Die Westerwelle

Irgendwie wird er zu meinem Lieblingsfeind. Er macht es mir -und allen anderen- aber auch einfach, der Herr Westerwelle. Guido Westerwelle sagt, er fände es “geradezu skandalös”, dass ein verheiratete Kellnerin mit zwei Kindern 109 € im Monat weniger zur Verfügung habe, als wenn Sie Hartz IV beziehen würde. Daraus leitet er nun ab, dass eine Neustart des Sozialstaates notwendig sei.

Richtig; es ist skandalös, wenn man mit seinem Einkommen unter dem Hartz IV-Satz liegt. Skandalös daran ist dabei aber nicht die Höhe des Hartz IV-Satzes, sonder vielmehr die Tatsache, dass Arbeit so schlecht bezahlt wird. Ich habe kürzlich im TV ein Interview mit Wolfgang Grupp gesehen. Grupp ist Geschäftsführer der Trigema GmbH & Co. KG. Eigentlich war mir Grupp bisher nur aus dem lächerlichen Werbespot mit dem Affen bekannt. Seinen affektierten Auftritt darin fand ich ziemlich dämlich. In den Interview sagte er nun, dass es nicht sein könne, dass man 8 Stunden und mehr am Tag über die Arbeitskraft eines Mitarbeiter verfüge, der aber nicht von seinem Job leben könne. Weiter sagte er, er schäme sich für alle seiner Managerkollegen, die Mitarbeiter nur noch als Masse sähen, über die man nach belieben verfügen könne und die potentiell optimierbar sei.

Chapeau, Herr Grupp! Diese Einstellung sollten sich all diejenigen dick hinter die Ohren schreiben, die einerseits über vermeintlich zu hohe Hartz IV-Sätze lamentieren, andererseits aber den hemmungslosen Wirtschaftsliberalismus propagieren, der ja genau zu solchen Fehlentwicklungen führt. Aber ein nach B 11 besoldeter Bundesminister macht sicher keine Gedanken darüber, ob man von einem Stundenlohn zwischen 6 und 7 € überhaupt leben kann.

Die FDP entlarvt sich bei der ganzen Diskussion. Sie ist keine liberale Partei mehr sondern wird immer mehr zu einem Sammelbecken für alle Neocons. Bald hat sie es auch noch geschafft die Union rechts zu überholen. Aber wer einen Möllemann jahrelang in seinen Reihen duldet, bei dem ist das auch nicht weiter verwunderlich.

‘tschuldigung, liebe Bank

Heute geschah auf meiner Bank unglaubliches. Nichtsahnend betrat ich die Filiale meines Vertrauens um Geld vom EC-Automaten abzuheben. Soweit alles in Ordnung bis auf diese Meldung ganz am Ende des Abhebevorgangs. “Ihre EC-Karte wurde automatisch aktualisiert. Sollten Sie in der Vergangenheit Probleme mit Ihrer Karte gehabt haben, so bitten wir dies zu entschuldigen!”

Im ersten Moment dacht ich, man hätte mein Karte eingezogen. So leer war das Konto aber gar nicht. Das konnte also gar nicht sein. Dann dachte ich an eine Skimming-Attacke, und dass ich jetzt dazu aufgefordert werden würde meine PIN-Nummer noch einmal einzugeben. Im Geiste ließ ich die Karte schon sperren und versuchte mich krampfhaft an die zentrale Telefonnummer zu erinnern, unter der man den Missbrauch melden konnte.

Aber nun das: Meine Bank entschuldig sich bei mir? Liebe Bank, das hättest du gar nicht tun müssen. Zum einen hat meiner Karte an allen Bezahlstellen und mit allen Terminals immer klaglos funktioniert. Sogar Neujahr in Österreich versagte sie nicht ihren Dienst. Und eigentlich muss ich mich bei dir entschuldigen. Entschuldigung also dafür, dass mein Konto nicht immer so reich gefüllt ist, wie das deiner Vorstände und Aufsichtsräte. Entschuldigung auch dafür, dass ich eine deiner Mitarbeiterinnen so blöd am Telefon angemacht habe, als du mir vor ein paar Jahren zwei EC-Karten hintereinander geschickt hast, von der keine funktionierte. Ah, und dann natürlich auch noch entschuldigung dafür, dass ich ca. einmal im Jahr einen deiner Schalter aufsuche um Geld bar (!) einzuzahlen, einen Scheck einzulösen oder sonst irgendeine Dienstleistung in Anspruch nehme. Die Mienen deiner Mitarbeiter verraten mir sofort was von soviel Dreistigkeit zu halten ist.

Ich gelobe Besserung und werde versuchen in Zukunft wirklich alles online abzuwickeln. Liebe Bank, bitte entschuldige!

Der große Murks

Letzte Woche hat die Koalition aus CDU und FPD ihr Resümee der ersten 100 Tage gezogen. Was da als Erfolg verkauft wird kann einen verzweifeln lassen:

  • Ein “Wachstumsbeschleunigungsgesetz” -auf Pump finanziert- das hauptsächlich dazu dient Unternehmer, Hoteliers und Erben zu entlasten.
  • Der unsägliche Streit um die Entsendung von Monika Steinbach in den Stiftungsrat der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung. (Warum lässt sich eine Regierung so vom BdV vorführen? Frau Steinbach hat aufgrund ihres Verhaltens in der Vergangenheit nichts in dieser Stiftung zu suchen.)
  • Die Stimmenthaltung Thomas de Maizières im EU-Ministerrat bei der Abstimmung um die Weitergabe der SWIFT-Daten an amerikanische Behörden.
  • Der Hickhack um den Raketenangriff auf zwei Tanklastwagen im Kundus.
  • Der Rücktritt des Arbeitsministers Franz Josef Jung wegen der Kundus-Affäre.
  • Der ständige Streit um zukünftige Steuersenkungen, nur um Wahlversprechen einzuhalten und noch mehr die eigene Klientel zu bedienen.
  • Eine Rekordverschuldung für die kommenden Jahre.

Kann man da eigentlich überhaupt noch von regierungsähnlichen Zuständen sprechen? Es ist frustrierend.