Der Willhabenfaktor

Gestern gingen wir in die Stadt. Bei der Gelegenheit statteten wir dem dortigen Saturn Markt einen Besuch ab. Dort gibt es seit neuestem einen Apple Shop, durch den wir “zufällig” gingen. Fasziniert standen wir vor dem neuen iMac. Erst dachte ich, es sei nur ein neues Apple Cinema Display. Weit gefehlt! Dieses super stylische Gerät ist ein kompletter Rechner! Im Geiste ging ich schon einmal meinen Kontostand durch. Will haben! Aber bitte das große Gerät mit 24” Display.

Upgrade auf WordPress 2.5.1

Schon seit einiger Zeit forderte mich mein Blog im Admin-Bereich auf, doch bitte auf die Version 2.5.1 upzugraden. Nach meinem letzten Updatemassaker, beim Update auf die Version 2.5, war ich diesmal vorsichtig und ignorierte zunächst die Aufforderung. Da ich im Süden Deutschlands wohne, war gestern ein Feiertag und heute die Gelegenheit einen Teil meines explodierenden Überstundenkontos abzubauen. Der Fachmann spricht auch von einem Brückentag. Also schnell die Version 2.5.1 downgeloadet, die Upgradeinfo durchgelesen und die Files mit WinSCP auf meinen WebServer hochgeladen.

Das Update ging diesmal absolut problemlos. Einzig das Plugin WP-dTree war danach nicht mehr zu gebrauchen. Aber Onkel Google* konnte auch hier helfen und WP-dTree ließ sich wieder aktivieren. Leider waren aber alle ehemals von mir getätigten Einstellungen des Plugins wieder auf Default gesetzt. Damit ich es zukünftig etwas leichter habe, habe ich mir das WordPress Automatic upgrade downgeloadet. Dieses werde ich beim nächsten anstehenden Update verwenden. Es bleibt also spannend.

*Für alle die dem Link nicht folgen wollen: in den Einstellungen des WP-dTrees den Haken setzen bei “Enable scriptaculous” (Darstellung|WP-dTree|Scriptaculous Effects|Haken bei Enable scriptaculous effects).

Der Stuhlnomade

So kann es gehen: einmal unbedacht den Oberkörper entspannt gegen die Lehne des Bürostuhls gedrückt und dabei die Arme nach oben gereckt. Dies alles noch in Gegenwart einer Kollegin, um ein gewisses Maß an Entspanntheit zu signalisieren, im Angesicht hysterischer EDV-Probleme besagter Kollegin. Plötzlich ein metallisches Knacken, ein Ruck und die Rückenlehne gab nach. Mühsam konnte ich das Gleichgewicht und mich auf dem Stuhl halten, während ein kleiner Schauer aus Schrauben, Unterlegscheiben und seltsam deformierten Gewindeteilen auf den Büroteppich unter meinem Stuhl regnete. Die amüsierte Kollegin verließ schnell mein Büro (wohl um sich vor der Tür hemmungslos einen Lachkrampf hinzugeben) und ließ mich und meinen defekten Stuhl zurück.

Nach einer ersten Begutachtung der Stuhlunterseite war klar, da war nichts mehr zu machen. Die Gewinde, aus denen die Schrauben nebst Zubehör herausfielen, waren teilweise hinter einer Metallverstrebung verschwunden. Die hatte sich wohl, wegen der plötzlich fehlenden Fixierung und des Drucks meines Körpergewichts, vielfach Verstärkt durch das gleichgewichtserhaltende Rudern, verbogen und ein Stück nach oben verschoben. Totalschaden am Bürostuhl. Kein Problem dachte ich, der Stuhl war etwas über ein Jahr alt und damit ein Garantiefall. Kurz die zuständige Kollegin angerufen (diese sitzt in dem gleichen Büro wie die Kollegin, die währendes Unfalls vor mir stand) und den Schaden geschildert. Im Hintergrund war leichtes Glucksen und Gekicher zu vernehmen. So schnell machen also Unfälle mit Bürostühlen die Runde. Meine Kollegin versprach sich um die Sache zu kümmern. Da ich wusste, dass einer meiner Kollegen der nur zwei Büros entfernt sitzt, sich um Urlaub befand, nahm ich kurzerhand dessen Stuhl. “Würde schon nicht so lange dauern” dachte ich.

Die Woche verging, der Kollege kam wieder und ich war somit stuhllos. Ich rief die für die Reparatur zuständige Mitarbeiterin an (die sich wirklich sehr bemühte) und fragte, ob schon ein Termin für den Tausch oder die Reparatur des Stuhls in Aussicht sei. Leider negativ, aber sie hätte gerade einen super ergonomischen Stuhl zur Ansicht da, den könne ich so lange nehmen. Ich sprintete also 2 Stockwerke höher, schnappte mir den Stuhl und platzierte ihn vor meinem Schreibtisch. Der Stuhl war klasse und viel besser als mein defektes Sitzgerät. Die Freude währte aber nur 3 Tage. Ich erhielt einen Anruf, dass mein Stuhl von einer anderen Abteilung zum Probesitzen benötigt werden würde. Dort werde gerade umstrukturiert und im Zuge dieser Umstrukturierung stehe auch die Neubeschaffung von Sitzmöbeln an. Mein Stuhl würde also in ein paar Minuten abgeholt werden und ich würde ihn auch nicht wiederbekommen. Mein Einwand, dass ich lange genug auf dem Stuhl probegesessen hätte, diesen nur wärmstens empfehlen und man sich deshalb ein Probesitzen in der umzustrukturierenden Abteilung sparen könne, fand leider kein Gehör.

Nachdem mein Tauschsessel weg war ging ich zur Kollegin, die die Reparatur meines Stuhls organisierte. Sie hätte nun einen Termin in 3-4 Wochen von heute an gerechnet. Der Techniker würde sich bei mir melden. Sie sagte, ich hätte Glück. Unser aller Chef hatte sich vor geraumer Zeit ebenfalls einen Stuhl zum Probesitzen kommen lassen. Der hätte ihm aber nicht zugesagt und man warte nun schon seit mehreren Monaten darauf, dass der Stuhl wieder abgeholt werden würde. Ich solle doch dieses Sitzmöbel nehmen, das könne ich dann sicher bis zum geplanten Termin behalten. Letzten Dienstag morgen kam ich dann in mein Büro und stellte fest: der Sessel vom Chef war weg! Ich hatte da aber so eine Ahnung. Da ich die Nummer der Stuhlreparaturstelle nun schon auswendig kannte, wählte ich die und hatte prompt meine Kollegin am Apparat. Der Stuhl wäre gestern, nachdem ich das Büro verlassen hatte, noch abgeholt worden. Das verwunderte mich zwar, denn ich war wirklich spät gegangen, aber ich konnte nichts dagegen machen.

Glücklicherweise wurden dem Kollegen, dessen ersten Stuhl ich mir auslieh, die Weisheitszähne gezogen und er fällt wohl mehrer Tage aus. Nun habe ich wieder seinen Stuhl und blättere gerade in unserer Urlaubsliste und schaue, wer als nächstes Urlaub hat. Das Stuhlkarussell beginnt von neuem.

Ich, iPodunist

Nein, eigentlich wollte ich ihn ja nicht. Es gab gute Gründe: George W. hat einen, iTunes zum Füllen sollst du verwenden, den Funktionsumfang eines Küchenmixers. Alles sprach gegen dieses kleine Ding. Aber ich brauchte irgendetwas um mir die morgendlich Fahrt zur Arbeit zu versüßen. Also ab in den nächsten Ich-bin-so-blöd-Markt und mich umgeschaut. Ein Gerät von Philips – irgendwie dem großen Apfel nachempfunden. Eines von Trextor – bei genauerem Hinsehen die Pink Edition, mit eingravierter Unterschrift der Sängerin. Pfui! Beim Lesen des Funktionsumfangs auf der Packung wurde mir ganz anders. Warum standen hier nicht Liegestühle rum? Um alles zu lesen was diese kleinen Winzlinge können, das hätte sicher mehrere Stunden gedauert. Die könnte man locker auf einem bereitgestellten Liegestuhl verbringen und sich währenddessen vom netten Mediamann mit kühlen Getränken versorgen lassen. Nebenbei könnte man sich dann noch über die vielen unnützen Funktionen moderner MP3-Player amüsieren.

Ordnernavigation, FM Radio, DRM fähig, Farbdisplay, auf einigen Geräten kann man sogar Film anschauen. Das stelle ich mir wirklich witzig vor: Der Pate auf einem 3,5 cm breiten Display. Kinogenuss pur. Allen Playern gemein waren übrigens wirklich fummelige Knöpfe und ziemlich schäbige Plastikgehäuse. Gapless Play? Da erntete ich vom Verkäufer nur ein Schulterzucken. Das müsste ich halt ausprobieren. Toll! Danke, Herr Mediamann. Nach einer quälenden halben Stunde in der Abteilung für Abspielgeräte datenkomprimierter Musik war es mir zu bunt: ich schlenderte zum Verkäufer, setzte ein gequältes Lächeln auf und verlangte einen 1 GB iPod Shuffle. Bitte in silber und ohne unnützes Zubehör. 45 € – für einen 1 GB Player eigentlich ein stolzer Preis. Aber meine guten Vorsätze hatte ich, im Angesicht der funktionsüberladenen Plastikscheußlichkeiten, eh längst über Bord geworfen.

iPod back

Zu Hause angekommen, iTunes downgeloadet, Player angeschlossen und registriert. Hmmm, alles ziemlich einfach. Keinen MP3 Encoder suchen, der die MP3-Tags aus irgendwelchen dubiosen Quellen im Internet zieht. Kein manuelles Anlegen von Ordnern pro gerippten Album. CD einlegen und nach einigen Sekunden fängt die Software an das Album automatisch in iTunes zu importieren. Keine Gedanken über falsche geschriebene MP3-Tags. Einfach irgendwann meinen Shuffle Synchronisiert und das wars auch schon. “Alles viel zu einfach”, dachte ich. Die ersten gerippten CDs waren aus der DJ-Kicks Reihe, als Mix CDs. Beim ersten Probehören fielen mir die doch recht abrupten Übergänge zwischen den einzelnen Tracks auf. Und das obwohl ich die Option “Unterbrechungsfreies Album” (was für eine Wortschöpfung!) gewählt habe.

iPod front

Doch nach 10 Minuten Googlen war auch das Problem gelöst: CD-Titel gruppieren und schon hört sich die gerippte Version so an wie die CD, inklusive samtweicher Übergänge. Dann das erste ausgiebige Probehören. Der Sound: ordentlich und mit anderen Kopfhörer sicher noch verbesserungsfähig. Die Bedienung: super und absolut jackentaschenkompatibel. Einmal in die Mitte drücken und los geht’s. Noch einmal drücken, dann ist Pause. Nach ein paar Minuten auf Pause schaltet das Ding ab. Vor, zurück, lauter, leiser: alles ertastbar. Das Gehäuse: kratzerresistentes, gebürstetes Aluminium. Und dann der praktische Clip mit dem man den Pod überall hinklemmen kann. Ich bin begeistert. Da verzeihe ich sogar die Bluescreens die mein Notebook immer dann zeigt, wenn ich direkt auf dem iPod die Reihenfolge der Titel ändern will. Oder ist das eine subtile Aufforderung auch gleich ein MacBook zu kaufen. Das geht dann doch zu weit…

Aufräumen!

Lieber Norbert Hansen,

es geisterte ja schon seit zwei Tagen durch die Presse: nicht nur dass dich die Bahn für deine Loyalität in Bezug auf die Bahnprivatisierung mit einem Job als Arbeitsdirektor bestochen hat. Nein, bei der Aussicht auf 1,5 Mio. € Jahresgehalt, hast du auch ganz schnell deinen Verstand und deine Moral bei Herr Mehdorn an der Pforte abgegeben. Es ist schon erstaunlich wie schnell du dich, als ehemaliger Gewerkschaftsvorsitzender, hast korrumpieren lassen und wie schnell und skrupellos du die Fronten gewechselt hast. Geschenkt! Wäre da nicht deine Ankündigung, möglichst schnell und viel Personal abzubauen (gab es nicht erst für kurzem ein Beschäftigungsgarantie für alle Mitarbeiter der Bahn bis 2018?) und dein Vorschlag, Lokführer könnten ja ruhig auch mal die Abteile aufräumen und bei kleineren Bahnhöfen mit anpacken.

Norbert, ich hätte da einen super Gegenvorschlag. Da man für dein Jahresgehalt ca. 100 Putzfrauen einstellen kann (ich hab’s nachgerechnet), so wäre es doch an Zeit, endlich auch in der Vorstandsetage den Rotstift anzusetzen. Als teurer Mitarbeiter ist es für dich sicher kein Problem, dein Büro zukünftig selber zu putzen. Aus Gründen der Solidarität könntest du dir das Putzen der sanitären Anlagen ja (WG-like) mit dem Hartmut und ein paar anderen Pappnasen teilen. Einen Putzplan zu erstellen solltest du ja gerade noch hinkriegen. Und sollte dich das irgendwie nicht wirklich auslasten, mein Schreibtisch – du weiß schon – der könnte auch mal wieder aufgeräumt und feucht abgeputzt werden. Aber bitte nicht mein Display mit so einem alten Feudel abwischen. Das gibt immer so hässliche Streifen.

Melde dich doch einfach. Ich sage dir dann, wann es mir am besten passt mit dem Putzen. Bis dahin…

Viel Spaß beim Putzen, wünscht dir

dein

Micha

Ein Selbstversuch

Ich hatte mir vorgenommen kein Auto mehr zu fahren, wenn der Benzinpreis die magisch Marke von 1,50 € übersteigt. Heute nun habe ich es getan. Ich war in der Stadt, habe mir einen Verbundpass für die hiesigen Verkehrsbetriebe machen lassen und gleich eine Monatsmarke gekauft. Übrigens war ich hellauf begeistert von der Abwicklung beim Kundenservice. Einfach den Personalausweis abgeben und nach 2 Minuten hält man den Nahverkehrspass in Händen. Das Bild und sämtliche Daten werden einfach vom Personalausweis eingescannt. Ich finde das äußerst innovativ. Kein Ausfüllen von Formulare, kein Warten, nicht mal unterschreiben muss man das Ding. Zu allem Überfluss kann man dann noch mit Visa zahlen.

Jetzt brauche ich nur noch einen coolen MP3 Player für die morgendliche Fahrt zur Arbeit. Ich liebäugele mit einem iPod Shuffle, da der mittlerweile die Endloswiedergabe  beherrscht. Endlich kann auch der iPod Alben, auf denen die Lieder ineinander übergehen (DJ-Kicks!), ohne Zwangspause wiedergeben. Wenn ich mir es recht überlege, dann ist eigentlich gerade das ein Grund keinen dieser überteuerten Winzlinge zukaufen.

Im Internet stand zu lesen, dass dies bei sämtlichen iPods bis zur letzten Generation nicht ging. Was für ein Manko für so ein teures Gerät! Und dann noch die Zwangsverpflichtung zum Füllen des Players ausschließlich iTunes verwenden zu müssen. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich von der Idee wieder ab. Die ganze Welt schreit nach Open Source, macht sich aber von einer Firma aus Cupertino und deren Software abhängig ohne zu maulen, nur weil Appleprodukte angeblich ein gewisses Kultpotential besitzen.

Es gibt übrigens noch einen Grund keinen iPod zu kaufen: George W. Bush hat auch so ein Ding. Offensichtlich hat es ihn nicht besonders inspiriert.

Die Rettung war der Dub

Wieder die gleiche morgendliche Situation: zur Belohnung für eine arbeitsreiche Woche sollte zumindest die morgendlich Fahrt ins Büro mit guter Musik unterlegt sein. Wieder mit dem Finger über die CDs im CD-Regal gefahren und bei DJ-Kicks von Thievery Corporation stehen geblieben. Irgendwie stehe ich zur Zeit auf 70 Minuten Sets aus der DJ-Kicks Serie. Thievery Corporation – eine echte Perle der Reihe. Rob Garza und Eric Hilton, das sind die beiden Köpfe die hinter dem Projekt stehen.

Thievery Corporation

Die Kicks-Scheibe ist eine Mischung aus dem, was man heute als Lounge bezeichnet, Brazil, Indische Sitar auf schnellen Beats und Dub. Bei jedem der 18 Tracks ist irgendwo ein Echo einer Flanger oder irgendetwas Düsteres zu hören. Das steht im Gegensatz zur eigentlich heiteren Grundstimmung der Scheibe. Um es kurz zu machen: alles ziemlich entspannt und unaufgeregt, nicht so rootsy wie die DJ-Kicks von Terranova, dafür aber edler. Eine echte Perle.

It takes a Thief!

The Return of LoFi

Ich erinnere mich noch genau an meinen ersten Plattenspieler. Er war aus dem Hause Dual und war so ein kleines, mit Kunstleder bezogenes Teil. Vorne hatte es einen Griff und den Lautsprecher konnte man auf das Gerät stecken und so beides komfortabel zur nächsten Party transportieren. Nun war ich damals noch nicht in dem Alter, um auf wilde Partys zu gehen. Mein Horizont erstreckte sich mehr auf Pumuckl Schallplatten (legendär: Alfred Pongratz als Meister Eder und Hans Clarin als abgespacter und völlig hysterischer Pumuckl). Der Plattenspieler war kleiner als der Durchmesser einer Schallplatte. Damit das wertvolle Vinyl nicht hoffnungslos verstaubt, musste man es also jedesmal wieder vorsichtig in die Hülle befördern.

Pumuckl

Das zweite Gerät war ebenfalls von Dual. Es hatte einen Mechanismus, der den Tonarm sanft auf die Platte hinuntersenkte und wenn der Arm zum Ende der Platte angekommen war, so fuhr das Abtastgerät wie von Zauberhand wieder in seine Ausgangsposition zurück. Das Gerät hatte einen eingebauten Verstärker und man konnte zwei Boxen anschließen, die einen mehr als ordentlichen Klang erzeugten. Als ich diesen Plattenspieler von meiner Mutter (oder war es mein Onkel?) erbte, hatte ich die Pumucklphase schon hinter mir gelassen. Meine Mutter hatte eine respektable Sammlung an Beatlesplatten und von meinen Onkel bekam ich ein Schallplattenalbum. Es bestand aus ungefähr 10 Platten von den Lords, den Shadows und zwei Liveplatten der Beach Boys.

Dual HS 39.jpg

Das Gerät war größer als der Durchmesser einer Schallplatte und es hatte eine Abdeckhaube aus durchsichtigem dunkelbraunen Kuststoff. Die Abdeckhaube konnte man nur als Ganzes auf den Spieler setzen, was ein ziemliches Gefummel war. War man zu hektisch, so erwischte man beim Aufsetzen den Tonarm und der schoss dann mit einem lustigen Bogen auf den Plattenteller oder die darauf liegende Platte. War der Plattenspieler noch eingeschaltet, so tönte aus den beiden Boxen, mehrfach verstärkt, die Leiden der malträtierten Abtastnadel und das kreischen des zerkratzten Vinyls.

Später kam dann das Zeitalter des mobilen Musikgenusses. Mein Vater schenkte mir zu meinem 14. Geburtstag einen Walkman. Es war keine original Walkman von Sony, sondern ein “Compact Cassettenabspielgerät” von der Firma elta. Es war etwas größer als sein Bruder von Sony und besaß ziemlich uncoole Kopfhörer mit orangefarbenen Schaumstoff über den Ohrmuscheln. Trotzdem liebe ich dieses Gerät. Um Geld zu sparen betrieb ich es mit Akkus die ich aus meinem ferngesteuerten Auto klaute. Egal wohin ich ging, das Gerät war immer dabei. Ich saß tage- und nächtelang vor meiner Marantz-Anlage und schnitt Musik aus dem Radio mit oder kopierte Platten auf Band. Der elta-Walkman hatte zwei Kopfhöreranschlüsse und so konnte ich Freunde einladen, an meinem Musikgenuss teilzuhaben. Voraussetzung war lediglich ein funktionierender Kopfhörer.

TDK SA-X 90

Der zweite Walkman war ein Gerät von Panasonic. Es besaß die Möglichkeit, Kassetten ohne umzudrehen abzuspielen. Diese Funktion nannte sich Auto-Reverse und war damals absolut State of the Art. Leider war das Gerät ziemlich groß und klobig. Und mit 18 hatte ich dann endlich einen original Sony Walkman. Da war die Ära der Musikkassette aber fast schon beendet. Fast zeitgleich dazu nannte ich einen der ersten portablen CD-Player mein Eigen. Diesen besitze ich heute noch. Er war, zumindest was den Sound anbelangte, ein regelrechter Quantensprung. Die vier Batterien die man für den mobilen Betrieb benötigte, hielten ca. 3 Stunden durch. Meist reichte es also nur für 2 1/2 CDs. Außerdem war das Gerät äußerst erschütterungsempfindlich. Einmal die Schultasche mit zu viel Schwung auf den Sitz der S-Bahn geknallt, schon war der Musikgenuss für mehrere Sekunden unterbrochen.

Der Klang des Geräts jedoch war aber eine Klasse für sich. Es hatte zwar keinen Equalizer aber einen Schieberegler, mit dem man den Bass anheben konnte. Da Kopfhörer für den mobilen Einsatz zu einer gewissen Baßarmut neigen, hatte man auf diese Art und weise einen wirklich fast perfekten Sound.

Alle diese Geräte hatten eines gemein: mit (rückblickend gesehen) einfachen Mitteln bekam man ordentlich was auf die Ohren. Selbst meine Walkmänner hatten ordentlichen Sound, sieht man vom obligatorischen Rauschen der Compact-Cassetten einmal ab. Seit einiger Zeit nun scheint sich ein neuer Trend breit zu machen: LoFi für alle. Richtig bewusst geworden ist mir diese Tatsache eigentlich erst gestern, beim ersten Freibadbesuch dieses Jahres. Von links ertönte plötzlich Rock aus einem, mit voller Lautstärke plärrenden, Handy. Als Alternativprogramm hörte eine Gruppe jugendlicher, die rechts von mir lagen, HipHop der Sorte “Buh, ich bin der böse Mann!”. Diese Kakophonie traf sich genau an meinen Liegeplatz und gab sich dort ein lärmendes Stelldichein. Das Schlimme war nicht aber eigentlich nicht die Musik oder deren Verschmelzung direkt über meinem Liegeplatz. Nervig war dieser quäkige, verzerrte Handysound aus beiden Richtungen. Selbst mein allererstes Transistorradio, das ich mir auf den Gepäckträger meines Kinderfahrrads schnallte, hatte einen besseren Sound als das LoFi Geplärre aus den Handys der beiden Freibadgangs.

“Warum eigentlich noch viel Geld in teuere Endstufen und Lautsprechertürme investieren?” schoss es mir durch den Kopf. Meine nächste Anlage wird aus einem Handy bestehen, welches ich in die Mitte unseres Wohnzimmers legen werde. Voll aufgedreht dudelt es dann den ganzen Tag MP3s mit 96 kbit. Auch die Anschaffung von Kopfhörern kann ich mir sparen. Zukünftig kann ich meine Anlage mit wenige Handgriffen überall mit hin nehmen. Ich freue mich schon auf die erste Beschallung eines überfüllten Stadtbahnwagens mit Frank Zappa oder DJ Kicks und auf die erste Battle gegen ein Agro-Pop oder jemenitische Leiermusik brüllendes Handy.

Vergesst HiFi und vierzig Jahre Entwicklungsarbeit der Hersteller audiophiler high-end Klangerzeuger. Die wahre Revolution kommt wie immer von unten. Sie heißt LoFi.

7,2 abroad

Gestern, beim Freigeben eines Kommentars, fiel mir auf, dass das verlinkte Bild, welches die Strecke des Stuttgartlaufs anzeigt, nicht mehr geladen wird. Nichts tragisches. Kurz nachschauen wo der Webmaster der Site stuttgarter-zeitung-lauf.de sein Bild hingeschoben hatte, Link aktualisieren und schon kann jeder meine Laufstrecke bewundern. Leider war die URL nicht erreichbar. Wartungsarbeiten? Probleme mit dem Server? Da die Veranstaltung ja von der Stuttgarter Zeitung gesponsort wird, war das mehr als merkwürdig.

Kurz eine Anfrage bei denic.de gestellt und da die böse Überraschung: die Domain stuttgarter-zeitung-lauf.de war plötzlich auf eine Firma registriert, die Ihren Sitz auf den Kaimaninseln (Cayman Islands) hatte. Hurra, dann findet der Stuttgartlauf also in der Karibik statt. Ich war begeistert und schaute schon nach einem Flug für meine Freundin und mich. Da das Portal von Lufthansa mich standhaft nach Kairo und nicht auf die Kaimaninseln schicken wollte, gab ich irgendwann auf und beschloss den Rest des Tages im Freibad zu verbringen, um mir schon einmal eine gewisse Grundbräune für meinen Lauf auf den Kaimaninseln zuzulegen.

Als ich später noch einmal per Handy auf die Seite zugriff, war sie wieder online und ich musste (sehr zu meiner Enttäuschung) feststellen, dass der Lauf nun doch wie geplant in Stuttgart und nicht auf den Kaimaninseln stattfindet. Der Denic-Eintrag lautet nun auf den Württembergischen Leichtathletik-Verband. Schon alleine der Namen klingt nach Schweiß und Training.