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Kabel dran!

Liebe Freunde des Computerschrotts,

sicher habt ihr mitbekommen, dass ich den Beruf des Systemadministrators ausübe. An sich eine feine Sache, gäbe es da nicht so eine unangenehme Begleiterscheinung. An sich nichts schlimmes, aber auf die Dauer doch lästiger als all die täglichen Anrufe vom Kaliber “Es druckt nicht” oder “Es zeigt nichts an” oder “Ich komme nicht drauf…”

Alles fing nach meinem letzten Urlaub an. Ich habe mir angewöhnt, immer vor einer längeren Abwesenheit meinen Schreibtisch gründlich aufzuräumen. Dies hat mehrere Gründe. Zum einen hat die Putzfrau dann die, zweimal im Jahr wiederkehrende, Gelegenheit den Schreibtisch feucht abzuwischen, zum anderen findet man während des Aufräumens immer irgendwelche Dinge, die noch dringend erledigt werden müssen. Aber zurück zu meinem ersten Arbeitstag nach längerer Absenz. Nach meinem letzten Urlaub lag ein, fein säuberlich zusammengerolltes, Telefonkabel auf meinem Schreibtisch. Darauf lag ein Zettel von meiner Kollegin auf dem Stand, dass ihr Faxgerät kaputt gegangen sei und beim Austausch eben dieses Kabel übrig geblieben ist. Sicher hätte ich dafür noch Verwendung. Ich schenkte dem zunächst keine Bedeutung und legte Kabel und Zettel zur Seite.

Aber ich hatte die Rechnung ohne meine Kollegen gemacht. Am nächsten Tag stand dann ein uralter DIN A3 Scanner hochkant in meinem Büro, diesmal ohne Zettel. Als ich dann nach einem längeren Termin am gleichen Tag zurück in mein Büro kam, thronte auf dem Scanner dann noch ein passender DIN A3 Tintenstrahldrucker der Marke HP. Das Ganze stand in einem äußerst labilen Zustand aufeinander und so beschloss ich, den alten Drucker auf die Verlängerung meines Schreibtisches zu stellen, der eigentlich als Aushilfsarbeitsplatz für Techniker anderer Firmen, Praktikanten oder Azubis gedacht war. Diese Tat musste wie ein Fanal gewirkt haben. Im Laufe der nächsten Tage stapelten sich dann weitere ausrangierte Drucker, Minihubs, Telefone, Kabel in allen Längen und für alle möglichen Zwecke und sogar leere Tonerkartuschen auf der besagten Schreibtischverlängerung.

Beim mittaglichen Bäckerbesuch mit einigen meiner Kollegen flaxte ich, dass die IT-Abteilung nun ab sofort für alles zuständig sei, an dem ein Kabel angebracht ist. Als Beispiel nannte ich den neu installierten Getränkeautomaten, eingemottete elektrische Schreibmaschinen, Dia- und Overheadprojektoren aus der Steinzeit der Präsentationstechnik und noch so manches andere. Ich scherzte, dass wenn man wolle, dass ich für etwas zuständig sein solle, dann müsse man nur ein Kabel daran befestigen. In diesem Moment würde die Zuständigkeit sofort und unumkehrbar auf mich übergehen. Die Kollegen fanden es lustig und hatten schon prima Beispiele parat (Akten, Büropflanzen, unliebsame Kunden).

Ab diesem Tag entwickelte die Sache eine gewisse Eigendynamik. Am nächsten Tag nämlich, und das ist kein Witz, standen zwei bei uns angestellte Mechaniker in meinem Büro und übergaben mir zwei große Tüten mit folgenden Inhalt:

  • 3 alte Siemens Handys
  • 4 dazu passende Ladegeräte (eines fürs Auto)
  • 2 Freisprecheinrichtungen für oben genannten Handys
  • die Originalverpackungen zu den drei Handys
  • eine Handyantenne, die mit einem Saugnapf auf einem Auto befestigt werden kann
  • und, als besonderes Schmankerl, 2 Centronics Druckerkabel

Seit diesem Tag ergebe ich mich meinen Schicksal und sehe den wachsenden Berg an Coputerschrott, Kabeln, leeren Kartuschen, und veralteter Kommunikations- und Druckertechnik als eine art Gesamtkunstwerk. Sollte es einmal ein Museum für ausgestorbene Anschlüsse und nicht mehr benötigte Schnittstellen geben: mein Büro wird die erste Adresse sein! Ach ja, und dann noch eine kleine Anekdote zum Schluss. Das mit dem Kabel hat übrigens seine logische Fortsetzung in der Frage eines Kollegen gefunden, ob ich ihm erklären könne, warum an dem Getränkeautomaten so eine komische Fehlermeldung steht und ein Lämpchen rot brennt. Ah, is klar, ist ja auch ein Kabel dran…

Ein Kommentar zu “Kabel dran!”

  1. [...] unter dem Drucker steht, braucht sie nicht allzu > klein zu sein… mir ist so ein standfestes, als Druckeruntersetzer > verwendetes Desktopgehäuse (ganz gut gehen dafür überigens die > ollen > [...]