Echoes

Ahhhh! Was für ein Samstagabend auf der Couch. Irgendwann bei der Echo Preisverleihung hängen geblieben, dem morituri te salutant der deutschen Musikindustrie. Handyschleimer Paul Potts neben irgend einenem Schlagersternchen dem Bruce Darnell gleich zwei Echos in die Hand drückte. Langweilige neue Songs von U2 und Depeche Mode und dazu noch die lebende Mumie Udo Lindenberg der, immerhin 17 Jahre nach dem Echo für sein Lebenswerk, den Preis als “bester Künstler national” einheimste. Immerhin: die Dankesrede von uns Udo war, im Vergleich zum Gestammel der meisten anderen Protagonisten (Moderatoren eingeschlossen), ein echtes Highlight.

Glücklicherweise versäumte ich die Übergabe des Echos in der Kategorie Volkstümliche Musik nicht, den die Kastelruhter Spatzen gewannen. Obwohl ich den Preis dann doch eher Captain Cook und seinen swingenden Saxophonen gegönnt hätte. Eigentlich hätte Michael Mittermeier gar nicht auftreten müssen, denn schon vorher war klar, dass es sich um eine Satieresendung mit realem Hintergrund handelt. Kein Wunder, wenn den Schrott niemand mehr kauft.

Noch habe ich aber nicht alle Hoffnung verloren: Peter Fox hat auch 3 Echos bekommen. Wie der sich wohl neben Hansi Hinterseer gefühlt hat?

Erfüllungsgehilfen

Liebe Freunde der Anwaltskammer,

seit Jahren gibt es eigentlich nur ein ernst zu nehmendes Magazin für Computertechnik und alles was dazu gehört. Die Rede ist natürlich vom ehrenwerten c’t aus dem Heiseverlag. Nun, da ich ja vor zwei Wochen das Krankenbett hüten musste, hatte ich viel Zeit all die Artikel zu lesen, die im normalen Alltagsstress sonst ungelesen zwischen Anzeigen von 1&1 und dem Test der neuesten Mainboards für Core2Quad oder Octocore oder was auch immer, vergammeln. In der c’t 6/2008 las ich den Artikel Tauschbörsen: zu Besuch beim Staatsanwalt. Es ging, kurz gesagt um, den Staatsanwalt Köhler im thüringischen Mühlhausen, der tatsächlich die Hälfte seiner Arbeitszeit damit verbringen muss, Anzeigen von Anwälten diverser Musikkonzerne und Filmproduzenten zu bearbeiten, die Anzeigen wegen des Verstoßes gegen das Urheberrecht stellten.

Die Ironie an der Sache ist nun, dass die meisten der Anzeigen wegen mangelnden öffentlichen Interesses eingestellt werden, die Anwaltskanzleien aber Akteneinsicht verlangen, so an die IP-Adressen der Tauschbörsenuser kommen und diese dann abmahnen. Ich fand, das sei doch einen Leserbrief wert, den ich auch hier posten will:

“Da macht sich also die Staatsanwaltschaft Mühlhausen gezwungenermaßen zum Erfüllungsgehilfen diverser Medienkonzerne und dubioser Pornoproduzenten. Der ehrenwerte Versuch von Herrn Köhler, der Anzeigenflut durch einfaches Aussitzen Herr zu werden, ist auf “Intervention von Vertretern der Medienindustrie an höherer Stelle” abgeblockt worden. Wer sorgt eigentlich in unserem Land dafür, dass Gesetzte eingehalten werden? Wer entscheidet, was als Bagatelldelikt gewertet und welches Verfahren eingestellt wird? Eine freie, unabhängige Strafverfolgungsbehörde oder die Medienindustrie? Der eigentlich Skandal bei der Sache ist doch der, dass auf Druck von Lobbyisten eine komplette Staatsanwaltschaft mindestens 50% Ihrer Zeit damit verbringt, Akten anzulegen und IP-Adressen zu ermitteln, nur damit diese dann später per Akteneinsicht, von darauf spezialisierten Anwaltskanzleien für Schadensersatzforderungen verwendet werden. Die eigentlich viel dringendere Ermittlung wegen eines Betrugs bei eBay, bleibt dann zunächst unbearbeitet liegen. Da passt es gut ins Bild wenn Justizministerin Zypries, den Gesetzentwurf zur Vorratsdatenspeicherung damit begründet, man setze ja lediglich eine EU-Verordnung um. Nun hat die Musik- und Filmindustrie endlich die Möglichkeit, 6 Monate nach Lust und Laune zu anzuzeigen, abzumahnen und abzukassieren. Wann wird die Gesetzeslage endlich so abgeändert, dass der Abgemahnte oder mit einer Schadensersatzforderung konfrontierte, nicht auch noch die Anwaltskosten der Gegenseite zahlen muss? Wenn dem nicht mehr so wäre, dann wäre diesem Unsinn sicher ganz schnell ein Ende gesetzt. Leider findet sich dafür keine Lobby.”

Und, was soll ich sagen, ein wenig stolz war ich schon als ich am Samstag das neueste c’t aus dem Briefkasten holte. Der Leserbrief wurde doch tatsächlich abgedruckt. Zwar leicht gekürzt, aber immerhin.

In diesem Sinne:

Keep on writing

Mein Wunschzettel an die Musikindustrie

Liebe Freunde des ungetrübten Musikgenusses,

gerade lese ich in Spiegel Online den Artikel Wunschzettel der Musikindustrie – Provider sollen Kunden überwachen, anschwärzen, abklemmen. Um eines gleich vorneweg klarzustellen: auch ich bin gegen Urheberrechtsverletzungen im großen Stil und der Meinung, dass alles was eine gewisse Bagatellgrenze überschreitet auch verfolgt werden soll. Aber: es sollte der Musikindustrie unter keinen Umständen ermöglicht werden, ihre eigenen Versäumnisse auf dem Rücken der Internetprovider und der Internetuser auszubügeln. Erst Jahre nach der Einführung der ersten illegalen Tauschbörse (meines Wissens war das Napster – aber ohne Garantie) kamen die Manager der Plattenfirmen auf die Idee, dass diese Tauschbörsen ja auch deshalb so beliebt waren, weil es ja bis dato keine legale Möglichkeit gab, Musik downzuloaden.

Da man diese Entwicklung aber tatsächlich jahrelang verschlafen hatte, stand man nun vor dem Dilemma, eigentlich selbst gerne kostenpflichtige Downloadmöglichkeiten anzubieten, aber andererseits effektiv zu verhindern, dass diese legal downgeloadeten Songs massenhaft in irgendwelchen Tauschbörsen auftauchten. Dies war die Geburtsstunde von DRM! Leider schoss man dabei weit übers Ziel hinaus – legal erworbene CDs konnte man plötzlich nicht mehr im CD-Player des Autoradios abspielen, weil der Kopierschutz meinte, es handele sich um ein CD-ROM oder DVD-Laufwerk in einem PC. Bei Musikportalen downgeloadete Songs waren gebunden an spezielle MP3 Player, es gab eine bestimmte Maximalzahl legal zu erstellender Kopien und, und, und. Dies alles nahm seinen traurigen Höhepunkt in dem in dem Kopierschutz von Sony/BMG, der als eine Art Rootkit das Kopieren der CD vermeiden sollte. Das wiederum hatte zur Folge, dass nun noch weniger CDs gekauft wurden und der legale, kostenpflichtige Download von Songs erst gar nicht richtig in die Gänge kam. Was für ein grandioses Versagen der Manager der Musikindustrie!

Liebe Musikindustrie, liebe Plattenfirmen, liebe Konzertveranstalter. Anstatt mit großem Aufwand tausende von Usern von Tauschbörsen zu verfolgen oder technische Lösungen (Stichwort Vorratsdatenspeicherung und der Einsatz von speziellen Filtern) von den Providern zu verlangen, deren Umsetzung dann wieder der Kunde zahlen darf, hier ein paar ganz pragmatische Vorschläge fürs kommende Weihnachtgeschäft:

  • Nachwuchsförderung: anstatt neue Künstler in immer neuen Castingshows zu suchen, schickt euere Talentscouts doch lieber in die Jugendhäuser und die Clubs. Dort spielen die eigentlichen Talente und die verschwinden garantiert auch nicht nach nur einem Album.
  • Vergesst eueren Grundsatz “We’re only in it for the money”. Populäre Musik war und ist immer Ausdruck einer gewissen Rebellion. Schafft Nischen abseits des Mainstreams und verwurstelt nicht jede Band und jeden Song bis zum letzten unerträglichen Klingelton.
  • Schafft mediale Plattformen für Musik: Solange VIVA und MTV zu Abspielstationen für erbärmliche Klingeltonwerbung und drittklassige amerikanische Dokusoaps verkommen, kommt sicherlich niemand auf die Idee, sich eine CD zu kaufen oder einen Song legal herunterzuladen. Leider müssen euch ja schon Pappnasen wie Justin Timberlake, wie demletzt bei der Verleihung irgendeines inflationären Music Awards, darauf hinweisen für was das “M” in MTV eigentlich steht. Nämlich für Musik und nicht für Masse.
  • Verbilligt Tickets für Konzertbesuche! So lange Tickets für das Konzert irgendeiner Feld- Wald- und Wiesentruppe zwischen 40 und 50 € liegen, wird sich die kein taschengeldbewährter Jugendlicher leisten können. Leider gab es in letzter Zeit die Tendenz, ausgefallen Plattenverkäufe durch horrende Eintrittspreise wieder wett zu machen. Wer schaut sich denn allen Ernstes 60 Minuten 50 Cent an und Zahlt dafür 50 €?
  • Und dann noch eine ganz persönliche Bitte von mir: weidet nicht jeden abgehalfterten oder alternden Rockstar bis zum letzten Ton aus. Auch im fortgeschrittenen Alter von nunmehr fast 40 Jahren, sehe ich mir allen Ernstes weder die Stones, noch Phil Collins, noch irgendein trauriges Überbleibsel von Pink Floyd oder den Dire Straits an. Auch ich habe ein Bedürfnis nach “fresher” Musik. Leider ist man bei euch aber scheinbar der Meinung, ich gehöre zu den Hörern der oben genannten Musikfossilien.

In diesem Sinne:

Rock on!