard-Charts gleichzeitig notiert. Und das über zwei Jahre lang.

© Sjors Provoost, CC-BY-SA, Wikimedia Commons

Zugegeben: Thriller war ein Meilenstein des Pop. Meisterhaft produziert von Quincy Jones ist es ein Konzeptalbum, das sich äußerst intelligent der Genres des Pop, des Rock, des R’n'B, des Funk und in Ansätzen des Elektro bedient. Es war das Pop-Album der frühen achtziger, genau so wie Off the Wall als eine Art Disco-Inferno (Der Spiegel), das Disco-Album der ausgehenden siebziger war. Vom einzigartigen kommerziellen Erfolg der beiden Alben einmal abgesehen.

Fraglich, ob das ausreicht um einen Künstler zu Legende werden zu lassen. Andererseits kann man Thriller eine gewisse Zeitlosigkeit nicht absprechen. Auch war es das erste Album, das fast komplett visuell umgesetzt wurde. Über die Qualität der musicalähnlichen Sets in denen die meisten der Clips spielen, lässt sich natürlich streiten. Aber John Landis’ 18-minütiges Video zu Thriller hat sicher Maßstäbe gesetzt. Auch die perfekt choreographierten Tanzszenen waren wegweisend. Wobei eben das der Grund dafür war, warum ich mit Michael Jackson nie wirklich viel anfangen konnte.

Aus Anlass seines Todes sendete das ZDF Ausschnitte aus diversen Konzerten. Auch das alles perfekt inszeniert und choreographiert. Und doch hatte die Liveversion von Thriller eine eigenartige Magie. Der treibende Beat und eine Art Synthi-Bass, die beide in einer Monotonie die Tanzeinlage Jacksons begleitete, dass es fast schon ein wenig an House oder Elektro erinnerte.

Was sonst noch bleibt? Die Jackson Five oder die lächerlichen Alben Dangerous, HIstory und Invincible? Geschenkt! Bei genauerer Betrachtung ist es aber doch genau das, was Jacksons zur Legende macht: Mit zwei einzigartigen Alben hat er die Geschichte der modernen Popmusik begründet. Nicht mehr und nicht weniger. Den Rest kehren wir vorsichtig unter den Teppich der Geschichte.

krusH

Nein, diesmal nicht

Freunde des Ausdauersports,

trotz großspuriger Ankündigungen war ich diesmal nicht dabei. Ich habe nicht am SV-Lauf im Rahmen des Stuttgarter Zeitung-Lauf teilgenommen. Zwar laufe ich derzeit wieder mehr oder weniger regelmäßig und bin sogar in die 7km-Guppe meiner Laufkollegen aufgestiegen. Vor ca. 2 1/2 Wochen habe ich mit einem Bekannten von mir den Ernstfall geprobt und bin ungefähr 10 km an Neckar entlang gelaufen.


Remseck-Run auf einer größeren Karte anzeigen

Flaches Terrain, die Temperaturen nicht zu warm und nicht zu kalt: eigentlich optimale Bedingungen für einen Vorbereitungslauf. Zu meiner Ehrenrettung muss ich sagen, dass ich 1 1/2 Wochen vorher nicht gelaufen bin und das hat sich bitterlich gerächt. Knapp nach der Hälfte der Strecke meldete sich mein rechtes Fußgelenk mit einem stechenden Schmerz. Nicht aufgebenwollend hechelte ich meinem Laufkollegen hinterher, so lange, bis aus dem Schmerz ein ziemlich unangenehm-taubes Gefühl wurde, das bis in den Ballen ausstrahlte. Glücklicherweise war es nicht mehr weit bis zum Ausgangspunkt unseres Laufs. So humpelte ich dem Biergarten entgegen und spendierte dort den um sein Laufvergnügen gebrachten Kollegen frustriert ein Radler.

Nicht nur das Fußgelenk war aber das Problem. Ich war auch körperlich total am Ende und das, obwohl wir nicht wirklich schnell unterwegs waren. Nachdem ich dann noch eine Woche mit den Nachwirkungen zu kämpfen hatte beschloss ich: diesmal findet der Stuttgart-Zeitung Lauf ohne mich statt!

Das einzig Positive an der Sache ist, dass ich seitdem wieder regelmäßig trainiere und mittlerweile wieder recht locker durch den Wald trabe. Bis nächstes Jahr dann also. Ich schwöre, keine so lange Laufpausen mehr zu machen.

Bei der Gelegenheit fällt mir der Spruch auf dem T-Shirt eines Läuferkollegen ein: Life runs. Run faster!

krusH

Get up with it

So weit ich mich erinnern kann war es ein brütend heißer Tag. Ich schwitzte mich die 6 Stockwerke zu dem Mann hoch, mit dem ich später auf ein großes Reggae-Open Air gehen wollte. Ziggy und Rita Marley, Hans Söllner und die üblichen Verdächtigen der Jamaikafraktion standen auf dem Spielplan und ich sah mich vor meinem geistigen Auge schon einen schattigen Platz suchen, der mich vor einem Hitzekollaps bewahren sollte.

Ab dem dritten Stockwerk hörte ich seltsames. Ein verrückter Trompeter spielte sein, durch diverse Wah-Wah-Effekte, völlig verzerrtes Instrument, zwischendurch unterbrochen durch einen Gitarristen der offensichtlich in der falschen Band gelandet war und rockige Solos auf seiner Gitarre spielte. Dazu abgedrehtes Moog-Gezwitscher und ein -mit absoluter Präzision- auf sein Hi-Hat eindreschender Schlagzeuger. In der Wohnung meines Freundes angelangt, fragte ich zunächst, was das für eine durchgeknallte Platte sei. Mit einem leichten Grinsen drückte er mir ein Doppelalbum in die Hand. Auf dem Cover zwei Frauen im Urwald vor einer Art Inkastadt. 70er Space dachte ich. Ich las den Namen auf dem Cover: Miles Davis war der Musiker, Agharta hieß das Album.

Den Namen Miles Davis kannte ich, doch irgendwie hatte ich mir Jazz anders vorgestellt. Zu hören war eine Eruption aus Funk, Rock, Latin, Jazz, Progrock – ungeschliffen und schlecht gemischt (es ist ein Livealbum). Wow, was für eine Offenbarung! Dass der erste Song für die erste Seite der Platte zu lang war, ausgeblendet wurde und auf der zweiten Seite weiterging, das passte ins Konzept. Und dass im Blut des Trompeters noch anderes Substanzen außer Hämoglobin flossen war klar. Trotzdem war die Musik voller Energie, virtuos, jenseits meines bisherigen musikalischen Horizonts. Später nahm ich Agharta und Pangaea auf einen zur Bandmaschine umfunktionierten Videorekorder auf. So konnte ich beide Alben hintereinander hören. Drei Stunden Space Funk und Ekstase. Die beiden Alben sind Tondokumente eines Miles Davis Konzerts in Japan, so fand ich später heraus.

Ein paar Tage später erwarb ich das Album Get up with it von Miles Davis. Der Titel Maiysha war ja immerhin auch auf den durchgeknallten Japan Sessions zu hören und das Album entstand auch ungefähr zu gleichen Zeit. Zunächst war ich enttäuscht. Ein sich quälend lange hinziehendes He Loved Him Madly und der vorher genannten Titel mit nur einem Bruchteil der Energie des Livealbums. Dazu Rated X, eine Art Synthesizer-Kackophonie mit großem Nervfaktor. Die Platte (die Doppel-CD) landete in den Untiefen meiner Sammlung und geriet (fast) in Vergessenheit.

Vor knapp 1 1/2 Jahren erinnerte ich mich an das Album, kramte im CD-Regal und fütterte meinen Player mit dem ersten Silberling. Es war kaum zu glauben: Das Album übte beim ersten Hören nach langer Zeit fast die gleiche Faszination aus wie damals Agharta. Das geschmähte He Loved Him Madly – ein sich langsam steigernder Song, der nach knapp 30 Minuten fast als Jam Session endet. Maiysha – ein Track der als lockerer Latin-Space dahinfließt. Anders als auf Liveaufnahme übrigens wesentlich relaxter. Calypso Frelimo – ein Song von dem ich mich heute noch wundere, warum ich ihn damals so verkannt habe. Selbst Rated X geht als Soundtrack für eine wilde Verfolgungsjagd zweier Raumschiffe durch.

Seit meiner Wiederentdeckung habe ich das Album gefühlte eintausend mal gehört und es ist nie langweilig geworden. Der ein oder andere wird sich erinnern, dass ich früher behauptete, nachts erscheine mir Miles Davis. Es ist wieder so weit.

Ge up with it!

krusH

Leichtmatrosen

Lieber Guido,

das war ja ein toller Auftritt von dir auf dem Bundesparteitag der FDP in Hannover. Zunächst das -fast sozialistisch anmutende- Wahlergebnis von fast 96 % mit dem du zum Parteivorsitzenden gewählt wurdest. Und dann erst deine flammende Rede! Du hast uns allen ein einfacheres Steuerrecht versprochen und, das freut mich besonders, Steuersenkungen im Falle einer Regierungsbeteiligung der FDP nach der nächsten Bundestagswahl.

Aber halt! Da war doch was? Ach ja, das Ding namens Wirtschaftskrise, der Rückgang des Bruttosozialprodukts um knapp 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal, die höchste Neuverschuldung des Bundes jemals, Rettungsschirm und Sofin. Da sind Steuersenkungen natürlich sinnvoll und ohne weiteres finanzierbar. Die Stuttgarter Zeitung hat dazu in ihrer Samstagsausgabe eine schöne Karikatur abgedruckt. Auf der stehst du neben einer Zapfsäule, die Zapfpistole in der Hand, vor einer riesigen Feuerwand namens Staatsverschuldung. Hinter dir steht der Deutsche Michel dem du entgegnest: “Glaub’ mir, zum Löschen ist das das einzig vernünftige”. Besser kann man diese populistischen und völlig realitätsfremden Aussagen kaum abbilden.

Ich würde es mit meinen Worten so ausdrücken: du und die FDP, ihr verfahrt nach dem Motto, man müsse den Angehörigen nur genügend Versprechungen machen -der komatöse Patient wird dadurch schon irgendwie wieder gesund werden. Wenn du ein Arzt wärst, man würde dir umgehend die Zulassung entziehen.

© Frank C. Müller, CC-BY-SA, Wikimedia Commons

Du hast gesagt, die jetzige Regierung hätte die Steuern so oft erhöht wie keine andere vor Ihr. Glaub mir, lieber Guido, das hätte sie auch, wenn die FDP daran beteiligt gewesen wäre. Das wäre nämlich dann so ähnlich gelaufen wie beim Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung. Mit großem Getöse hat die FDP im Bundestag gegen das Gesetz gestimmt. Kein Problem, Gesicht gewahrt, beschlossen wurde es sowieso mit den Stimmen der großen Koalition. Im Bundesrat dagegen, als Koalitionspartner in diversen Landesregierungen, haben die Vertreter der FDP das Gesetz brav abgenickt. Wenn das mal kein gelungenes Beispiel für Opportunismus ist!

Irgendjemand hat mal gesagt, du seiest ein Leichtmatrose. Ich fürchte, auch wenn er/sie mir politisch nicht nahe steht, das war berechtigt.

In diesem Sinne, alter Steuermann.

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