29.06.2009
Don’t blame it on the sunshine
Kurz nach dem Start begann sich ein leichtes Unbehagen breit zu machen. Warum nur dudelte aus dem Autoradio ein Michael Jackson Song? Und dass auf einem Sender, auf dem höchstens ein Track läuft, der einen Sample von Jackson enthält. Noch bevor ich im Handschuhfach nach einer alternativen CD zur morgendlich Beschallung suchen konnte dann die Auflösung: Michael Jackson ist tot.
Obwohl ich nie viel für ihn übrig hatte, war ich zunächst leicht schockiert. Auf dem weiteren Weg dann reflektierte ich: Wie viele Alben waren es genau? Waren es eigentlich nicht nur die Alben Off the Wall, Thriller und vielleicht noch ein zwei Songs auf Bad die den legendären Ruhm begründeten? Was war noch hängen geblieben? Der Moonwalk, der bleiche Freak, das asexuelle Monster zu dem er sich mehr und mehr entwickelte oder die zwei Prozesse wegen Kindesmissbrauchs? Alles nur Boulevard-Trivialitäten. Wen interessiert das?
Ein musikalisches Genie? Bleiben wir beim Genre der so genannten Black Music. Ist das musikalische Schaffen eines George Clinton, eines Isaac Hayes, eines Prince oder das eines James Brown nicht wesentlich höher zu bewerten? Der Spiegel schreibt heute in seiner Titelgeschichte, der eigentliche Verdienst von Michael Jackson wäre es gewesen, die Grenze zwischen R’n'B und der Popmusik ein für allemal zu überwinden. So war Thriller als erstes Alben sowohl in den R’n'B- als auch in den Billboard-Charts gleichzeitig notiert. Und das über zwei Jahre lang.

© Sjors Provoost, CC-BY-SA, Wikimedia Commons
Zugegeben: Thriller war ein Meilenstein des Pop. Meisterhaft produziert von Quincy Jones ist es ein Konzeptalbum, das sich äußerst intelligent der Genres des Pop, des Rock, des R’n'B, des Funk und in Ansätzen des Elektro bedient. Es war das Pop-Album der frühen achtziger, genau so wie Off the Wall als eine Art Disco-Inferno (Der Spiegel), das Disco-Album der ausgehenden siebziger war. Vom einzigartigen kommerziellen Erfolg der beiden Alben einmal abgesehen.
Fraglich, ob das ausreicht um einen Künstler zu Legende werden zu lassen. Andererseits kann man Thriller eine gewisse Zeitlosigkeit nicht absprechen. Auch war es das erste Album, das fast komplett visuell umgesetzt wurde. Über die Qualität der musicalähnlichen Sets in denen die meisten der Clips spielen, lässt sich natürlich streiten. Aber John Landis’ 18-minütiges Video zu Thriller hat sicher Maßstäbe gesetzt. Auch die perfekt choreographierten Tanzszenen waren wegweisend. Wobei eben das der Grund dafür war, warum ich mit Michael Jackson nie wirklich viel anfangen konnte.
Aus Anlass seines Todes sendete das ZDF Ausschnitte aus diversen Konzerten. Auch das alles perfekt inszeniert und choreographiert. Und doch hatte die Liveversion von Thriller eine eigenartige Magie. Der treibende Beat und eine Art Synthi-Bass, die beide in einer Monotonie die Tanzeinlage Jacksons begleitete, dass es fast schon ein wenig an House oder Elektro erinnerte.
Was sonst noch bleibt? Die Jackson Five oder die lächerlichen Alben Dangerous, HIstory und Invincible? Geschenkt! Bei genauerer Betrachtung ist es aber doch genau das, was Jacksons zur Legende macht: Mit zwei einzigartigen Alben hat er die Geschichte der modernen Popmusik begründet. Nicht mehr und nicht weniger. Den Rest kehren wir vorsichtig unter den Teppich der Geschichte.






