Hurra, ich habe es geschafft. Nachdem ich vor ziemlich genau 10 Wochen (ich muss es einfach immer wieder erwähnen) angefangen habe zu Laufen, habe ich als Krönung des ganzen auch den Stuttgarter Zeitung-Lauf, auf den hin wir ja trainierte haben, am Sonntag gut überstanden. Und das bei fast subtropischen Temperaturen. Hier nund die Chronolgie der Ereignisse:
Nach einer wirklich guten Nacht und einem leichten Frühstück, machte ich mich um kurz nach halb zehn auf den Weg in Richtung Hans-Martin-Schleyerhalle. Meine Freundin hatte mir eine Verbindung mit der Stadt- und anschließend mit der S-Bahn herausgesucht und so war ich pünktlich um 20 Minuten nach 10 Uhr an der Kleideraufbewahrung im P1 gegenüber des Gottlieb-Daimler-Stadions. Alles war super organisiert und ich meines Rucksacks bei der Kleideraufbewahrung schnell entledigt. Problematische war das Auffinden meiner Gruppe. Irgendwie hatte ich im Kopf, dass wir uns um 10:30 Uhr vor dem Infostand vor der Schleyer Halle treffen sollten. Das Problem an der Sache: es gab vor der Halle keinen Infostand. Nach einigen Minuten entdeckte ich aber zwei Mitläuferinnen aus meiner Gruppe die mich dann in die Halle schickten. Dort traf ich dann auch endlich Gudrun und Harald, unsere beiden Betreuer.
Es wurde immer heißer und heißer und ein weiterer Betreuer vom TF Feuerbach sagt uns, der Start würde sich um ca. eine halbe Stunde verzögern. Also drückten wir uns noch ein wenig in der recht stickigen Halle herum und gingen um 20 Minuten vor 12:00 Uhr in den Startbereich. Irgendwie war es nicht mein Tag. In meinem Magen rumorte es und ich fühlte mich einfach nicht fit. Lag es an der Aufregung? Oder doch eher an der Tatsache, dass ich die zwei Wochen vor dem Lauf nicht mit der Gruppe trainieren konnte? Das war jetzt egal, ich wollte den Lauf unbedingt hinter mich bringen. Es war ja schließlich der Abschluss und das Ziel des zehnwöchigen Vorbereitungskurses.
Um kurz nach 12:00 Uhr dann der Start. Ich lief mit Gundrun, unserer Betreuerin, Eva und Dana. Wir vereinbarten, es erst einmal langsam angehen zu lassen. Sollte mir das Tempo später zu langsam werden, dann sollte ich einfach meine eigene Geschwindigkeit laufen und mich von der Gruppe lösen. Es war brüllend heiß und schon nach dem ersten Kilometer überholten wir die ersten langsameren und gehenden Läufer – schlecht für den Rythmus. Die ersten 2 Kilometer ging es in der prallen Sonne über die Mercedes- und die Benzstraße Richtung Untertürkheim. Es gab so gut wie keinen Schatten auf diesem Teil der Strecke. Vereinzelt, ganz links, spendete der Bahndamm etwas Schutz vor der Sonne. Das nutzten aber so viele Läufer aus, dass wir uns nicht auch noch dazu gesellen wollten.
Nach etwas mehr als 2 km dann die scharfe Kehre in die Augsburger Straße und der Weg zurück Richtung Bad Cannstatt. Noch fühlte ich mich gut, das Laufen wurde aber immer schwieriger, da immer mehr meiner Laufleidensgenossen vom Laufen zum Walken übergingen und sich die Straße zusehends in ein Meer aus leeren Plastikbechern und Schwämmen verwandelte. Die Abzweigung nach Luginsland rechts liegen gelassen ging es zur ersten Verpflegungsstelle. Ich konzentrierte mich auf das Laufen, Ausweichen und darauf nun doch wenigstens ein klein wenig Schatten zu erhaschen. Ich hatte mir kein direktes Ziel für die 8 km gesetzt. Alles unter einer Stunde wäre super. Ich wollte nur ankommen, egal wie.
Kurz vor der ersten Verpflegungsstelle sagte dann Gudrun, ich solle alleine weiterlaufen. Eva und Dana ging es in dem Moment nicht so gut und am Straßenrand wurden vom Roten Kreuz die ersten Hitzeopfer behandelt. Bei der Wasserausgabe nahm ich mir einen Becher Wasser. Gar nicht so einfach im Laufen auf einem Becher zu trinken. Ich trank die Hälfte, die andere Hälfte schüttete ich mir über den Kopf und über einen Schwamm den die Organisatoren vorher ausgegeben hatten. So langsam kam ich an meine Grenzen. Es war nicht die Kondition, es war einfach die Hitze die mir mehr und mehr zusetzte.
Dann kam der ersten leichte Anstieg richtung Deckerstraße. In den Moment wünschte ich mir den Wald in dem wir trainiert hatten. Auch bei über 30°C war es dort angenehm kühl und vor allem schattig. Eine Fee solle doch bitte vorbeikommen. Es reicht wenn sie mir nur einen Wunsch erfüllt: Schatten! Glücklicherweise wird besagte Deckerstraße im Cannstatter Teil von Bäumen gesäumt. Endlich der ersehnte Schatten. Leider wurde das Laufen immer schwieriger. Da immer mehr Krankenwagen unterwegs waren, sperrten Helfer auf Höhe des Kilometers 5 die Straße, damit die Sanitäter schneller zu den Hitzeopfern kamen. Alle Läufer wurden auf den Bürgersteig geleitet. Rythmus und Laufen ade. Nun meldete sich auch mein Kreislauf. Ich wusste, würde ich weiterlaufen, so wäre ich auch ein Fall für den Sanka. Außerdem machte sich langsam eine leichte Übelkeit bei mir breit.
Von km 5 bis km 6 schlug ich also ein schnelles Gehtempo ein. Vielleicht hatten sich ja Dana und Eva wieder so weit erholt, dass sie mich einholten. Mit ihnen würde ich dann bis zum Schluss laufen. Es ging durch Bad Cannstatt. Dort saßen die Anwohner und feuerten uns an. Einige reichten Getränke und spritzten die Läufer mit Gartenschläuchen ab. Ich bat einen der Anwohner mich von oben bis unten nass zu spritzen. Das tat er auch mit Vergnügen und merkte mit einer gewissen Freude noch an, nun könne er endlich mal ohne schlechtes Gewissen andere Leute nassmachen. Wenn er gewusst hätte wie gut die kurze Dusche getan hat! Joachim überholte mich kurz vor der zweiten Verpflegungsstelle in der Alten Untertürkheimer Straße. Er fragte ob alles in Ordnung sei und bot mir einen Drink aus seinem Wassergürtel an. Ich nahm einen Schluck und sagte ihm alles sei OK. So gestärkt konnte es nur noch aufwärts gehen.
Dann die zweite Verpflegungsstelle. Zwei Becher Wasser (einer zum Trinken und einer über den Kopf) und den Schwamm noch einmal gründlich nass gemacht. Es standen nun immer mehr Zuschauer an der Strecke die uns anfeuerten. Ganze Musikkapellen gaben ihr bestes um auch noch den letzten Läufer ins Ziel zu blasen. Leider handelte es sich teilweise um sogenannte “Guggenmusik”. Das bedarf für Nichtschwaben sicher näher Erläuterung ist aber im Ergebnis so schrecklich, dass ich kurz nach km 6 wieder in einen leichten Trab verfiel. Kurz zuvor hatte ich eine nette Begegnung mit einem Läufer der in einem komplett weißen Dress lief. Er hatte genau so zu kämpfen wie ich, war aber noch am Laufen und nicht am Gehen. Wir wechselten ein paar Wort (Solidarität unter Hitzegeschädigten) und wünschten uns beide gegenseitig, dass wir gut ins Ziel kommen. Auf Höhe des Mercedes-Benz-Museums (mittlerweile wieder fast in meinem gewohnten Lauftempo) holte ich ihn dann wieder ein.
Wir grinsten uns an, wechselten noch ein paar Worte und liefen getrennt weiter. Nun waren schon alle 100 Meter kleine gelbe Schilder zu sehen, die die verbleibende Distanz bis zum Zieleinlauf zeigten. Noch einen Kilometer noch einmal alles geben. Kurz vor dem Einlauf ins Daimler Stadion standen meine Freundin und mein Vater, der extra aus Kempten angereist war um mich anzufeuern, am Streckenrand. Es hätte keine größere Motivation geben könnten. Ich rannte zu den beiden hin, klatschte sie ab und setzte zum Schlussspurt an. Ab durchs Marathon-Tor (sehr enttäuschend, nur eine kahle Betonröhre die unter den Sitzreihen ins Stadion führt) auf die Tartanbahn und nach einer viertel Runde dann der Zieleinlauf.
Geschafft! Hurra! Die Hitze hatte mich nicht besiegt! Direkt hinterm Zieleinlauf standen ein paar Jungs mit einem Wasserschlauch in der Hand. Auch hier noch einmal eine kurze Dusche, anschließend die Medallie abgeholt und einmal quer über den Rasen getrottet den sonst nur die Kicker des VfB und die jeweils gegnerische Mannschaft betreten dürfen. Langsam ging ich aus dem Stadion und genoß den Augenblick. Als ich endlich aus dem Stadion raus war suchte ich meine Freundin und meinen Vater. Die hatten sich aber offensichtlich schon auf den Weg nach Hause gemacht. Also holte ich meinen Rucksack, gab meinen Chip zur Zeitmessung ab und fuhr ebenfalls nach Hause.
Als ich am nächsten Tag im Internet nach meiner Zeit und meiner Platzierung schaute stelle ich fest, dass meine beiden Mitläuferinnen Dana und Eva nicht in die Wertung gekommen sind. Wahrscheinlich sind sie ausgestiegen. Ich hoffe aber trotzdem, dass es ihnen gut geht und dass beide die Hitzeschlacht gut überstanden haben. Heute um 18:00 Uhr ist wieder Lauftreff, da werde ich es sicher erfahren.
In diesem Sinne: bis zum nächsten Jahr beim Stuttgart Lauf. Dann hoffentlich bei angenehmeren Bedingungen.
Ganz zum Schluss noch ein kleines Bormot: während des Laufs riefen wild fremde Leute die mich anfeuerten meine Namen. Zunächst dachte ich an die Hitze oder an einen Namensvetter vor oder hinter mir. Als ich nach dem Zieleinlauf, bei der Kleideraufbewahrung, meine Startnummer vom Trikot löste, wusste ich auch warum: unter der Startnummer stand mein Vorname. Es war also nicht die Hitze.