Mehr Puls

Liebe Freunde der technischen Innovation,

da ich mich ja derzeit auf den New York Marathon vorbereite… Nein, das ist natürlich Quatsch. Derzeit trainieren meine Freundin und ich für den Stuttgart Lauf. Als überzeugter Technokrat kam ich bald zu der Überzeugung, dass ich einen Pulsmesser brauche. Nicht irgendso ein schnödes Ding das lediglich den Puls messen kann. Nein, es gibt mittlerweile Geräte inklusive GPS-Empfänger, mit denen man auch gleich die zurückgelegte Wegstrecke, Temperatur, Höhe über normal Null und wahrscheinlich auch seine Laktatwerte messen kann. Wenn schon High-Tech, dann High-End.

Meine Freundin nennt einen Pulsmesser ohne derartige technische Innovationen ihr eigen. Da es damit ein Anwendungsproblem gab, beschloss ich kurzerhand das Gerät im Eigenversuch zu testen. Also die taktgebenden Sensoren umgeschnallt, den armbanduhrartigen Empfänger ums Handgelenk gewickelt und gleich die erste Enttäuschung: kein Puls. Oder kein Empfang vom Sensorband, welches gegen meine Rippen drückte. Also noch einmal alles auf Neustart und siehe da: Empfang, und 65 Schläge Ruhepuls. Seltsam nur, dass der gemessene Ruhepuls zwischen 65 und knapp 90 schwankte. Und das, obwohl ich bei meinen Messversuchen mehr oder weniger unbeweglich vor dem Rechner saß und Spiegel Online las.

Dann der Messgau. Später, auf der Toilette sitzend, sprang der Puls auf 125. Ich wusste nicht, dass aufs Klo gehen so anstrengend ist. Bevor ich näher darüber nachdachte, sank mein Puls auf 87 und kurz darauf verlor meine Handapparatur den Kontakt mit Houston Pulse Control.

Nun weiß ich, dass ich auch ohne GPS trainieren kann.

Terranova!

Freitags nehme ich mir meistens, das nahende Wochenende vor Augen, irgendeine CD mit ins Auto und belohne mich auf diese Art und Weise für die vergangene Woche. Diese Woche hatte ich besonders viel Grund zur Belohnung. Am Donnerstag musste ich einen halbstündigen Vortrag zu einem IT-relevanten Thema halten und der war mir, so zumindest das Feedback der Kolleginnen und Kollegen und meiner Vorgesetzten, ziemlich gut gelungen. Unter voller Ausnutzung der Gleitzeit stand ich also morgens vor meiner CD-Sammlung und ließ den Finger über meine CDs streichen. Es sollte schon ein Mix sein – irgendein 70 Minuten Nonstopsong, der mich dann bis zum Montag in meinem Kopf begleiten sollte.

Die Wahl viel auf Terranovas DJ-Kicks. Mitte der Neunziger startete das Berliner Label !K7 eine, bis heute fortgeführte Compilation-Reihe, mit DJ-Mixen. Dabei waren das nicht einfach irgendwelche Mixe – so etwas gab es ja schon – mehr oder weniger bekannter DJs. Ziel der Sache war es, ein komplettes Set auf CD zu bannen. Und es war wirklich so: die Sets wurden größtenteils komplett live eingespielt. Das hörte man daran, dass in ruhigeren Passagen teilweise tatsächlich das Knistern der Platten zu hören war. Durch diese Livehafitigkeit und durch die Beschränkung auf maximal 70 Minuten, haben diese Compilations ihren ganz eigenen Flair. Beim Hören fühlt man sich wirklich mitten in einen kleinen Club versetzt. Man sah vor seinem geistigen Auge, wie die Protagonisten ihre 1210er bearbeiteten. Die Atmosphäre – diese Mischung aus Schweiß, Bier und Zigarettenqualm quoll förmlich aus den Lautsprechern, rotierte eine DJ-Kicks CD im Player.

Eine der besten DJ-Kicks Alben ist für mich das von Terranova. Es ist ein großartiger Mix aus scheppernden Trip-Hop (Howie B), abgedrehten Funk (Dj Spooky), Electro (Patrick Pulsinger), GoGo (The Junkyard Band) und, last but not least, befindet sich auf der Scheibe der ultimative HipHop Track: Jungle Brother von gleichnamiger Band im Terranova Remix.

Terranova DJ-KICKS

Als mich damals diese Scheibe zulegte, überlegte mich allen Ernstes auch mit dem DJ-ing zu beginnen und schaute mich schon nach den entsprechenden Equipment um. Letztendlich scheiterte das Projekt aber am Geld (zwei 1210er inklusive System und Mischpult kosten halt eine Stange) und an der Zeit. Rückblickend gesehen war das auch ganz gut so. Hat es der Menschheit doch einiges erspart und wahrscheinlich wäre ich früher oder später sowieso zu der Einsicht gelangt, dass ich auch nie ansatzweise so gut werden würde wie die Meister, deren Können auf den Alben verewigt ist.

Nough Respect !K7 and all related Artists

Übrigens besitze ich eine respektable DJ-Kicks Sammlung. Eine Zeit lang fieberte ich dem nächsten Release förmlich entgegen. Einiger meiner Perlen werden hier sicher noch Einzug in die Rubrik Ohrfeigen finden.

Running wild

Gestern war ich wieder laufen. Stichwort sieben-komma-zwo. Eigentlich war es ganz gut. Die ersten Minuten taten mir allerdings die Waden ziemlich weh. Da muss man wohl durch als Sportler. Während der zweiten Hälfte des Trainings ging es dann besser. Übrigens bin ich immer noch in der schwächsten Gruppe. Mit mir laufen nur Frauen und ab und zu ein paar Kinder. So viel zum Thema Fitness. Aber übertriebener sportlichen Ehrgeiz ist meine Sache nicht. Entspannt durch den Wald traben bringt’s.

Übrigens: den Berlin-Marathon laufe ich nun doch nicht, ich laufe New York!

Schäuble ante portas

Ein Gesetz muss her! Nur für was? Die Frage sei erlaubt, ob der Gesetzgeber so genau weiß, was er da genau tut und über was er da entscheidet? Doch der Reihe nach. Nachdem das Bundesverfassungsgericht am 27.02.2008 das Verfassungsschutzgesetz in Nordrhein Westfalen gekippt und damit den Plänen der Bundesregierung zur Online-Durchsuchung einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht hat, gibt es nun seit gestern einen neuen Gesetzentwurf. Der Entwurf soll der Durchsuchung mittels Bundestrojaner zwar eine gesetzliche Grundlage geben, dieser darf aber nicht durch einen physischen Zugriff auf den PC installiert werden, da ein heimliches Eindringen in die Wohnung um eben dieses zu tun, gegen das Grundgesetz verstoßen würde.

Toller Plan Herr Schäuble und Frau Zypries. Ich frage mich nur, wie das genau von statten gehen soll? Ein per E-Mail geschicktes Superprogramm, das sich ohne Problem an Spamfilter, Firewall und Virenscanner vorbeischmuggelt, sämtliche Sicherheitsmechanismen des Betriebssystems aushebelt und dann lustig alle Daten auf der Festplatte an die Ermittlungsbehörden weiterleitet? Diese sind dann natürlich ohne Weiteres in der Lage verschlüsselte oder mit einem Passwort versehen Dateien zu öffnen. Das ganze funktioniert selbstverständlich plattformunabhängig, also sowohl auf einem Windows Rechner, einem Linux PC und natürlich auch auf einem Mac und auch dann, wenn der betroffene Rechner nicht am Netz, sprich im Internet hängt. Mit der Installation dieser Software wird nämlich auch ein virtuelles GSM Modem installiert, was sich dann heimlich und weltweit ins nächstbeste Mobilfunknetz einwählt und die Daten übermittelt. Gehen Sie online mit dem BND! Ein sehr ausgereifter Plan.

Übrigens würde ich gerne die Programmierer kennenlernen, die so etwas bewerkstelligen. Ich würde vor Ehrfurcht erstarren und (das verspreche ich hiermit hoch und heilig) sofort anfangen Informatik zu studieren. Bestimmt gibt es für so etwas auch bald ein neues Studienfach: Luftschloss-Informatik.

Hunde und kleine Kinder

Liebe Zyniker unter uns,

da gibt es dieses schwäbische Brauchtum namens Kehrwoche. Oft noch unterteilt in eine “große” und eine “kleine” Kehrwoche, dient sie zunächst natürlich der Sauberkeit des Bordsteins und des Treppenhauses. Bei genauerer Betrachtung ist diese Institution aber natürlich nichts anderes als eine perfide Möglichkeit, sich die Kosten für einen Hausmeisterservice zu sparen. Hat man das Pech ausgerechnet dann mit der großen Kehrwoche (für alle Nichtschwaben, das bedeutet, dass man auch den Hof und den Bordstein vor dem eigenen Haus kehren muss, im Winter auch Schneeschippen und streuen) dran zu sein, wenn die Sperrmüllabfuhr, der herbstliche Blätterverlust umstehender Laubbäume oder ein winterliches Tief mit ca. 30 cm Neuschnee über Nacht bevor steht, so kann dies echte Arbeit bedeuten. Argwöhnisch beobachtet von den Nachbarn, hat man dann das zweifelhafte Vergnügen, möglichst noch vor 08:00 Uhr morgens, für einen reinlichen Zustand des Gehweges zu sorgen. Was würden kehrwochenversessene Schwaben eigentlich derzeit in Neapel machen? Wahrscheinlich wäre das ästhetische Empfinden so sehr gestört, dass der redliche Schwabe einen Besen in die Hand nehmen und sämtlichen Müll von Neapel bis Rom, fein säuberlich getrennt, aufkehren und entsorgen würde.

Da die Kehrwoche ja jede Woche wechselt, traf es mich diesmal mit der großen Variante. Mein subtiler Protest gegen dieses Brauchtum besteht übrigens darin, immer erst sonntags mit Besen und Schaufel Bordstein und Hof zu traktieren. Schwäbischer Konsens ist eigentlich, dies samstags zu tun und dann sonntags das Kehrwochenschild umzuhängen. Die ganze Sache unterliegt also strengen Regeln – wehe wer diese nicht einhält! Dies sollte sich aber ausgerechnet heute rächen. Nach dem sonntäglichen Gang zum Bäcker, sah ich einen halbverlüssigten Haufen Hundekot auf dem Gehweg vor unserem Haus. Unweigerlich begannen sich Rachephantasien in meinem Kopf zu entwickeln: Hundebesitzer eingetaucht und zuvor beworfen mit den Ausscheidungen ihrer Vierbeiner, übelriechende Flüssigkeiten die sich, im Moment der Fäkalablage, auf Hund und Herrchen (oder Frauchen) vom Fenster meiner Wohnung aus über beide ergießen. Dann schoss mir noch ein Zitat von W. C. Fields durch den Kopf: “Wer Hunde und kleine Kinder hasst, der kann kein ganz schlechter Mensch sein.”

Beim Wegkratzen des Hundehaufens und Unterdrücken meines Brechreizes, fiel mir noch folgende Modifikation dieses Satzes ein: streiche kleine Kinder und ersetze diese durch Hundebesitzer.

Wer hat eigentlich behauptet, dass Berlin die Hauptstadt der Hundescheiße sei?

7,2

Liebe Couchpotatoes,

nun hat es mich doch gepackt. Seit Jahren habe ich nach etwas Ausgleichssport für die Wintermonate gesucht. Als begeisterter Biker war mir der Winter eigentlich immer zu kalt zum Fahren, obwohl ich eigentlich geeignete Klamotten, auch für Fahrten bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, besitze. Spötter behaupten ich wäre ein Schöwetterfahrer. Dem kann ich nur zustimmen. Auch die morgendlichen 11 km zum Büro, bewältige ich nur bei extremer Motivation und bei Temperaturen jenseits der 20°C.

Da ich in einer Großstadt lebe, gibt es natürlich auch hier den obligatorischen Stadtlauf. Vor einiger Zeit fand meine Freundin eine Anzeige, in der der TF Feuerbach für seinen Lauftreff und für einen Vorbereitungskurs auf den besagten Stuttgarter Stadtlauf warb. Eigentlich bin ich kein großer Freund von Vereinsmeierei – aber ein gewisser Druck regelmäßig Sport zu treiben kann nicht schaden. Also meldeten meine Freundin und ich uns zu dem Vorbereitungskurs an mit dem Ziel, am 22. Juni an dem Stadtlauf teilzunehmen und darauf vorher regelmäßig zu trainieren.

Gestern war es nun so weit: der erste Lauftreff fand statt. Ich hatte mich bei der Anmeldung zunächst für die schwächste der drei Gruppen entschieden; bin ich doch das letzte Mal zu Schulzeiten mehr als 100m am Stück gelaufen. Eine weise Entscheidung, denn ich konnte gut mit den restlichen Läuferinnen und Läufern mithalten. Hätte ich mich für eine andere Gruppe entschieden, so hätte ich da zwar sicher auch mithalten können, wäre aber eher an meine Leistungsgrenze gekommen und hätte so sicher schnell den Spaß an der Sache verloren. So konnte ich gemütlich mitlaufen, ohne all zu sehr außer Atem zu kommen. Die uns betreuenden Trainer haben gesagt, man solle nebenher noch ganz locker reden können. Als eingerosteter Sysadmin, dessen beweglichster Muskel der des rechten Zeigefingers ist (vom vielen Mausklicken), spüre ich heute trotzdem meine Oberschenkel etwas.

Aber, um es mit unserer Trainerin Gisela zu sagen: “Wir trainieren die Ausdauer, die Schnelligkeit kommt von alleine”. Hoffentlich auch die Muskeln.

Bevor ich es vergesse und der ein oder andere vor Ehrfurcht erstarrt: wir werden nicht den Halbmaratohn, sondern den 8 km SV-Lauf laufen. Das sollte für den Anfang reichen. Für alle, die uns anfeuern und mit kühlen Getränken versorgen wollen, hier ist der Steckenverlauf:

Strecke 8 km SV-Lauf

Der Zieleinlauf findet übrigens, äußerst spektakulär, durch das Marathontor des Gottlieb-Daimler-Stadions statt. Vermutlich letztmalig, da sich die Stadtoberen in den Kopf gesetzt haben, das Stadion zu sanieren und das Marathontor den Bedürfnissen einer modernen Sportarena zu opfern. Auf der Stecke soll dabei leider auch die Tartanbahn bleiben. Aber das ist eine andere Geschichte…

Keep on running!

Kabel dran!

Liebe Freunde des Computerschrotts,

sicher habt ihr mitbekommen, dass ich den Beruf des Systemadministrators ausübe. An sich eine feine Sache, gäbe es da nicht so eine unangenehme Begleiterscheinung. An sich nichts schlimmes, aber auf die Dauer doch lästiger als all die täglichen Anrufe vom Kaliber “Es druckt nicht” oder “Es zeigt nichts an” oder “Ich komme nicht drauf…”

Alles fing nach meinem letzten Urlaub an. Ich habe mir angewöhnt, immer vor einer längeren Abwesenheit meinen Schreibtisch gründlich aufzuräumen. Dies hat mehrere Gründe. Zum einen hat die Putzfrau dann die, zweimal im Jahr wiederkehrende, Gelegenheit den Schreibtisch feucht abzuwischen, zum anderen findet man während des Aufräumens immer irgendwelche Dinge, die noch dringend erledigt werden müssen. Aber zurück zu meinem ersten Arbeitstag nach längerer Absenz. Nach meinem letzten Urlaub lag ein, fein säuberlich zusammengerolltes, Telefonkabel auf meinem Schreibtisch. Darauf lag ein Zettel von meiner Kollegin auf dem Stand, dass ihr Faxgerät kaputt gegangen sei und beim Austausch eben dieses Kabel übrig geblieben ist. Sicher hätte ich dafür noch Verwendung. Ich schenkte dem zunächst keine Bedeutung und legte Kabel und Zettel zur Seite.

Aber ich hatte die Rechnung ohne meine Kollegen gemacht. Am nächsten Tag stand dann ein uralter DIN A3 Scanner hochkant in meinem Büro, diesmal ohne Zettel. Als ich dann nach einem längeren Termin am gleichen Tag zurück in mein Büro kam, thronte auf dem Scanner dann noch ein passender DIN A3 Tintenstrahldrucker der Marke HP. Das Ganze stand in einem äußerst labilen Zustand aufeinander und so beschloss ich, den alten Drucker auf die Verlängerung meines Schreibtisches zu stellen, der eigentlich als Aushilfsarbeitsplatz für Techniker anderer Firmen, Praktikanten oder Azubis gedacht war. Diese Tat musste wie ein Fanal gewirkt haben. Im Laufe der nächsten Tage stapelten sich dann weitere ausrangierte Drucker, Minihubs, Telefone, Kabel in allen Längen und für alle möglichen Zwecke und sogar leere Tonerkartuschen auf der besagten Schreibtischverlängerung.

Beim mittaglichen Bäckerbesuch mit einigen meiner Kollegen flaxte ich, dass die IT-Abteilung nun ab sofort für alles zuständig sei, an dem ein Kabel angebracht ist. Als Beispiel nannte ich den neu installierten Getränkeautomaten, eingemottete elektrische Schreibmaschinen, Dia- und Overheadprojektoren aus der Steinzeit der Präsentationstechnik und noch so manches andere. Ich scherzte, dass wenn man wolle, dass ich für etwas zuständig sein solle, dann müsse man nur ein Kabel daran befestigen. In diesem Moment würde die Zuständigkeit sofort und unumkehrbar auf mich übergehen. Die Kollegen fanden es lustig und hatten schon prima Beispiele parat (Akten, Büropflanzen, unliebsame Kunden).

Ab diesem Tag entwickelte die Sache eine gewisse Eigendynamik. Am nächsten Tag nämlich, und das ist kein Witz, standen zwei bei uns angestellte Mechaniker in meinem Büro und übergaben mir zwei große Tüten mit folgenden Inhalt:

  • 3 alte Siemens Handys
  • 4 dazu passende Ladegeräte (eines fürs Auto)
  • 2 Freisprecheinrichtungen für oben genannten Handys
  • die Originalverpackungen zu den drei Handys
  • eine Handyantenne, die mit einem Saugnapf auf einem Auto befestigt werden kann
  • und, als besonderes Schmankerl, 2 Centronics Druckerkabel

Seit diesem Tag ergebe ich mich meinen Schicksal und sehe den wachsenden Berg an Coputerschrott, Kabeln, leeren Kartuschen, und veralteter Kommunikations- und Druckertechnik als eine art Gesamtkunstwerk. Sollte es einmal ein Museum für ausgestorbene Anschlüsse und nicht mehr benötigte Schnittstellen geben: mein Büro wird die erste Adresse sein! Ach ja, und dann noch eine kleine Anekdote zum Schluss. Das mit dem Kabel hat übrigens seine logische Fortsetzung in der Frage eines Kollegen gefunden, ob ich ihm erklären könne, warum an dem Getränkeautomaten so eine komische Fehlermeldung steht und ein Lämpchen rot brennt. Ah, is klar, ist ja auch ein Kabel dran…

A Day At The Races

Liebe Kutlurbanausen,

ein Museumsbesuch! “Uaaaaah, wie langweilig!”, werden sich nun die meisten hier an dieser Stelle denken. Ich gestehe, dass ich auch nicht unbedingt zu den fleißigsten Museumsgängern gehöre und das in einer Stadt, die immerhin die größte Otto Dix Sammlung ihr eigen nennt. Mein letzter Besuch der Staatsgalerie in meinem Heimatort Stuttgart, fand irgendwann zu Schulzeiten statt, ist also über 20 Jahre her. Von Museeumsbesuchen im Urlaub abgesehen, empfand ich solche Einrichtungen eigentlich immer als einen Hort der Langeweile. Von einem Exponat zum nächsten trottend, Unmengen an Text auf irgendwelchen Tafeln lesend, verlor ich in der Regel schnell das Interesse und es stellte sich schnell diese Gefühl der Leere gepaart mit latenter Überforderung ein.

Am 20. Mai 2006 eröffnete in Stuttgart das neue Merceds-Benz Museum seine Pforten. Zu der Zeit fuhr ich öfters an dem Gebäude vorbei, welches sich spektakulär helixförmig in den Himmel schraubte. Nun bin ich, obwohl smart-Fahrer, eigentlich überhaupt kein Fan der Marke Mercedes-Benz. Im Gegenteil, die Marke war für mich immer der Inbegriff der Spießigkeit, des Rechthaberischen und ich hatte irgendwie immer das Bild des größenwahnsinnigen Österreichers mit seltsamen Bart und Frisur im Kopf, der sich in einem offenen Mercedes Cabriolet durch die Massen chauffieren ließ. Es sprach also alles gegen einen Besuch des neu eröffneten Mercedes-Benz Museums. Durch diverse Berichte im Fernsehen und Artikeln im Internet und in diversen Tageszeitungen, wurde ich dann aber doch irgendwie neugierig.

“Spektakuläre Architektur” stand dort geschrieben, “revolutionäres Konzept” und so weiter. Da ich in der Stadt lebe, in der das Ding steht, schien nun ein Besuch unausweichlich. Am 25. Mai 2006 begaben sich also meine Freundin und ich nach Untertürckheim um dem Helixbau einen Besuch abzustatten. Am liebsten wären wie gleich wieder umgekehrt: vor dem Eingang befand sich eine ca. 300m lange Menschenschlange, die durch Absperrgitter im Zickzackkurs Richtung Eingang gelenkt wurde. Es war ein kalter, regnerische und windiger Tag und in Ermangelung an Alternativen stellten wir uns an und waren tatsächlich nach ungefähr 2 Stunden drin.

Die Berichte waren nicht übertrieben. Von einer ca. 50m hohen Eingangshalle geht es mit einem Aufzug im Fritz Lang-Stil hinauf in die erste Ebene. Dort angekommen hat man nun die Wahl zwischen zwei Rundgängen, bei denen sich man jeweils Spiralförmig nach unten bewegt, aber auch jederzeit die Möglichkeit hat, von einem zum nächsten Rundgang zu wechseln. Wir entschieden uns für den längeren von beiden Rundgängen, der Variante Mythos. Hier wird die Geschichte des Automobils, der Marken Benz und Mercedes vom Anbeginn an aufgedröselt und in verschiedene Epochen unterteilt, die auf eigenen Ebenen ausgestellt werden. Zwei Ding sind mir sofort positiv aufgefallen: durch die Helixform des Gebäudes gibt es keine gerade Wände. Dies verleiht dem Gebäude einen ganz eigenen, nicht monströsen Charme. Es regiert das Ungleichmäßige. Überall gibt es kleine Luken und Durchbrüche, durch die man auf die anderen Ebenen oder auf die Eingangshalle sehen kann.

Was mir, neben dem wirklich einzigartigen Gebäude, auch sehr gut gefiehl, war die Art und Weise wie die Exponate ausgestellt sind. Es gibt keine Absperrgitter oder Bänder und man kann mit den Autos fast auf Tuchfühlung gehen, seinen Kopf in den Innenraum eines 300 SL aus dem Jahre 1962 stecken, Details an Karosserie und Innenausstattung bewundern und sich an den Gebrauchsspuren mancher der Ausstellungsstücke erfreuen. Das was man von anderen Automuseen kennt, nämlich dass die auf Hochglanz polierten Karren in Reih und Glied stehen und dabei aussehen als seien sie gerade eben frisch vom Band gelaufen, das hat man hier, zumindest bei einem Teil der Ausstellungsstücke bewusst vermieden. So sieht das 290iger G-Modell wirklich so aus, als sei es geradewegs aus einem Steinbruch ins Museum gefahren. Dem 500 SLC sieht man an, dass er die 1980 die Bandama-Ralley gewann. Lediglich den Schlamm und den Staub schien man entfernt zu haben, selbst die zersplitterte Windschutzscheibe ist noch im Original erhalten.

Sehr beeindruckend übrigens auch das Informationssystem. Am Eingang (vor den Fritz Lang-Aufzügen) bekommt man ein Gerät ausgehändigt, was entfernt an einen PDA mit Gummiüberzug erinnert. Daran angeschlossen sind Kopfhörer und damit man beide Hände zum Staunen und Fotografieren frei hat, baumelt dieses technische Konglomerat an einem langen Band um den Hals. Hört sich noch nicht spektakulär an? Vorausgesetzt man hat die Kopfhörer auf, wird man, in Abhängigkeit seines Standortes mit den wichtigsten Informationen zur Epoche und den ausgestellten Exponaten versorgt. Und dies wie von Geisterhand: betritt man eine andere Ebene, so erhält man einen groben geschichtlichen Umriss über die Epoche. Will man dann noch weiterführende Informationen zu einzelnen Ausstellungsstücken, so kann man mit dem Gerät auf einen gekennzeichneten Punkt zielen und einen Knopf drücken. Dann erhält man weitere Informationen, die man sich wahlweise auch kindgerecht anhören kann. Ich als EDVler war von diesem multimedialen Infosystem maßlos begeistert.

Nach 2 1/2 Stunden waren wir durch sämtliche Ebenen durch und auf der Ebene 0 angelangt. Wir gaben unsere Infosysteme zurück und schlenderten noch ein wenig durch das angeschlossene Mercedes-Benz Neuwagencenter. Nach so viel Museum wollte ich mir eigentlich noch irgendeine Erinnerung an den Besuch kaufen, fand aber nichts passendes. Immerhin durften wir die Bändchen zum Umhängen der Infosysteme behalten. Das ganze hat mich so geflasht, dass ich einige Monate später, wieder mit meiner Freundin, noch einmal ins Mercedes-Benz Museum ging, um diesmal den zweiten Rundgang zu bestreiten.

Die Bilder vom ersten Besuch könnt ihr euch übrigens hier anschauen. Bitte entschuldigt die bescheidene Qualität, es liegt an der in mein Blog eingebundene Gallery namens PhotoXhibit. Sobald ich die Bilder von der zweiten Runde einstelle, werde ich versuchen, dies zu optimieren.

Baut mehr Museen!

Ein Theme muss her

Liebe Freunde des Webdesingns,

nachdem die Denk-Blo(g)ckade ja schon seit einiger Zeit online und mit mehr oder weniger sinnvollen Posts gefüllt ist, war es an der Zeit sich ein paar Gedanken über das Design zu machen. Da ich nicht der große Webdesigner bin und ich auch überhaupt keine Lust verspüre mich mit Stylesheets usw. herumzuplagen, lag es nahe einfach ein anderes Theme zu nehmen und bei Bedarf anzupassen. Da ich nach meinem Updatemassaker ja wusste, dass es ein patriotisches, sprich deutsches Theme sein musste, stöberte ich im Themepool von WordPress Deutschland. Die meisten der dort angebotenen Themes sind eher durchschnittlich. Entweder handelt es sich um Abwandlungen des bekannten Kubrick-Themes, um völlig verspielte Designs von World of Warcraft Fans oder um mehr oder minder bemühte Eigenkreationen. Vier Themes stachen aus dem einerlei allerdings heraus und für eines habe ich mich, wie ihr sehen könnt, dann auch entschieden.

Das erste Theme, das mit gut gefiel hört auf den Namen Perun. An dem Design gefiel die Schlichtheit und die orangefarbene Überschriften für die in der Sidebar eingepflegten Widgets. Schön auch die Grafik in der Kopfzeile, die ich aber natürlich noch durch eine eigene ersetzen wollte. Dafür war das Bild aber recht groß, deshalb suchte ich weiter.

Screenshot Perun Theme

Anschließend stolperte ich über Ocean Mist. Was sich zunächst anhört wie die gesammelten Ausscheidungen eines großen Weltmeeres, entpuppte sich fast als Volltreffer. Im dezenten Blau gehalten, nicht zu verspielt und ebenfalls mit einem schönen Bild in der Kopfzeile. Nach längerem Betrachten stellte ich aber fest, dass sich Ocean Mist wohl eher für ein Reiseblog eignet und weniger für meine Zwecke. Trotzdem halte ich es für äußerst gelungen.

Screenshot Ocean Mist Theme

Nun stach mir Burny ins Auge. Recht extravagant und mit viel Orange. Besonders gefiel mir hier, neben bereits erwähnten Orange, das Bild mit den Flammen. Wie ihr seht, bin ich auch mit kleinen Dingen zu begeistern. Leider wirkt das das Orange hier auf dem Screenshot etwas blass. Im Original wirkt die Farbe wesentlich kräftiger.

Screenshot Burny Theme

Nachdem ich noch ein paar Themes anklickte, fand ich endlich eines welches rundherum gelungen war. Es hört auf den sinnigen Namen Terra Firma. OK, der Name ist wirklich daneben. Den Rest finde ich aber wirklich toll und rundherum gelungen. Aber seht selbst:

Screenshot Terra Firma Theme

Noch schnell das Nadelgehölz oben durch ein, von mir geschossenes, Bild des neuen Kunstmuseums in Stuttgart ersetzt und fertig war das neue Theme. Ich hoffe, das Theme gefällt allen Besuchern genauso gut wie mir.

In diesem Sinne

Blog On!

Snow on Easter Sunday

Liebe Freunde der Kakophonie,

heute stand ich vor meinem CD-Regal und da stach mir dieses hässliche, rosafarbene Cover in die Augen. Ein Griff und ich erinnerte mich: es war Perverted by Language von The Fall. Als ich zum ersten mal The Fall hörte, so war dies (so wie später der erste Hörgenuss von Miles Davis’ Agharta) etwas, was mich in meinen musikalischen Grundfesten erschütterte. The Fall zu beschreiben ist in etwas so wie das Gefühl zu beschreiben, vom Blitz getroffen zu werden. Die Musik irgendwo zwischen Punk, Psycheldelic-Folk, erkranktem Rock’n Roll und Düsenjet, die Texte zwischen Surealismus, Ironie und Gaga. Es gab über 88 Alben, die unter der Marke The Fall eingespielt wurden. Einzige Konstante war und ist Mark E. Smith (unvergessen das Tributalbum Perverted By Mark E. / A Tribute To The Fall), der für Gesang und Geräusche zuständig ist.

Perverted by Languae

Ende der 80er kaufte ich mir das Album Perverted by Language. Den Namen der Band las ich in irgendeinen Musikmagazin, wusste aber nicht wirklich was da auf mich zukommt. Einmal im CD-Player nahm das Fansein seinen Lauf und es gipfelt nun hier, in diesem Post im Blog. Schon der erste Titel war Program: Eat Y’self fitter. Eine unglaubliche Energieleistung mit Textzeilen wie “Waht’s a computer? – Eat y’self fitter – Eat each other! Eat y’self fitter”. Bis heute weiß nicht, ob es sich bei dem Text um eine frühe Parodie aufs Abnehmen handelt, oder ob Mark E. Smith einfach nur das sang , was ihm gerade in den Sinn kam. Trotz allem beschreiben die Lieder auf dem Album einen Spannungsbogen, vom energiegeladenen, bereits erwähnten Eat Y’self fitter, über die Feedbackorgie Neighboruhood of Infinity zum mysteriösen Garden hin zum genial schleppenden Hexen Definitive, welches dann nahtlos zum letzten Song Strife Knot übergeht.

Gäbe es eine Blaupause für ein Konzeptalbum, sie würde sicher Perverted by Language heißen.

‘Nough Respect!