Leidenswege

It’s more fun to compute!

Der wöchentliche Neustart unserer Serverlandschaft hielt diesmal eine ganz besondere Überraschung parat: unser SQL Server meldet nach einiger Bedenkzeit, dass ein Dienst nicht gestartet werden könne. Kein Problem, in letzter Zeit verweigerte die SQL-Volltextindizierung ab und an den Start. Beim Blick in die Diensteverwaltung des Servers dann aber die Erkenntnis, dass sich der Dienst sqlserv.exe ebenfalls nicht gestartet hatte. Im Ereignisprotololl war dann folgende aussagekräftige Fehlermeldung zu lesen:

Nun sah ich mich im Geiste schon den SQL-Server neu aufsetzen, sämtliche Datenbanken zurücksichern und am Montag das Telefonkabel aus der Wand reißen. Den angekündigte sonnigen Sonntag würde ich mit eine Installations- und Konfigurationsorgie vor meinem Rechner verbringen. Ich überlegte, welche Datenbanken auf der Maschine liefen und wie kritisch es wohl wäre, wenn diese am Montag Morgen nicht zur Verfügung stehen würden. Der Sonntag schien gelaufen, denn wenn unser Kassensystem nicht spätestens um 08:00 Uhr einsatzbereit war, können wir alle Kunden gleich wieder nach Hause schicken. Mist!

Aber halt! Bei genauerem Lesen des Eintrags im Eventlog stand ja, dass nur die Datenbank ‘model‘ einen Schuss abbekommen hat. Ich wusste, dass die eigentlich nur als Vorlage (neben der ‘master‘-DB) beim Neuanlegen von SQL-Datenbanken verwendet wird. Als Systemdatenbank ist der SQL-Server aber der Meinung, er könne sich nicht starten wenn diese DB einen Treffer erhalten hätte. Microsoft Logik.

Eine Rücksicherung aus der Datensicherung schied aus. Die braucht nämlich den funktionsfähigen SQL-Server dienst. In irgendeiner CAB-Datei auf der Maschine, fand ich aber noch die bei der Installation des SQL-Servers verwendeten Dateien model.mdf und model.ldf. Die beiden Files extrahiert und ins data-Verzeichnis des maroden Servers kopiert. Viola! SQL-Server up, sunny sunday on its way.

Politikerclowns

Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Bei manchen Politikern scheint an besagtem Tag auch endgültig das Ende der Vernunft erreicht zu sein. Nehmen wir den FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle. Beim politischen Aschermittwoch seiner Partei in Passau, hielt er ein flammendes Plädoyer für die soziale Marktwirtschaft: “Erhalten wir die soziale Marktwirtschaft, oder werden wir zu einer DDR light? Ich bin für die soziale Marktwirtschaft!”

Lieber Guido, es ist ja schön, dass du dich so sehr für den freien Markt und gegen staatliche Eingriffe ins Wirtschaftsgefüge engagierst. Bis jetzt hat die freie Marktwirtschaft ja super funktioniert. Opel: kurz vor der Pleite, Schiesser: Insolvenz angemeldet, Märklin: ebenfalls insolvent, Daimler: Milliardenverluste durch den Absatzeinbruch im Automarkt und durch die missglückte Übernahme von Chrysler. Die Liste ließe sich sicher noch ewig weiterführen. Dämmert dir da was? Schon die Milliardenversenker in den Vorstandsetagen deutscher Banken haben ja in erschreckender Weise aufgezeigt, dass ein deregulierter Markt über kurz oder lang völlig außer Kontrolle gerät.

Der Staat hat hier völlig versagt. Es wäre seine Aufgabe gewesen diese gigantischen Fehlentwicklungen schon im Ansatz zu unterbinden. Leider gibt es aber Lobbyparteien wie die FDP, die mit großem Eifer versuchen jeglichen staatlichen Eingriff zu verhindern. Bei der Gelegenheit würde mich dann auch gleich interessieren, warum die FDP im Bundestag eigentlich gegen das Konjunkturpaktet II gestimmt hat, im Bundesrat aber dafür? Dafür stifte ich einen neuen Preis: den goldenen Opportunisten. Der Gewinner, in dem Falle du lieber Guido, darf dann einen Tag lang mit frustrierten Opelarbeitern am Band stehen. Falls das unter deinem Niveau ist, dann darfst du wahlweise den Jahresbericht der Deutschen Bank beim nächsten Aschermittwoch vorlesen. Einverstanden?

Die fetten Jahre sind vorbei

Freunde der Finanzkrise,

leider kommt ja niemand ums Thema Finanzkrise herum. Was juckt es mich? Das Benzin ist billig, die Zinsen auf mein Konto, egal ob im Plus oder im Minus, werden auch nicht mehr. Eigentlich könnte mir der ganze Mist, das tägliche DAX, TECDAX ist wieder unter irgendeine historische Marke gefallen und der tägliche Steinbrück ziemlich egal sein.

Doch beim Lesen der Zeitungen bleibt ein schales Gefühl zurück. Die Hypo Real Estate: ein mit Milliarden vollgepumpter Schrotthaufen von einer Bank. Im Zuge der geplanten Verstaatlichung verhandelt die Bundesregierung mit den verbliebenen Großaktionären über einen Rückkauf derer Anteile. Drei Euro pro Aktie sind wohl die Verhandlungsbasis. Im heute-journal sagte dazu ein Banker, die ganze Bank sei wohl nur noch drei Euro wert. Die Ursache für die Probleme liegen schlicht darin, dass der Refinanzierungsbedarf der HRE zum Großteil mit kurzfristigen Krediten gedeckt wurde. So konnte auf fallende Zinsen spekuliert werden. Als es plötzlich keine Kredite mehr gab, geriet dieses ganze Konstrukt dann ins Wanken.

Liebe Manager der HRE, für drei Euro kaufe ich euch euere Bank ab, kassiere ein paar Milliarden aus dem Rettungsfonds und setze mich dann in die Karibik ab. Falls ihr meine Adresse haben wollt, schreibt mir einfach einen Kommentar. Ich melde mich dann nach 18:00 Uhr. Die Depfa könnte ihr aber behalten oder vorher wieder ausgliedern. Mich interessieren nur die Sahnestücke.

Dann das Theater der im Strudel der Finanzkrise ins Trudeln geratenen Automobilindustrie und deren Zulieferer. An Dreistigkeit nicht mehr zu überbieten das Gebaren von Scheffler. Zunächst die Übernahme von Continental und plötzlich ein Finanzbedarf von ca. drei Mrd. Euro die nirgendwo mehr aufzutreiben sind. Mir kommt das so vor als würde ich mir Rolls Royce Phantom kaufen, natürlich auf Pump, nur um hinterher festzustellen, dass meine Bank kalte Füße bekommt und mir den notwendigen Kredit nicht gibt. Letzte Hilfe, so wohl auch die Logik der Oberen bei Scheffler, wäre dann die Agentur für Arbeit. Die würden über den vollen Betrag bürgen. Könnte ja sein, dass ich Privatinsolvenz anmelden muss, meinen Job verliere und dass dann alles viel mehr Geld kosten würde. Mit Hartz IV und meinem Phantom könnte ich ein (fast) sorgenfreies Leben führen. Zahlen müssten dass dann natürlich der Steuerzahler -pardon- die Solidargemeinschaft.

Auf die Idee mich persönlich dafür haftbar zu machen, da ich ja etwas erworben habe, was ich mir eigentlich gar nicht leisten konnte, würde aber sicher niemand kommen. Immerhin habe ich ja ein paar englischen Nähern, die den Bezug fürs Lederlenkrad genäht haben, für ca. einen halben Tag ihren Arbeitsplatz gerettet.

In diesem Sinne will ich gleich mit meiner Bestellung beginnen: www.rolls-roycemotorcars.com. Aber irgendwie ist der Phantom doch ziemlich prollig. Understatement geht anders. Da zünde ich mir doch lieber mit einem 100 Euro-Schein eine Zigarre an. Mein Dispo wird’s schon richten. Und wenn nicht der, dann doch Vater Staat oder die soziale Marktwirtschaft.

Money, get away.
Get a good job with good pay and youre okay.
Money, its a gas.
Grab that cash with both hands and make a stash.
New car, caviar, four star daydream,
Think Ill buy me a football team.

Money, get back.
Im all right jack keep your hands off of my stack.
Money, its a hit.
Dont give me that do goody good bullshit.
Im in the high-fidelity first class traveling set
And I think I need a lear jet.

Money, its a crime.
Share it fairly but dont take a slice of my pie.
Money, so they say
Is the root of all evil today.
But if you ask for a raise its no surprise that theyre
Giving none away.

Echoes

Ahhhh! Was für ein Samstagabend auf der Couch. Irgendwann bei der Echo Preisverleihung hängen geblieben, dem morituri te salutant der deutschen Musikindustrie. Handyschleimer Paul Potts neben irgend einenem Schlagersternchen dem Bruce Darnell gleich zwei Echos in die Hand drückte. Langweilige neue Songs von U2 und Depeche Mode und dazu noch die lebende Mumie Udo Lindenberg der, immerhin 17 Jahre nach dem Echo für sein Lebenswerk, den Preis als “bester Künstler national” einheimste. Immerhin: die Dankesrede von uns Udo war, im Vergleich zum Gestammel der meisten anderen Protagonisten (Moderatoren eingeschlossen), ein echtes Highlight.

Glücklicherweise versäumte ich die Übergabe des Echos in der Kategorie Volkstümliche Musik nicht, den die Kastelruhter Spatzen gewannen. Obwohl ich den Preis dann doch eher Captain Cook und seinen swingenden Saxophonen gegönnt hätte. Eigentlich hätte Michael Mittermeier gar nicht auftreten müssen, denn schon vorher war klar, dass es sich um eine Satieresendung mit realem Hintergrund handelt. Kein Wunder, wenn den Schrott niemand mehr kauft.

Noch habe ich aber nicht alle Hoffnung verloren: Peter Fox hat auch 3 Echos bekommen. Wie der sich wohl neben Hansi Hinterseer gefühlt hat?