Monatsarchiv für März 2008

krusH

Das wichtige Update…

Arghhh,

ja, ich liebe Updates. Zeigt mir eine Software an es gebe ein Update, dann schnell den Button gedrückt, sich über megabytegroße Downloads erfreut und nach der Installation an seltsamen Softwareverhalten verzweifelt. Mein Job als Systemadministrator bringt es mit sich, dass ich Releaswechseln und Updates schon immer mit einer gewissen Neugier gegenüberstand. Diese ist natürlich auch beruflich bedingt, doch sollte man in einem Netzwerk mit 130 Usern natürlich zunächst tunlichst an einem Testsystem ausprobieren, ob nach der Installation eines Windowspatchs oder eines Softwareupdate noch alles so läuft wie vorher. Privat neige ich da eher zur Experementierfreude, von einigen Ausnahmen (z. B. Releasecanditates von MS Windows Service Packs) abgesehen.

So war ich natürlich hellauf begeistert als mir WordPress im Adminbereich mitteilte, es gebe nun endlich das lang ersehnte Update auf die Version 2.5. Dieses also schnell downgeloadet, entpackt und per FTP auf den WebServer. Die Updateanleitung bestand aus drei Punkten, wobei ich den Ersten, in dem es um das Anfertigen eines Backups ging, gleich übersprang. Die gute Nachricht: meine Seite war nach dem Update noch online, und es schienen auch alle Inhalte noch verfügbar zu sein. Die schlechte Nachricht: einige Dinge, wie z. B. das Datum meiner Posts und die Einträge unter den selben, in denen zu lesen ist, ob es Kommentare dazu gibt oder nicht, waren auf Englisch. Ich finde Englisch ist eine schöne und recht einfach zu beherrschende und zu erlernende Sprache. Aber eine Blog teilweise auf Deutsch und teilweise auf Englisch, das weckte dann doch den Pedanten in mir.

Ich erinnerte mich an ein Languagefile, welches man nach der Installation von WordPress noch in das Verzeichnis Language kopieren musste. Die Datei war auch schnell gefunden und upgeloadet. Nun war zumindest die Navigation auf der rechten Seite wieder in deutscher Sprache verfügbar, die Sachen mit dem Datum und den Einträgen unter meinen Posts waren aber weiterhin in Englisch. Googeln, Suchen, Lesen, Dowloaden, mit diversen Sprachfiles experementieren, PHP-Dateien anpassen – nichts half. Seelisch stellte ich mich schon darauf ein, dass meine Seite für mehrere Tage nur bilingual zur Verfügung stehen würde. Die Letzte Rettung war dann das deutsche WordPress-Forum. Nachdem auch hier meine Suche nichts verwertbares zu Tage brachte, registrierte ich mich und schrieb zähneknirschend einen Thread.

Meine Erfahrung mit diversen anderen Foren war bisher die, dass es mitunter ein paar Stunden, manchmal sogar ein paar Tage dauert, bis man einen vernünftigen Lösungsansatz bekommt. Ungeduldige Zeitgenossen wie ich bekommen auch schon mal das übliche Genöle zu hören, dass sei jetzt schon die X-te Frage zu dem Thema und ob man den zu blöd wäre die Suche zu verwenden oder die FAQs zu lesen etc. Ganz anders hier. Nach gefühlten 10 Minuten schrieb jottlieb vom WPD-Team, ich hätte wahrscheinlich bei Upgrade auch das Themeverzeichnis überschrieben und da die Sprach hart in den Themes einprogrammiert sei, würde das jetzt zu besagtem Effekt führen.

Um es kurz zu machen, jottlieb hatte natürlich recht. Nach dem erneuten Upload des Standard-Themes aus der Version 2.33 ins Themesverzeichnis auf dem Webserver, funktionierte alles wieder wie gehabt und ich war um die Erkenntnis reicher, dass ich:

  • a.) zukünftig Updateanleitungen besser lesen sollte
  • b.) mich bei der Suche nach anderen Thems zunächst auf die konzentrieren sollte, die es auch auf Deutsch gibt

und

  • c.) das mit den Updates im Allgemeinen so eine Sache ist

Trotzdem noch einmal ein dickes Danke an jottlieb und an das deutsche WP-Forum. Von dem Support könnte sich so manche Firma eine dicke Scheibe abschneiden!

krusH

Weasels Ripped My Car

Liebe Freunde des Individualverkehrs,

seit etwas über einem Jahr nenne ich endlich wieder ein Auto mein eigen. Nicht, dass ich zuvor auf den Komfort eines solchen Individualverkehrsmittels hätte verzichten müssen. Aber als Fahrer eines Dienstwagens, den auch zur Privatnutzung zugelassen war, war man eigentlich sämtlicher sorgen zwecks Wartung unter Unterhalt enthoben. Nachdem ich nun meinen Job wechselte, bestand Bedarf an einem fahrbaren Untersatz. Vor etwas über einem Jahr kaufte ich mir dann einen silberfarbenen Smart forfour.

Nach einer längeren Fahrt ins bayerische Ausland am Ostersonntag, parkte ich meinen Mikrowagen wie gewohnt. Es war schon spät und ich wollte eigentlich nur noch ins Bett. Am nächsten Morgen erklärte ich mich dann großherzig bereit Brötchen vom Bäcker um die Ecke zu holen. Normalerweise gehe ich zu Fuß oder fahre mit dem Fahrrad. Diesmal aber war ich diesen beiden Optionen weniger zugeneigt. Ich setzte mich also in mein Auto und führ die paar Meter. Auf der Fahrt, an einer von zwei Ampeln, bemerkte ich starken Benzingeruch im Auto, maß dem aber keine weitere Bedeutung zu, und schob den Gestank auf den Omnibus neben mir. Der Rest der Einkaufsfahrt verlief unspektakulär; und nach einem gemeinsamen Frühstück mit meiner Freundin beschlossen wir den schönen Vormittag zu nutzen und einen kleinen Spaziergang zu machen.

Wie der Zufall es so will, führte uns unser Wege direkt an der Stelle vor dem Bäcker vorbei, an der ich ein paar Stunden zuvor parkte. Zu meinem Entsetzen befand sich genau dort, wo mein Wagen stand, ein Fleck einer nicht näher zu definierenden Flüssigkeit. Außerdem zog sich eine Tropfenspur von besagten Fleck in Richtung unserer Wohnung. Wir gingen der Spur nach und tatsächlich: die Spur endete vor dem Haus in dem wir wohnen direkt unter meinem Fortbewegungsmittel. Da bei Stillstand keine Flüssigkeiten aus dem Motorraum tropften, ging ich (als technisch versierter Mensch) davon aus, dass es sich eigentlich nur um Öl oder Benzin handeln könne, was unter Druck seinen Weg nach draußen suchte. Am Ostermontag nun zur Untätigkeit verdammt, suchte ich die Öffnungszeiten des Smart Centers meines Vertrauens im Internet und fuhr am nächsten morgen dorthin.

Es war kurz vor 07:00 Uhr in der Frühe. Eigentlich gar nicht meine Zeit. Mit einer Leidensmiene trat ich vor den Werkstattleiter und klagte ihm mein, besser gesagt das Leid meines Autos. Eigentlich tat ich mir selbst am meisten leid, da ich wusste, dass ich mindestens zwei Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu überstehen hatte. Eine Tätigkeit die mir so gar nicht behagt. Der Werkstattleiter konnte nichts sagen, meinte ich müsse das Auto da lassen und man würde sich bei mir melden. So trottete ich ohne Frühstück und Kaffee, im dichten Schneetreiben in Richtung Bushaltestelle und ergab mich meinem Schicksal. Ungeduldig wartete ich den ganzen Tag auf den erlösenden Anruf aus der Werkstatt. Um es mir selbst etwas einfacher zu machen, erzählte ich jedem der es hören wollte oder nicht meine Leidensgeschichte: “Hey! So ein Mist! Schon gehört? Meine Karre ist in der Werkstatt. Stinkt voll nach Benzin und verliert so eine komische Flüssigkeit!”

Wahrscheinlich wollten es die wenigsten hören. Ich fühlte mich aber nach jedem Erzählen meiner spannenden Geschichte ein wenig erleichterter. Kurz vor vier dann der erlösenden Anruf. Ein Marder habe den Benzinvorlauf durchgebissen. Das Ersatzteil sei gerade nicht auf Lager, sei aber bereits bestellt. Ich könne frühestens morgen damit rechnen, wieder zur den Automobilisten zu zählen. Am meisten an der Sache ärgerte mich aber, dass ich nun noch mindestens dreimal mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren musste. Und das war von meiner Arbeitsstelle bis zu meinem Zuhause wirklich eine halbe Weltreise, von den anderen Unannehmlichkeiten – kein morgendliches Radiogedudel, kein schamloses Mitsingen bei meinen derzeitigen Lieblingssongs, kein Fluchen über andere Verkehrsteilnehmer und kein morgendlicher Besuch bei meinem Lieblingsbäcker – ganz zu schweigen.

Mustelidae - Echte Marder (Martens)

Am nächsten Tag dann erneut das bange Warten auf den Anruf aus der Werkstatt. Vor lauter Ungeduld rief dann ich bei der Werkstatt an. Das hätte ich lieber nicht tun sollen. Das Ersatzteil sei zwar nun da, so der Werkstattleiter, beim Ausbau des alten Teils seien aber sämtliche Halterungen abgerissen und die müsse man nun ebenfalls bestellen. Die kämen frühestens Freitag. Gibt es einen Gott für Autofahrer? Ich muss ihn tödlich beleidigt haben. Mein vorsichtiges Nachfragen beim Werkstattleiter, ob man denn vorerst ohne die Halterungen fahren könne, wurden kategorisch verneint. Das hieß nun: mindestens fünf weitere Fahrten mit der Stadtbahn, jeweils zweimal Umsteigen, fünfmal die hektische Suche nach Kleingeld vor dem Fahrkartenautomaten, während der grinsende Stadtbahnfahrer die Türen schloß und weiterfuhr… Ich war fassungslos.

Dennoch versuchte ich mein Schicksal tapfer hinzunehmen, indem ich versuchte die Fahrten und Fahrtzeiten zu optimieren und mir genügend Lesestoff für den täglichen Bummel zwischen den Haltestellen mitnahm. Ich entdeckte bisher unentdeckte Spiele auf meinem Handy, übte mich im SMS und E-Mail schreiben auf der miniaturisierten QWERTZ-Tastatur und freute mich über freundlichen Fahrkartenkontrolleure. Am Freitagabend war es dann so weit: ich durfte meinen geliebten fahrbaren Untersatz wieder in Empfang nehmen. Der scharfe Geruch des auslaufenden Benzins fehlte mir und als ich von der Werkstatt nach Hause fuhr ging mir Frank Zappa durch den Kopf: Weasels Ripped My Flesh*

So long liebe Stausteher

*ich weiß, Marder heißt auf englisch eigentlich marten, das Album auf das ich mich hier beziehe aber Weasels Ripped My Flesh. Irgendwie cooler, oder?

krusH

Erfüllungsgehilfen

Liebe Freunde der Anwaltskammer,

seit Jahren gibt es eigentlich nur ein ernst zu nehmendes Magazin für Computertechnik und alles was dazu gehört. Die Rede ist natürlich vom ehrenwerten c’t aus dem Heiseverlag. Nun, da ich ja vor zwei Wochen das Krankenbett hüten musste, hatte ich viel Zeit all die Artikel zu lesen, die im normalen Alltagsstress sonst ungelesen zwischen Anzeigen von 1&1 und dem Test der neuesten Mainboards für Core2Quad oder Octocore oder was auch immer, vergammeln. In der c’t 6/2008 las ich den Artikel Tauschbörsen: zu Besuch beim Staatsanwalt. Es ging, kurz gesagt um, den Staatsanwalt Köhler im thüringischen Mühlhausen, der tatsächlich die Hälfte seiner Arbeitszeit damit verbringen muss, Anzeigen von Anwälten diverser Musikkonzerne und Filmproduzenten zu bearbeiten, die Anzeigen wegen des Verstoßes gegen das Urheberrecht stellten.

Die Ironie an der Sache ist nun, dass die meisten der Anzeigen wegen mangelnden öffentlichen Interesses eingestellt werden, die Anwaltskanzleien aber Akteneinsicht verlangen, so an die IP-Adressen der Tauschbörsenuser kommen und diese dann abmahnen. Ich fand, das sei doch einen Leserbrief wert, den ich auch hier posten will:

“Da macht sich also die Staatsanwaltschaft Mühlhausen gezwungenermaßen zum Erfüllungsgehilfen diverser Medienkonzerne und dubioser Pornoproduzenten. Der ehrenwerte Versuch von Herrn Köhler, der Anzeigenflut durch einfaches Aussitzen Herr zu werden, ist auf “Intervention von Vertretern der Medienindustrie an höherer Stelle” abgeblockt worden. Wer sorgt eigentlich in unserem Land dafür, dass Gesetzte eingehalten werden? Wer entscheidet, was als Bagatelldelikt gewertet und welches Verfahren eingestellt wird? Eine freie, unabhängige Strafverfolgungsbehörde oder die Medienindustrie? Der eigentlich Skandal bei der Sache ist doch der, dass auf Druck von Lobbyisten eine komplette Staatsanwaltschaft mindestens 50% Ihrer Zeit damit verbringt, Akten anzulegen und IP-Adressen zu ermitteln, nur damit diese dann später per Akteneinsicht, von darauf spezialisierten Anwaltskanzleien für Schadensersatzforderungen verwendet werden. Die eigentlich viel dringendere Ermittlung wegen eines Betrugs bei eBay, bleibt dann zunächst unbearbeitet liegen. Da passt es gut ins Bild wenn Justizministerin Zypries, den Gesetzentwurf zur Vorratsdatenspeicherung damit begründet, man setze ja lediglich eine EU-Verordnung um. Nun hat die Musik- und Filmindustrie endlich die Möglichkeit, 6 Monate nach Lust und Laune zu anzuzeigen, abzumahnen und abzukassieren. Wann wird die Gesetzeslage endlich so abgeändert, dass der Abgemahnte oder mit einer Schadensersatzforderung konfrontierte, nicht auch noch die Anwaltskosten der Gegenseite zahlen muss? Wenn dem nicht mehr so wäre, dann wäre diesem Unsinn sicher ganz schnell ein Ende gesetzt. Leider findet sich dafür keine Lobby.”

Und, was soll ich sagen, ein wenig stolz war ich schon als ich am Samstag das neueste c’t aus dem Briefkasten holte. Der Leserbrief wurde doch tatsächlich abgedruckt. Zwar leicht gekürzt, aber immerhin.

In diesem Sinne:

Keep on writing

Liebe Freunde des ungetrübten Musikgenusses,

gerade lese ich in Spiegel Online den Artikel Wunschzettel der Musikindustrie – Provider sollen Kunden überwachen, anschwärzen, abklemmen. Um eines gleich vorneweg klarzustellen: auch ich bin gegen Urheberrechtsverletzungen im großen Stil und der Meinung, dass alles was eine gewisse Bagatellgrenze überschreitet auch verfolgt werden soll. Aber: es sollte der Musikindustrie unter keinen Umständen ermöglicht werden, ihre eigenen Versäumnisse auf dem Rücken der Internetprovider und der Internetuser auszubügeln. Erst Jahre nach der Einführung der ersten illegalen Tauschbörse (meines Wissens war das Napster – aber ohne Garantie) kamen die Manager der Plattenfirmen auf die Idee, dass diese Tauschbörsen ja auch deshalb so beliebt waren, weil es ja bis dato keine legale Möglichkeit gab, Musik downzuloaden.

Da man diese Entwicklung aber tatsächlich jahrelang verschlafen hatte, stand man nun vor dem Dilemma, eigentlich selbst gerne kostenpflichtige Downloadmöglichkeiten anzubieten, aber andererseits effektiv zu verhindern, dass diese legal downgeloadeten Songs massenhaft in irgendwelchen Tauschbörsen auftauchten. Dies war die Geburtsstunde von DRM! Leider schoss man dabei weit übers Ziel hinaus – legal erworbene CDs konnte man plötzlich nicht mehr im CD-Player des Autoradios abspielen, weil der Kopierschutz meinte, es handele sich um ein CD-ROM oder DVD-Laufwerk in einem PC. Bei Musikportalen downgeloadete Songs waren gebunden an spezielle MP3 Player, es gab eine bestimmte Maximalzahl legal zu erstellender Kopien und, und, und. Dies alles nahm seinen traurigen Höhepunkt in dem in dem Kopierschutz von Sony/BMG, der als eine Art Rootkit das Kopieren der CD vermeiden sollte. Das wiederum hatte zur Folge, dass nun noch weniger CDs gekauft wurden und der legale, kostenpflichtige Download von Songs erst gar nicht richtig in die Gänge kam. Was für ein grandioses Versagen der Manager der Musikindustrie!

Liebe Musikindustrie, liebe Plattenfirmen, liebe Konzertveranstalter. Anstatt mit großem Aufwand tausende von Usern von Tauschbörsen zu verfolgen oder technische Lösungen (Stichwort Vorratsdatenspeicherung und der Einsatz von speziellen Filtern) von den Providern zu verlangen, deren Umsetzung dann wieder der Kunde zahlen darf, hier ein paar ganz pragmatische Vorschläge fürs kommende Weihnachtgeschäft:

  • Nachwuchsförderung: anstatt neue Künstler in immer neuen Castingshows zu suchen, schickt euere Talentscouts doch lieber in die Jugendhäuser und die Clubs. Dort spielen die eigentlichen Talente und die verschwinden garantiert auch nicht nach nur einem Album.
  • Vergesst eueren Grundsatz “We’re only in it for the money”. Populäre Musik war und ist immer Ausdruck einer gewissen Rebellion. Schafft Nischen abseits des Mainstreams und verwurstelt nicht jede Band und jeden Song bis zum letzten unerträglichen Klingelton.
  • Schafft mediale Plattformen für Musik: Solange VIVA und MTV zu Abspielstationen für erbärmliche Klingeltonwerbung und drittklassige amerikanische Dokusoaps verkommen, kommt sicherlich niemand auf die Idee, sich eine CD zu kaufen oder einen Song legal herunterzuladen. Leider müssen euch ja schon Pappnasen wie Justin Timberlake, wie demletzt bei der Verleihung irgendeines inflationären Music Awards, darauf hinweisen für was das “M” in MTV eigentlich steht. Nämlich für Musik und nicht für Masse.
  • Verbilligt Tickets für Konzertbesuche! So lange Tickets für das Konzert irgendeiner Feld- Wald- und Wiesentruppe zwischen 40 und 50 € liegen, wird sich die kein taschengeldbewährter Jugendlicher leisten können. Leider gab es in letzter Zeit die Tendenz, ausgefallen Plattenverkäufe durch horrende Eintrittspreise wieder wett zu machen. Wer schaut sich denn allen Ernstes 60 Minuten 50 Cent an und Zahlt dafür 50 €?
  • Und dann noch eine ganz persönliche Bitte von mir: weidet nicht jeden abgehalfterten oder alternden Rockstar bis zum letzten Ton aus. Auch im fortgeschrittenen Alter von nunmehr fast 40 Jahren, sehe ich mir allen Ernstes weder die Stones, noch Phil Collins, noch irgendein trauriges Überbleibsel von Pink Floyd oder den Dire Straits an. Auch ich habe ein Bedürfnis nach “fresher” Musik. Leider ist man bei euch aber scheinbar der Meinung, ich gehöre zu den Hörern der oben genannten Musikfossilien.

In diesem Sinne:

Rock on!

krusH

The Florida Airport Tape

Liebe Freunde des guten Geschmacks,

es ist an der Zeit, endlich eine neue Kategorie namens Ohrfeigen zu eröffnen. Nein, es geht hier nicht um körperliche Gewalt gegen Hörorgane. Es geht vielmehr darum, einige musikalische Highlights, die sich im Laufe der (man muss mittlerweile ja fast schon sagen) Jahrzehnte in meinem Plattenschrank und CD-Regal angesammelt haben, einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Um auch eines gleich vorwegzunehmen: Es geht hier auch nicht darum, neue Platten zu besprechen oder in verklärten Erinnerungen zu schwelgen. Ich werde hier ganze Platte/CDs vorstellen, einzelne Lieder und was auch immer mir gerade in den musikalischen Sinn kommt. Aber seht (und vielleicht auch hört) doch einfach selbst.

Als Erstes eine Compilation, auf die ich 1989 gestoßen bin. Der Begriff Compilation ist eigentlich falsch. Es handelt sich vielmehr um eine Ansammlung von Songs, die so vom Künstler noch nie veröffentlicht worden sind, die eine spezielle Geschichte haben, eine “folkloristische Signifikanz” (O-Ton), die ein außergewöhnliches instrumental anspruchsvolles Solo beinhalten oder die einfach nur anders sind. Gemeint ist die Reihe You cant‘t do that on Stage anymore von Frank Zappa. Auf insgesamt 6 Doppel-CDs veröffentlichte Zappa vor seinem Tode Lieder, Songs und Performances, die den vorher genannten Kriterien entsprachen. Einer der Besten aus dieser Reihe war gleich Vol. 1. Ich könnte hier stundenlang über die einzelnen Songs und Versionen referieren, die CD gehört sicher zu den von mir am meisten gehörten Alben. Eines der Performances ist mir aber besonders in Erinnerung geblieben, der erste “Song” auf CD 1 – das Florida Airport Tape.

You Cant't Do That On Stage Anymore

Laut Booklet wurde es mit einem analogen 2-Spur Bandgerät aufgezeichnet. Ich vermute stark, mehr oder weniger zufällig. Das Ganze geht so: Zappa und seinen Mannen laufen über den Flughafen in Florida. Irgendjemand pfeift und Mark Volman fragt:

Could I just ask: did anybody see me puke on stage?

Daraufhin der Rest der anwesenden Band:

You puked on stage!??

Volman:

Yes I did it was right in the middle of singing Easy Meat. All of the sudden it came puking out of my mouth an I just put my hand over like that.

Kaylan/Zappa:

Oh!

Volman:

You didn’t geht that on film?

Kaylan:

Outa-Sight!

Zappa:

Gimmi that in slow motion….

Volman:

I thought you guys all cut that… I got really sick from ah… that jumpin’ around each time… all that scotch and wine? Just weird, I only did it for about a second, you know it’s just like a little sound-hooker I kinda shoved it back down my throat and went on stage.

Kaylan:

That is strange man!

Irgendjemand aus dem Hintergrund:

Ratzo rizzo!

Zappa:

He saved it because he might be hungry later

Volman:

Eeeeeeeh! Get the big pieces.

Dann beginnt der Basslauf von Once Upon a Time. Nichts könnte die Intention der Compilation besser auf den Punkt bringen als diese knappe 1 Minute.

In diesem Sinne ein dreifach donnerndes: Don’t eat that yellow Snow!