Schwarz-weiß

Wieder einer dieser epischen Facebookposts die mich nerven. Er, Hundebesitzer, beklagt sich larmoyant über hundehassende Rentner, rabiate Radfahrer, fiese Jogger und Walker und überhaupt über all die bösen, intoleranten Mitmenschen die seinem Vierbeiner nicht wohlgesonnen sind. Zustimmende Kommentare aber keine Reflektion über die eigentlich völlig einseitige Aussage. Vielleicht gibt es ja wirklich Menschen, die Angst vor Hunden haben. Vielleicht gibt es auch Mütter und Väter die es gar nicht so toll finden, wenn der Sandkasten des örtlichen Spielplatzes zum Hundeklo umfunktioniert wird. Und vielleicht gibt es ja Radler, die sich bei voller Fahrt in einer dieser superlangen Hundeleinen verfingen und nach einem dreifachen Salto unsanft den Boden küssten.

Dabei erinnerte ich mich an die Situation als ich das letzte Mal, würgend, Hundescheiße aus den Sohlen meines Laufschuhs kratzte. Hätte ich den Verursacher des Haufens in den ich getreten bin zu fassen bekommen, ich hätte in diesem Moment für nichts garantieren können. Fände das Verfasser des Posts toll, fragte ich mich? Es wäre nun ein Leichtes, pauschal alle Hundebesitzer und deren vierbeinigen Anhang zu hassen und dies zu posten. Ich bin mir sicher, es hätte viele zustimmende Kommentare gegeben, bevorzugt von Läufern, Mountainbikern usw. von denen jeder mindestens eine Anekdote mit Hunden auf Lager hat.

Ich erinnerte mich aber auch daran, dass viele Hundebesitzer ihre Fifis am Halsband festhalten, wenn unsere Laufgruppe an ihnen vorbeihechelt. Manche sogar freundlich grüßend oder einen aufmunternden Spruch auf den Lippen. Obwohl selbst kein Hundebesitzer und, ehrlich gesagt, auch mit einer gewissen Abneigung gegen Hunde ausgestattet, erinnerte ich mich an eine nette Begegnung mit einem Pärchen, das einen wirklich knuffigen Labrador Gassi führte. Also doch nicht alles schwarz-weiß.

Es ist wohl immer eine Frage des subjektiven Empfindens und Fähigkeit, in bestimmten Situationen tolerant zu sein. Ich fasse mir selbst an die Nase: als Fahrradfahrer nerven mich Autofahrer die mich mit zu geringen Abstand überholen, mich schneiden oder den Fahrradweg zuparken. Umgekehrt nerven mich als Autofahrer die Fahrradfahrer, die auf der Straße anstatt auf dem Radweg fahren und ich gebe zur, dass ich sicher auch schon den ein oder anderen Radler mit weniger als einem halben Meter abstand überholt habe und prinzipiell ziemlich genervt bin von dem Verhalten mancher Radlerrambos. Als Velofahrer habe ich andererseits auch schon die ein oder andere nicht ganz StVO-konforme Aktion gebracht.

Bin ich im Wald mit meinem Velo unterwegs, dann nerven mich die Läufer, Spaziergänger und Nordic-Walker die den ganzen Waldweg brauchen, keinen Platz machen und mir den Schwung nehmen. Umgekehrt nerven mich als Läufer die Biker, die von hinten angeschossen kommen und, natürlich ohne zu klingeln, im Zentimeterabstand an mir vorbeirauschen.

Wir brauchen im Umgang miteinander mehr Toleranz, mehr Gelassenheit und die Fähigkeit, sich in bestimmten Situationen in die Sichtweise und das Empfinden des anderen hineinzuversetzen. Das hört sich nach Friede, Freude, Eierkuchen an, ich weiß. Und es erfordert auch ein hohes Maß an Beherrschung (ich habe es selber ausprobiert), das Tempo der rasanten Bergabfahrt zu drosseln, sich rechtzeitig per klingeln bemerkbar zu machen und langsam an dem Pulk Läufer oder Spaziergänger vorbeizufahren. Aber es hilft.

Was nicht hilft sind Facebookposts die alle Nichthundebesitzer, Rentner, Läufer, Walker, Biker usw. zu intoleranten Mitmenschen erklären. Wer Toleranz von anderen erwartet, der sollte immer bei sich selbst anfangen.

PS. Und natürlich habe ich meinen Hass gegen Hunde, deren Hinterlassenschaften und deren Besitzer getwittert, nachdem ich meine Schuhe zwar gesäubert, aber den Geruch von Hundekacke noch Stunden später in der Nase hatte. Außerdem fällt es mir immer noch schwer, schnell Platz für rasende Mountainbiker zu machen. Aber ich arbeite daran.

PPS. Note to myself: Mehr Gelassenheit!

Running Rome

Laufen macht bei 35° im Schatten nicht mehr wirklich Spaß. Deshalb habe ich meinen inneren Schweinehund und meine morgendliche Lethargie überwunden, und bin um 06:30 Uhr morgens vor der großen Hitze laufen gegangen. Es war: a.) eine ganz neue Erfahrung, b.) die ultimative Möglichkeit meine Kohlenyhdratspeicher zu leeren und c.) eine Möglichkeit gleich beim Bäcker meines Vertrauens vorbeizuschauen.


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Vielleicht ist es auch die Gelegenheit, endlich mal einen Artikel für mein Blog zu schreiben oder ein wenig mit meiner neuen Sportlichkeit anzugeben.

vox populi

Wenn Sport und Politik aufeinandertreffen, so ist das Ergebnis manchmal überraschend. So geschehen gestern in der Schleyerhalle in Stuttgart. Durch einen Kollegen meines Lauftreffs kam ich an eine Freikarte für den Sparkassen Cup. Der Cup ist ein indoor Leichtathletik Meeting, bei dem in der Vergangenheit schon Dieter Baumann, Daley Thompson und Gabriel Haile Gebrselassie um die Wette rannten. An der Stelle möchte ich anmerken, wie leicht mir doch die Worte Leichtathletik Meeting, indoor etc. aus den Fingern gleiten. Es muss daran liegen, dass ich selbst Sport mache. Aber ich schweife ab.

Etwa zu Mitte der Veranstaltung stellte der Hallensprecher ein paar Politiker vor die in der VIP-Lounge, wahrscheinlich bei Prosecco, und Lachsschnittchen, versuchten, sich im Glanz der Veranstaltung zu sonnen. Vermutlich stellen sich die Herren so Volksnähe vor.

Zunächst wurde Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster vorgestellt. Erst Buhrufe, kein Applaus. Dann der baden-württembergische Landtagspräsident Peter Straub. Dass sich Straub kurz vor Ende seiner Dienstzeit noch einen Porsche Panamera als Dienstwagen genehmigen lassen wollte, hatten wohl einige Zuschauer nicht vergessen. Wieder Buhrufe, diesmal aber deutlich lauter als bei Wolfgang Schuster. Zum Abschluss der Politikervorstellungsrunde wurde dann Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech angekündigt. Beim Hauptverantwortlichen für den Polizeieinsatz im Schlosspark vom 30.09.2010, machte sich sich der Volkszorn dann noch einmal um einige Dezibel lauter Luft.

Nach der Vorstellung einiger Sparkassenvorstände, Vorvorstände und wahrscheinlich auch Ihrer Kindermädchen und Putzfrauen -ich habe irgendwann einfach nicht mehr hingehört- war der Spuk vorbei. Ein älterer Herr hinter mir raunte: “Müssen diese Affen eigentlich alle vorgestellt werden?” Ich bin mir nicht sicher, ob er dabei die Vorstandsmitglieder der Sparkasse oder die drei Politiker meinte.

S21

Philipp Mißfelder, seines Zeichens Vorsitzender der Jungen Union, sagte in einem Interview mit dem Deutschlandfunk am 16.11.2010 zum Streit um Stuttgart 21: “Hier geht es darum, dass ein Infrastrukturprojekt gebaut wird, und da gibt es Leute, die sind dagegen, zum Teil sind sie auch dagegen, weil sie vielleicht der eigenen Bequemlichkeit halber sagen, ich möchte vor meiner Tür nicht so eine Baustelle haben, ich habe ja gar nichts davon, warum hier dieser Baulärm und so weiter und so fort.

Dabei offenbart sich zweierlei: zum einen die völlige Ahnungslosigkeit von Herrn Mißfelder. Zum anderen die unglaubliche Arroganz von Politikern, die die Bürger auf die Straße treibt. Herr Mißfelder weiß nicht von was er spricht wenn er meint, “Baulärm” und eine “Baustelle” vor der eigenen Türe wären unter anderem eine der Gründe für den massiven Protest gegen das Projekt.

So gibt es in der Gegend um den Hauptbahnhof und um den Teil des Schlossparks, die direkt von den Baumaßnahmen betroffen sind, kaum Privatwohnungen. Südlich an den Hauptbahnhof grenzt etwa die Fußgängerzone, die sich ca. einen Kilometer weiter gen Süden zieht.

Östlich des Hauptbahnhofs liegt der besagte Schlossgarten. Der Schlossgarten ist seinerseits durch die stark befahrene vierspurige B14 vom Stadtteil Stuttgart Ost getrennt. Ähnlich ist es Richtung Nordwesten, wo die ebenfalls sehr stark frequentierte B27 an das Gebiet um die Jägerstraße grenzt. Direkt hinter dem Hauptbahnhof befinden sich die Gleisanlagen der Bahn AG. Auch hier also weit und breit keine Privatwohnungen und Anlieger die aus Furcht vor Baulärm auf die Straße gehen.

Wer an oder in der Nähe eine der beiden Bundesstraßen wohnt, der kann über die von Herrn Mißfelder aufgestellte Theorie bestenfalls milde lächeln. Die Lärmbelästigung für nicht existierende Anwohner dürfte sich bei Baumaßnahmen am Hauptbahnhof oder im Schlosspark in ebenfalls in Grenzen halten.

Es ist unter anderem genau diese Mischung aus Ahnungslosigkeit und der Einstellung, wir sollen uns doch bitte alle nicht so anstellen, es gehe ja schließlich um das große Ganze, die die Bürger auf die Straße bringt. Im gleichen Interview behauptet Herr Mißfelder übrigens auch, “bei Stuttgart 21 ist das Problem ja einfach gelagert, wenn man das mit der Gesundheitsreform vergleicht, oder mit dem Euro-Rettungsschirm.” Da fragt sich der Leser dieser Sätze schon, ob sich der Urheber dieser Worte auch nur für 5 Minuten eine Übertragung der Schlichtung angesehen hat. Selbst wenn doch, dann hat er wahrscheinlich nichts verstanden.

Lasst die Ahnungslosen regieren!

Die Westerwelle

Irgendwie wird er zu meinem Lieblingsfeind. Er macht es mir -und allen anderen- aber auch einfach, der Herr Westerwelle. Guido Westerwelle sagt, er fände es “geradezu skandalös”, dass ein verheiratete Kellnerin mit zwei Kindern 109 € im Monat weniger zur Verfügung habe, als wenn Sie Hartz IV beziehen würde. Daraus leitet er nun ab, dass eine Neustart des Sozialstaates notwendig sei.

Richtig; es ist skandalös, wenn man mit seinem Einkommen unter dem Hartz IV-Satz liegt. Skandalös daran ist dabei aber nicht die Höhe des Hartz IV-Satzes, sonder vielmehr die Tatsache, dass Arbeit so schlecht bezahlt wird. Ich habe kürzlich im TV ein Interview mit Wolfgang Grupp gesehen. Grupp ist Geschäftsführer der Trigema GmbH & Co. KG. Eigentlich war mir Grupp bisher nur aus dem lächerlichen Werbespot mit dem Affen bekannt. Seinen affektierten Auftritt darin fand ich ziemlich dämlich. In den Interview sagte er nun, dass es nicht sein könne, dass man 8 Stunden und mehr am Tag über die Arbeitskraft eines Mitarbeiter verfüge, der aber nicht von seinem Job leben könne. Weiter sagte er, er schäme sich für alle seiner Managerkollegen, die Mitarbeiter nur noch als Masse sähen, über die man nach belieben verfügen könne und die potentiell optimierbar sei.

Chapeau, Herr Grupp! Diese Einstellung sollten sich all diejenigen dick hinter die Ohren schreiben, die einerseits über vermeintlich zu hohe Hartz IV-Sätze lamentieren, andererseits aber den hemmungslosen Wirtschaftsliberalismus propagieren, der ja genau zu solchen Fehlentwicklungen führt. Aber ein nach B 11 besoldeter Bundesminister macht sicher keine Gedanken darüber, ob man von einem Stundenlohn zwischen 6 und 7 € überhaupt leben kann.

Die FDP entlarvt sich bei der ganzen Diskussion. Sie ist keine liberale Partei mehr sondern wird immer mehr zu einem Sammelbecken für alle Neocons. Bald hat sie es auch noch geschafft die Union rechts zu überholen. Aber wer einen Möllemann jahrelang in seinen Reihen duldet, bei dem ist das auch nicht weiter verwunderlich.

‘tschuldigung, liebe Bank

Heute geschah auf meiner Bank unglaubliches. Nichtsahnend betrat ich die Filiale meines Vertrauens um Geld vom EC-Automaten abzuheben. Soweit alles in Ordnung bis auf diese Meldung ganz am Ende des Abhebevorgangs. “Ihre EC-Karte wurde automatisch aktualisiert. Sollten Sie in der Vergangenheit Probleme mit Ihrer Karte gehabt haben, so bitten wir dies zu entschuldigen!”

Im ersten Moment dacht ich, man hätte mein Karte eingezogen. So leer war das Konto aber gar nicht. Das konnte also gar nicht sein. Dann dachte ich an eine Skimming-Attacke, und dass ich jetzt dazu aufgefordert werden würde meine PIN-Nummer noch einmal einzugeben. Im Geiste ließ ich die Karte schon sperren und versuchte mich krampfhaft an die zentrale Telefonnummer zu erinnern, unter der man den Missbrauch melden konnte.

Aber nun das: Meine Bank entschuldig sich bei mir? Liebe Bank, das hättest du gar nicht tun müssen. Zum einen hat meiner Karte an allen Bezahlstellen und mit allen Terminals immer klaglos funktioniert. Sogar Neujahr in Österreich versagte sie nicht ihren Dienst. Und eigentlich muss ich mich bei dir entschuldigen. Entschuldigung also dafür, dass mein Konto nicht immer so reich gefüllt ist, wie das deiner Vorstände und Aufsichtsräte. Entschuldigung auch dafür, dass ich eine deiner Mitarbeiterinnen so blöd am Telefon angemacht habe, als du mir vor ein paar Jahren zwei EC-Karten hintereinander geschickt hast, von der keine funktionierte. Ah, und dann natürlich auch noch entschuldigung dafür, dass ich ca. einmal im Jahr einen deiner Schalter aufsuche um Geld bar (!) einzuzahlen, einen Scheck einzulösen oder sonst irgendeine Dienstleistung in Anspruch nehme. Die Mienen deiner Mitarbeiter verraten mir sofort was von soviel Dreistigkeit zu halten ist.

Ich gelobe Besserung und werde versuchen in Zukunft wirklich alles online abzuwickeln. Liebe Bank, bitte entschuldige!

Der große Murks

Letzte Woche hat die Koalition aus CDU und FPD ihr Resümee der ersten 100 Tage gezogen. Was da als Erfolg verkauft wird kann einen verzweifeln lassen:

  • Ein “Wachstumsbeschleunigungsgesetz” -auf Pump finanziert- das hauptsächlich dazu dient Unternehmer, Hoteliers und Erben zu entlasten.
  • Der unsägliche Streit um die Entsendung von Monika Steinbach in den Stiftungsrat der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung. (Warum lässt sich eine Regierung so vom BdV vorführen? Frau Steinbach hat aufgrund ihres Verhaltens in der Vergangenheit nichts in dieser Stiftung zu suchen.)
  • Die Stimmenthaltung Thomas de Maizières im EU-Ministerrat bei der Abstimmung um die Weitergabe der SWIFT-Daten an amerikanische Behörden.
  • Der Hickhack um den Raketenangriff auf zwei Tanklastwagen im Kundus.
  • Der Rücktritt des Arbeitsministers Franz Josef Jung wegen der Kundus-Affäre.
  • Der ständige Streit um zukünftige Steuersenkungen, nur um Wahlversprechen einzuhalten und noch mehr die eigene Klientel zu bedienen.
  • Eine Rekordverschuldung für die kommenden Jahre.

Kann man da eigentlich überhaupt noch von regierungsähnlichen Zuständen sprechen? Es ist frustrierend.

iPad-Hype

Nun ist es endlich da. Steve Jobs stellte letzten Mittwoch in San Fransisco eine neue Kreation aus dem Hause Apple vor: das iPad. Ich mag Appleprodukte, besitze selbst einen iMac und natürlich einen iPod. Trotzdem bezeichne ich mich nicht als ultimativer Apple-Fan und es gibt durchaus einige Kritikpunkte, zumindest an der Hardware von iMac, MacBook und Co.

Einer der Hauptkritikpunkte am iPad nach dessen Vorstellen war, dass das Gerät keine integrierte Kamera hat. Schaue ich mir die bescheidene Bildqualität von Handykameras (vor allem auch die des iPhones) an, dann kann ich dieses Argument nicht nachvollziehen. Außerdem ist das iPad schlicht zu groß um als Kameraersatz zu taugen. Auch das Fehlen einer Webcam zur Nutzung von Skype halte ich für vertretbar. Die integrierte iSight Kamera meines Macs habe ich genau ein einziges mal zu diesem Zweck genutzt und das war es dann auch schon.

Bemängelt wird auch, dass das iPad nicht aufrüstbar ist. Liebe Apple User, das ist für uns doch nichts neues. Oder hat jemand schon einmal versucht bei einem Mac mini die Festplatte zu tauschen? Mit Schaudern denke ich an diverse Anleitungen im Internet, aus denen hervorgeht, wie man mit angeschliffenen Spachteln das Gehäuse des kleinen Macs knackt. Vom kompletten Zerlegen eines iMacs um an dessen Massenspeicher zu kommen, ganz zu schweigen. Übrigens kann man bei einem Dell Inspirion Mini weder Festplatte noch Arbeitsspeicher selbst tauschen. Bestellt man es im Dell-Shop in einer vernünftigen Konfiguration, so liegt der Preis schnell bei über 500 €. Für wahr kein Schnäppchen mehr.

Steve Jobes bei der Präsentation des iPads in San Fransisco

Steve Jobs bei der Präsentation des iPads – Schicker Flunder oder Flop?
© Matt Buchanan, CC-BY-SA, Wikimedia Commons

Und dann das Totschlagargument: es gibt keinen Slot für SD-Cards um den Speicher zu erweitern! Seltsamerweise verzichten iPhone und iPod Touch ebenfalls auf einen SD-Slot. Selbst das Einsteiger-MacBook (das mit dem Unibody-Gehäuse aus weißem Kunststoff) kann nicht mit SD-Cards befüttert werden. Hier wird dies aber kritiklos goutiert.

Ich frage mich auch, für was man dem Gerät einen GPS-Sensor hätte spendieren sollen. Etwas seltsam ist es zwar schon, wenn Steve Jobs während seiner Keynote Google Maps und Street View vorführt, das Gerät aber kein integriertes GPS hat. Hier gilt aber das gleiche Argument wie bei der fehlenden Kamera: für einen elektronischen Stadtführer oder als GPS-Tracker ist das Gerät schlicht zu groß. Hier wäre ein Smartphone oder -fürs GPS-Tracking- ein GPS Logger wesentlich sinnvoller. Das iPad ist sicher nicht dafür gemacht worden um beim nächsten Halbmarathon, auf den Rücken geschnallt, regelmäßig GPS-Daten zu speichern, um diese dann später in Google Maps zu exportieren.

Allerdings würde dem Gerät zumindest ein USB-Anschluss gut stehen. Ob das verwendete Betriebssystem multitaskingfähig ist scheint noch nicht genau festzustehen. Wenn dem so ist, dann wäre dies ein echtes Manko.

Bei aller Kritik sollte man immer berücksichtigen, für was das iPad entwickelt wurde. Es ist ein einfach zu bedienendes Stück Hardware, optional mit UMTS, das primär zum Surfen, E-Mails lesen, Musikhören und Spielen gedacht ist und dabei noch schick aussieht. Als Arbeitsmittel taugt es nicht, da sollte man eher zu einem MacBook Pro oder zu einem Notebook aus der Windowswelt greifen. Das iPad hingegen steht irgendwo zwischen iPhone, iPod Touch und einem Netbook.

Wie immer ist der Verwendungszweck für das Produkt entscheidend. Wollte ich mir ein Auto mit viel Platz für die Familie kaufen, so bin ich mit einem Sportwagen eher schlecht bedient. Umgekehrt sind die Fahrleistungen eines Kombis oder Vans von Natur aus eher bescheiden. Aber den Pampersbomber habe ich mir ja auch nicht gekauft um das Sprintduell an der Ampel zu gewinnen…