Kommunikationslos

Ja, ich habe so ein Ding. Andere haben einen Porsche, ein MacBook Air, eine Yacht oder eine Villa – ich habe einen BlackBerry. Ich werde mich hier jetzt nicht rechtfertigen, werde nicht schreiben, dass sämtliche (sofortige Intervention erforderliche machende) Servermeldungen auf dem Gerät aufschlagen und was für ein tolles Gefühl es ist, in der Stadtbahn zu sitzen und E-Mailschreibend die neidischen Blicke der Normalhandybesitzer auf sich zu ziehen. Eigentlich ist das ziemlich ökonomisch. Andere brauchen dafür ein mindestens 40 Jahre altes Auto, einen Rolls Royce oder ähnlich dekadentes Spielzeug.

Ich dagegen, ich hab meinen BlackBerry. Bei jedem vibrieren ziehe ich mit einem lockeren Schwung (BlackBerry-Move) das Geräte aus meiner Jackentasche und setze diesen coolwichtigen Blick auf. Welt, schau her! Ich bin so wichtig, dass ich meine E-Mails, Terminanfragen und Aufgaben sogar im öffentlichen Verkehrsmittel meiner Wahl bekommen. Ob das dann lärmende Schüler oder genervte Mütter mit mindestens 3 Kleinkindern und einem Kinderwagen wirklich beeindruckt, sei jetzt mal dahin gestellt. Ich weiß schon warum ich eigentlich lieber mit dem Auto fahre. Das gemeine Volk weiß das einfach nicht zu schätzen. Pah!

Eigentlich habe ich mein Smartphone übers Wochenende ausgeschaltet. Meistens zumindest. Als BlackBerry Besitzer findet nämlich eine Art pawlowsche Konditionierung statt. Bei jedem Anzeichen einer eingehenden E-Mail wächst eine innere Unruhe, die nur durch einen sofortigen Blick auf das Display verschwindet. Das sind keine guten Voraussetzungen für ein entspanntes Wochenende. Heute nun der Super-GAU. Eigentlich wollte ich das Gerät nur an einen anderen, weniger störenden, Platz legen. Also doch kurz angeschaltet – die Neugier hat gesiegt. Doch oh Schreck! Was ist das? Eine Whitescreen mit der lakonischen Meldung App Error 200! Jeder Neustart endet immer wieder mit der gleichen Meldung! Ein Alptraum. Nun bin ich ein Kommunikationsinvalide – zumindest bis mir T-Systems ein Tauschgerät schickt.

Ghetto Palms

Liebe Landschaftsgärtner,

gestern habe ich einen Bericht über Detroit, besser gesagt über den Niedergang der ehemaligen Motor City, in der Glotze gesehen. Eigentlich ist es erschreckend: In der elftgrößten Stadt der USA beziehen ein Drittel der Einwohner Sozialhilfe, drei Viertel aller Kinder haben keinen Schulabschluss und das öffentliche und kulturelle Leben ist zusammengebrochen. Es ist eine Gespensterstadt, eine Kapitale des Kapitalismus der sich selbst gefressen hat.

Aber es besteht noch Hoffnung. Der Hoffnungsbringer heißt Ailanthus altissima und wird in Detroit ganz pragmatisch Ghetto Palm genannt. Es handelt sich um einen aus China eingeführten strauchartigen Baum, der sich, da er völlig unempfindlich gegen Abgase, Lufterschmutzung und sonstigen Grünstress ist, in Windeseile dort breitmacht wo sich der Mensch zurückzieht. Er wächst in verfallenen Häusern, Industrieruinen, auf Brachflächen und das alles ohne dass ihn jemand gepflanzt hätte.  Da es sich um sehr schnell wachsendes Gehölz handelt, gibt es mittlerweile sogar schon Ansätze ihn wirtschaftlich zu nutzen.

Ein in Detroiter Künstler etwa fertigt aus dem Holz der Ailanthus altissima Bänke, die er sogar schon an ein holländisches Museum verkauft hat. Da fallen mir spontan ein paar Plätze ein, denen ein paar Ghetto Palms gut zu Gesicht stehen würden: die neue Messe in Stuttgart, das Stuttgart 21 Areal, der Frankfurter Flughafen, das 40 Jahre alte Gebäude in dem ich arbeite, der Potsdammer Platz, die scheußlichen Einkaufs- und Vergnügungszentren an der Playa del Inglés auf Gran Canaria, das Reichstagsgelände in Nürnberg, die Walhalla usw.

“Die Natur sucht sich Ihren weg” Dr. Ian Malcolm in Jurassic Park

Logik

Der Papst behauptet, die Benutzung von Kondomen würde das AIDS-Problem verschlimmern.

Klar! Dem hätte ich auch ein paar logische Thesen entgegenzusetzen:

  • der Besuch einer Schule fördert den Analphabetismus
  • Rasen auf der Autobahn verhindert Unfälle und spart Benzin
  • Politiker sind immer ehrlich
  • Fasten macht dick
  • die Erde ist eine Scheibe und deshalb falle ich herunter wenn ich zu weit aufs Meer hinausfahre
  • der Mensch stammt nicht vom Affen ab
  • der Krieg im Irak hat für Frieden im Nahen Osten gesorgt
  • die Sprache ist ein Virus aus dem Weltall

I predict a riot

Babylon KB960225

Freunde der automatischen Übersetzung. Bei meinen Nachforschungen, was das heute von unserem WSUS-Server auf allen Rechner injizierte Update bewirkt, bin ich auf folgende sehr aussagekräftige Beschreibung gestoßen:

Überschrift: MS09-007: Sicherheitsanfa?lligkeit in SChannel kann Spoofing-Angriff es ermo?glichen

Aha! Beim lesen der Beschreibung war dann wirklich die letzte Unklarheit beseitigt. Und falls etwas daneben laufen sollte dann war ich mir sicher, dass ich kompetente Hilfe bekommen würde:

Wie Erhalten von Hilfe und Unterstu?tzung nach diesem Sicherheitsupdate

Unterstu?tzung von kostenlose ist fu?r private Benutzer verfu?gbar, indem 1-866-PCSAFETY in dem USA und Kanada aufruft oder sich an Ihre o?rtliche Microsoft-Niederlassung wendet. Findet mehreres Weitere Informationen u?ber das Wenden an Ihre o?rtliche Microsoft-Niederlassung fu?r Supportprobleme mit Sicherheitsupdates auf der Website Microsoft International Support Web.

Fall noch Zweifel bestehen, das Original ist zu sein gefunden hier: http://support.microsoft.com/kb/960225

Steuer

An alle Steuererklärer,

nun habe ich mich doch überwunden und am Wochenende meine Steuererklärung gemacht. Ich gebe zu: ich hasse es, die Steuer zu machen. Werbungskosten, sonstige Ausgaben, Pauschbetrag. Sind die paar Euro für die private Altersvorsorge nun zu 88% absetzbar, weil die Police ein Kapitalwahlrecht beinhaltet, oder nicht? Unterschiedliche Angaben meiner Lieblingssteuerprogramme sorgen zusätzlich für schlechte Stimmung. Das Ergebnis leider auch. Für knapp 40 Euro Rückerstattung das ganze Wochenende mit Sortieren, Suchen und ELSTERformularausfüllen verbracht.

Und dann noch die Panne mit der Signaturdatei für die elektronische Übermittlung. Also ohne Signatur übermitteln und die komprimierte Steuererklärung mit “Telenummer” (das heißt wirklich so – da kommt mir irgendwie das Winke-Winke der Teletubbis in den Sinn) per Post ans Finanzamt geschickt. Das deutsche Steuerrecht und das ganze Drumherum wurde sicher von Leuten entwickelt die im Mittelalter an der Inquisition teilgenommen hätten.

Erschwerend kommt hinzu, dass in meinem Ablagesystem nach dem Zufallsprinzip funktioniert. Check this:

In diesem Sinne: Tinky-Winky!